Hückelhoven: Hohe Strafen gefordert
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 27.01.2009Hückelhoven (RPO). Im Prozess gegen die vier mutmaßlichen Friedhofsmörder von Schaufenberg hielten Staatsanwalt und Verteidigung gestern ihre Plädoyers. Der Haupttäter soll für neun Jahre und acht Monate in Jugendhaft.
Im Jugendkammer-Prozess um das schreckliche Verbrechen auf dem Friedhofs-Parkplatz in Schaufenberg forderte die Staatsanwältin Carola Guddat gestern hohe Jugendstrafen: Dem 15 und 16 Jahre alten Angeklagten-Quartett warf sie gemeinschaftlichen Mord in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge vor. Sie sollen den 54 Jahre alte Ewald F. aus Millich am Gründonnerstag des vorigen Jahres erstochen habe. Nach der Tat stahlen die vier Minderjährigen das Auto ihres Opfers, sie wollten in Spanien ein neues Leben beginnen. In Paris wurden sie einen Tag später geschnappt.
Der 16-jährige Hückelhovener Manuel P., der sich bereits zu Prozessbeginn als Haupttäter zu erkennen gegeben hatte, soll für neun Jahre und acht Monate in die Jugendstrafanstalt. Für dessen 15 Jahre alten Bruder forderte die Anklagevertreterin eine Jugendstrafe von achteinhalb Jahren. Das ältere der mitangeklagten Mädchen (16) soll für neun Jahre ins Jugendgefängnis. Nur die 15 Jahre Hückelhovenerin soll in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. In deren Fall hatte sich die Staatsanwältin dem Sachverständigen-Gutachten angeschlossen.
Urteilsverkündung
Wann? Heute Nachmittag ab 15.30 Uhr.
Wo? Jugendkammer des Landgerichts Mönchengladbach. Dieser Termin ist wie alle vorherigen nicht-öffentlich.
Am 20. März 2008 hatten Friedhofsbesucher das sterbende Opfer der vier jugendlichen Täter auf dem Parkplatz gefunden. Der 54-Jährige war von den vier Jugendlichen überfallen und mit zwei Messerstichen verletzt worden. Bereits zu Prozessbeginn hatte der 16-Jährige zugegeben, die tödlichen Messerstiche ausgeführt zu haben. Aber das sei ohne Wissen der Mitangeklagten geschehen. Er habe das Messer mitgebracht. Eigentlich sei man nur von einem Autoraub ausgegangen, sagte der 16-Jährige. Im Prozess hatten seine drei Komplizen beteuert: "Räuberische Erpressung ja, aber kein Mord."
In ihren Plädoyers hatten sich gestern die Verteidiger der Version der Komplizen des Haupttäters vom "Autoraub ja, aber ohne Tötungsdelikt" angeschlossen und Jugendstrafen mit Bewährung gefordert. Während der Haupttäter gestern bei der Gelegenheit, eine letzte Aussage zu machen, schwieg, bedauerte sein jüngerer Bruder die Tat in seinem Schlusswort, das er besonders an den Bruder des Ermordeten richtete: "Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen." Auch die Mädchen sagten: "Es tut mir leid." Die Mutter der Jungen sprach aus, was in diesem Fall offenbar eine große Rolle spielt: "Wir haben als Eltern wohl versagt."
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