Hückelhoven: Für ein Auto getötet
VON STEFAN CLAASSEN - zuletzt aktualisiert: 05.04.2008Hückelhoven (RPO). Das Motiv der vier jugendlichen Verdächtigen für die Bluttat am Schaufenberger Friedhof scheint unfassbar. „Wir wollten uns ein Auto besorgen“, lautet es, wie Staatsanwältin Carola Guddat sagt. Ziel der Fahrt war Spanien.
Nicht Paris, sondern Spanien war das Ziel der vier Jugendlichen, die verdächtigt werden, am Gründonnerstag für diese Tour einen 54-jährigen Friedhofsbesucher in Schaufenberg ermordet zu haben. Wie die Mönchengladbacher Staatsanwältin Carola Guddat gestern sagte, sollte Paris lediglich Ziel eines Zwischenstopps nach Spanien gewesen sein, wo die Vier ein neues Leben beginnen wollten.
Keine Eskalation, sondern geplant
Die Staatsanwältin betonte, dass es auf dem Friedhofsparkplatz keineswegs zu einer eskalierenden Rangelei gekommen sei, in deren Verlauf der ältere der beiden 15- und 16 Jahre alten Brüder aus Hückelhoven zugestochen habe. Vielmehr habe bereits vor der Tat das Tötungsdelikt bei dem geplanten Raubüberfall im Raum gestanden. Das Motiv: die Vier wollten ein Auto. Warum dafür ein Mensch sterben sollte, ist auch für die Staatsanwältin noch nicht nachvollziehbar. Es gebe auch keine Anhaltspunkte, dass die Jugendlichen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden haben.
Vorwurf: Mord
Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach wirft den vier verdächtigen Jugendlichen gemeinschaftlichen Mord in Tateinheit mit räuberischer Erpressung mit Todesfolge vor. Die französische Polizei hatte die Jugendlichen in Paris festgenommen und am Mittwoch der deutschen Polizei übergeben.
Dass ausgerechnet der 54-Jährige ihr Opfer wurde, sei mehr oder weniger Zufall gewesen und keineswegs so, dass er über längere Zeit beobachtet worden sei. Die Verdächtigen hätten sich den abgelegenen und unbeobachteten Friedhofsparkplatz ausgesucht, um hier irgendein Opfer zu finden.
Wie mittlerweile auch geklärt ist, stamme eines der beiden 15-jährigen Mädchen nicht aus Hückelhoven, sondern aus Düsseldorf. Hier sei sie in einem Heim untergebracht gewesen, aus dem sie abgehauen sei.
Der 16-jährige mutmaßliche Täter habe bereits drei Heimaufenthalte in verschiedenen Einrichtungen hinter sich und sei ebenfalls „abgängig“, wie Frau Guddat weiter sagte. Er sei zwar polizeibekannt und auch bereits zweimal verurteilt worden, erklärte die Staatsanwältin, aber wegen Bagatelldelikten. Was ihn die Hemmschwelle von derartigen Delikten zu einer geplanten Tötung überschreiten ließ, sei noch nicht zu beantworten.
Neben der Befragung der Jugendlichen werde nach Spuren im Auto, an den Messern und der Kleidung gesucht, um weiter Klarheit in den Fall zu bringen. Denn zum Teil hätten die Vier unterschiedliche Angaben gemacht, es gebe Geständnisse und Teilgeständnisse. Beweismaterial soll hier weiter Licht ins restliche Dunkel bringen. Ebenso würden die familiären Hintergründe der Jugendlichen beleuchtet.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



