Wegberg: Gesamtkunstwerk Alsmann
VON KERSTIN DE HAAS - zuletzt aktualisiert: 20.08.2007Wegberg (RPO). Der Kulturförderkreis Opus 512 hat ihn nach Wegberg geholt und einen Volltreffer gelandet: Restlos ausverkauft war das Forum beim Gastspiel des Musik-Entertainers und seiner Band. Sein „Geheimnis“ jedoch behielt er für sich.
Wäre dies ein Text ohne Punkt und Komma, den der geneigte Leser in zungenbrecherischer Geschwindigkeit laut vor sich her läse und dabei kontinuierlich Tempo sowie Impulsivität steigerte, um beim absoluten Höhepunkt seine Zuhörer in Sachen Pointe am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen und ein Liedchen anzustimmen, das den gerade aufgebauten Spannungsbogen in purer Ausgeglichenheit entlädt, dann würde er dem Erlebten gerecht werden. Andererseits wäre der Text dann nur eine schlechte Kopie des beeindruckenden Originals. Götz Alsmann. Der Mann, die Musik – ein Gesamtkunstwerk. Mehr als 600 Besucher erlebten es im Wegberger Forum, welches Alsmann selbst als flamboyantes Ambiente titulierte, das den Höhepunkt seines Tourneejahres schon im August darstelle. Und damit begann sie – die Lügengeschichte des Götz Alsmann.
Die Band
Götz Alsmann Gesang, Klavier, Banjo, Tenorgitarre, Akkordeon, Orgel
Altfrid Maria Sicking Vibraphon, Xylophon, Marimba, Trompete
Michael Ottomar Müller Bassgitarre
Rudi Marhold Schlagzeug, Percussion, Hang
Markus Passlick Congas, Bongos, Cajon, Percussion, Hang
Kindheit im Wanderzirkus
Eigentlich wollte er „Mein Geheimnis“ lüften. Doch was er ausplauderte, waren haarsträubende Geschichten über seine Kindheit in einem Wanderzirkus oder einen Ausflug in die archäologische Notenausgrabung. Geschichten, mit einer Mimik präsentiert, als glaube er selbst jedes Wort, das er sagte. Um sich dann ans Klavier zu setzen und ein anderer Mensch zu sein.
Das Gehetze weicht einer ausgeglichenen Ruhe, die Staccato-Sprache wird zum säuselnden Gesang, das Klavierspiel zum Ausdruck eines Lebensgefühls. Die Musik scheint ihn zu zähmen. Er verliert sich in ihr und belebt sie zusammen mit seinen ebenfalls erstklassigen Musikern. Dabei weiß er sehr wohl um sein Publikum, das mehr aus Alsmann-als-Entertainer-Fans denn aus Jazzliebhabern besteht. Er erklärt seine Musik nicht. Verrät nichts über die Komponisten und Verfasser der Jazz-Schlager aus den 20er Jahren, der Vor- und Nachkriegszeit und der Swinging Sixties. Seine eigenen Stücke wie das bluesige „Wenn ich in Stimmung bin“, der Cha-Cha „Indiskret“, das Säbeltanz artige „Wie immer“ und die „Zugnovelle“ unter Einsatz zweier metallener diatonischer Trommeln (Hangs) schmeicheln sich fast unmerklich in die Riege der „Klassiker“ von Heinz Gietz, Michael Jary, Theo Mackeben oder Werner Müller ein und ragen doch in Sachen Interpretation heraus.
Ein solistischer Ausflug Alsmanns auf der Ukulele gehört noch zum Programm sowie ein eher verzichtbarer Stand-up-Comedy-Versuch des Perkussionisten und eine verjazzte Version aus der Nussknacker-Suite als Zugabe. Am Ende des Abends hat man nichts über den Menschen Alsmann erfahren, schon gar kein Geheimnis, und weiß doch alles, was man wissen muss: Alsmann, das musikalische Gesamtkunstwerk.
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