Hückelhoven: Friedhofsmord: Haupttäter legt Geständnis ab
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 25.11.2008 - 12:01Hückelhoven (RPO). Die Mädchen sollen gezittert und geweint haben, als gestern vor der Jugendkammer des Landgerichts Mönchengladbach die Anklage verlesen wurde. So schilderten es ihre Anwälte nach dem nicht öffentlichen Mord-Prozess. Die 16 und 15 Jahre alten Mädchen sollen mit zwei ebenfalls minderjährigen Jungen am 20. März auf einem Friedhof in Hückelhoven einen Mann getötet haben.
Wegen gemeinschaftlichen heimtückischen Mordes aus Habgier sitzen die vier Jugendlichen seit gestern auf der Anklagebank. Nach dem Verbrechen war das Quartett mit dem Auto des Opfers davongefahren. Bereits einen Tag später endete die Flucht in Paris. Am 2. April lieferten die französischen Behörden die dringend Tatverdächtigen aus.
Der 16-jährige Hückelhovener, der mit dem Messer zustach, gab sich nach anfänglichem Zögern als Haupttäter zu erkennen. Er habe die Waffe mitgebracht. Aber das sei ohne Abstimmung mit den Mitangeklagten geschehen. Die Minderjährigen hätten nur von „Abziehen“ gesprochen, nicht von körperlicher Gewalt oder dass jemand getötet werden sollte. „Wenn wir dem Autofahrer das Messer vor die Nase halten, dann gibt der uns ohne weiteres den Wagen“, soll das Quartett geglaubt haben.
Tatsächlich soll der 16-Jährige auf dem Friedhof den Autofahrer zunächst nach der Uhrzeit gefragt und kurz danach zugestochen haben. „Das Messer rutschte mir aus dem Ärmel, plötzlich steckte es in dem Mann drin“, soll der 16-Jährige gestern im Gerichtssaal ausgesagt haben. Als das Opfer zu Boden fiel, stach der Junge laut Anklage ein zweites Mal zu. Vorher habe der Schwerverletzte Autoschlüssel und Handy herausgeben müssen. Dem ein Jahr jüngeren Bruder des Hauptangeklagten soll die Tat damals schwer zugesetzt haben. Auf der Flucht nach Paris soll er immer wieder weinend gesagt haben: „Warum hast du das getan?“
Offensichtlich wollten die vier Jugendlichen ein neues Leben in Spanien anfangen. Dafür brauchten sie ein Auto. Katastrophale Familienverhältnisse sollen die Angeklagten gestern vor Gericht geschildert haben. Niemand hat einen Schulabschluss, drei Kinder haben Heimerfahrungen hinter sich, zumindest der Hauptangeklagte war schon vorher bei der Polizei aufgefallen.
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