Wegberg: Jacobs: Klinik vor dem Aus
VON MICHAEL HECKERS UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 31.08.2007Wegberg (RPO). Das Wegberger Krankenhaus steht nach Ansicht von Wilfried Jacobs vor dem Aus. Der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg übt Kritik an Wegberger Politikern. Das 93-Betten-Haus ist seit Monaten unterbelegt.
Während die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen tödlicher Behandlungsfehler gegen Krankenhauschef Dr. Arnold Pier andauern, steigt der wirtschaftliche Druck auf die Wegberger Sankt Antonius Klinik: Die Belegungsquote in dem 93-Betten-Haus liegt nach RP-Informationen seit Monaten bei unter 40 Prozent.
Die Krankenkassen wollen die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus deshalb beenden und haben ein entsprechendes Verfahren eingeleitet. Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, sieht die Klinik unmittelbar vor dem Aus.
Keine Perspektive
Nach Ansicht des AOK-Vorstands hat ein kleines Krankenhaus mit unter 100 Betten heutzutage prinzipiell keine Möglichkeit, eine langfristige Perspektive zu entwickeln. „Das hätte man in Wegberg vor dem Verkauf des Krankenhauses erkennen müssen“, sagt Jacobs.
Wilfried Jacobs
AOK Rheinland/Hamburg: Wilfried Jacobs (63) ist seit 1996 Vorstandsvorsitzender bei der AOK.
1970 begann er nach einer Ausbildung bei der Innungskrankenkasse Düsseldorf bei der AOK.
Von 1997 bis 1999 war Jacobs Präsident bei Borussia Mönchengladbach.
Die Stadt Wegberg und die Antonius-Stiftung hatten die Gesellschafteranteile am 31. Januar 2006 an den Chirurgen Dr. Arnold Pier verkauft. Einen Tag später sagte Bürgermeisterin Hedwig Klein bei der Pressekonferenz zur Übernahme des Krankenhauses, dass der Rat mit der Entscheidung für den Verkauf an Pier die Weichen für die Zukunft richtig gestellt habe. „Es gibt einige kritische Stimmen, die behaupten, diese Entwicklung hätte es nicht geben dürfen. Dem widerspricht das Krankenhausbarometer ebenso wie die Berichte über Häuser – auch größere Kliniken – in unserem Lande, die geschlossen wurden oder zum Insolvenzverwalter gehen mussten“, sagte sie damals.
Nach Ansicht von Wilfried Jacobs haben die Wegberger Kommunalpolitiker, die den Verkauf mit aller Macht vorangetrieben haben, erhebliche Schuld auf sich geladen. „Es ist immer ein Problem, wenn Kommunalpolitiker ein Krankenhaus um jeden Preis erhalten wollen“, sagt er. Zu den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den Wegberger Klinikleiter äußert sich Jacobs nicht. Nach einer anonymen Anzeige ermittelt die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft seit Dezember 2006 wegen tödlicher Behandlungsfehler gegen den Klinikchef. Seit Anfang März darf Pier auf Anordnung der Bezirksregierung nicht mehr ärztlich tätig sein. Auch Abrechnungsbetrug wird ihm vorgeworfen.
„Die Qualität der medizinischen Leistung, die am Wegberger Krankenhaus geleistet wird, kann ich nicht beurteilen“, sagt AOK-Chef Jacobs. Wirtschaftlich steht die Klinik seiner Ansicht nach unmittelbar vor dem Aus, trotz der Durchhalteparolen, die immer wieder zu hören sind. „In Wahrheit glaubt niemand, dass die Wegberger Sankt Antonius Klinik noch eine Zukunft hat.“
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