Wassenberg: Ein vierter König an der Krippe
VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 06.01.2009Wassenberg (RPO). Eine Legende erzählt von einem vierten Weisen aus dem Morgenland, der den Anschluss verpasst und so erst zur Kreuzigung Jesu im Heiligen Land ankommt. In Orsbeck steht der vierte König heute als Figur bei den drei anderen.
Spätestens heute, zu ihrem Ehrentag, gesellen sich an allen Kirchen-Krippen zur Heiligen Familie auch die Heiligen Drei Könige. In der Pfarre St. Martin in Orsbeck sind es erstmals jedoch gar vier – sicherlich einzigartig im Erkelenzer Land. Coredan heißt der vierte Weise aus dem Morgenland, der in gebeugter Haltung und ein wenig abseits von Kaspar, Melchior und Balthasar Platz auf der von Küsterin Sylvia Schaffrath erstmals wieder im linken Seitenschiff aufgestellten Krippe gefunden hat.
Idee von Pfarrer Heinz Portz
Die Idee dazu hatte Pfarrer Heinz Portz. „Diesen vierten König hatte ich bei einer Bekannten in Wegberg gesehen. Da dachte ich mir, den könnten wir auch in Orsbeck einführen. Dieser vierte König ist zwar nicht biblisch, aber das sind Ochs und Esel ja auch nicht.“
Bis Lichtmess
Besichtigt werden kann die Krippe von St. Martin in Orsbeck bis Maria Lichtmess (2. Februar), dem klassischen Ende der Weihnachtszeit.
Besuchzeiten: dienstags und donnerstags von 17 bis 19.30 Uhr, freitags von 14 bis 16 Uhr und sonntags von 8 bis 10.30 Uhr.
Eine alte russische Legende erzählt von Coredan: Weil sein Pferd lahmte, ist er zu spät zum verabredeten Treffpunkt mit den drei anderen Königen gekommen, um das Jesuskind zu suchen. Auf seinem folgenden jahrzehntelangen Weg nach Bethlehem sah und erlebte er viel Leid, ehe er – alt und vom Leben gezeichnet – den sterbenden Jesus am Kreuz erblickt und so dann selbst beruhigt sterben konnte.
Über Coredan hat der Schriftsteller Edzard Schaper die Novelle „Die Legende vom vierten König“ geschrieben. „Außerdem gibt’s dazu auch einen alten Hollywood-Film“, ergänzt Portz.
Geschaffen hat den Coredan für St. Martin die Wassenberger Künstlerin Simone Gärtner – größtenteils aus Modelliermehl. Aber auch eine Kugelschreiber-Hülse ist zum Einsatz gekommen. Die Figur macht einen leidenden Eindruck. „Coredan war ja auch sehr vom Leben gebeutelt“, erläutert Portz. Wie bei Jesus am Kreuz ist auch Coredans Haupt mit einer Dornenkrone bedeckt, und in der Hand trägt er ein Kreuz mit einem Medaillon.
In diesem eingeschlossen ist die Kreuzreliquie von St. Martin – und das ist auch der eigentliche Grund, warum Pfarrer Portz von seinen drei Pfarreien eben die Orsbecker für den vierten König auserkoren hat. „Ich möchte so wieder in Erinnerung bringen, dass wir hier diese Kreuzreliquie haben: einen kleinen Holzsplitter vom Kreuz Jesu.“
Überprüfung nicht möglich
Freimütig räumt der Pfarrer ein, dass er ausgesprochen froh darüber sei, dass die Echtheit der Reliquie wissenschaftlich nicht überprüft werden könne: „Anders als beispielsweise das Turiner Grabtuch ist unsere Reliquie dafür viel zu winzig – und das ist auch gut so.“
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