Hückelhoven: Eindrucksvolle Einheit
VON DOMINIK MERCKS - zuletzt aktualisiert: 07.10.2008Hückelhoven (RPO). Orgel und Gesang wurden beim Ratheimer Erntedank-Konzert zu einer Einheit und überzeugten das Publikum.
Im Mittelpunkt standen „Biblische Lieder“, bei denen Natalie Diart und Georg Lechner Brillantes leisteten.Man sah sie nicht, aber man hörte sie - und das reichte vollkommen, um für eine starke Präsenz zu sorgen. Von der Orgelempore und damit unsichtbar fürs Publikum gestalteten Sopranistin Natalie Diart und Organist Georg Lechner ein Konzert zum Erntedank in der Ratheimer Pfarrkirche St. Johannes der Täufer. „Wir möchten zum Erntedank dankende und lobende Werke präsentieren“, kündigte Kantor Lechner zu Beginn des einstündigen Konzertes an. Ein Vorsatz, dem die beiden Musiker voll und ganz nachkamen.
Klare Melodie, düstere Begleitung
Nach der etwas zögerlichen und eher gemächlichen Eröffnung durch Präludium und Fuge Es-Dur von Johann Sebastian Bach für Orgelsolo sorgen drei Gesänge von Louis Vierne für einen ersten Höhepunkt: Klar werden die langen Melodiebögen von Natalie Diart vorgetragen, mal mit viel Vibrato, mal schnörkellos und gradlinig. Dagegen setzt Georg Lechner an der Orgel eher düstere Klänge, gekonnt spielen die Lieder mit Dissonanzen und deren Auflösung. Erholung bietet das solistische Zwischenspiel „Nun danket alle Gott“, in dem Organist Lechner alle Register ziehen kann und das monumentale Thema festlich ausgestaltet.
Höhe- und Schwerpunkt des Konzerts bilden Antonin Dvoráks „Zehn biblische Lieder“. Mal preisend, mal bittend lädt jedes der zehn Stücke zum Eintauchen in eine andere Welt ein. In den stärksten Passagen verschmelzen der Gesang Diarts und Lechners Orgelspiel zu einer Einheit, wird der Text fast greifbar. Mal loben Musik und Text die Größe Gottes, mal flehen sie um Beistand, mal schreien sie bewegt-verspielt auf. Das Zusammenspiel harmoniert, Orgel und Gesang agieren gleichberechtigt; die Orgel ist nicht nur bloßer Begleiter der Melodie, sondern führt deren Gedanken weiter oder bringt Gegenstimmen ein.
Langer Beifall
Dabei ist das Werk keine leichte Kost: Die Melodie muss schwierige Sprünge und ungewöhnliche Intervalle bewältigen – eine Aufgabe, die Natalie Diart spielerisch meistert. Zur Erholung laden die ruhigen, romantisch anmutenden Passagen des Werks ein, in denen Orgel und Gesang ruhig dahinfließen. Nach einer Stunde versiegt der musikalische Fluss - und macht Platz für langen und berechtigten Applaus.
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