Hückelhoven: Kämpfen für eine Gesamtschule
VON ANKE BACKHAUS - zuletzt aktualisiert: 06.06.2008Hückelhoven (RPO). Eine neue Initiative will sich für eine vierte Gesamtschule im Kreisgebiet einsetzen. Vor allem im Erkelenzer Land sieht sie Bedarf. Doch zur ersten Informationsveranstaltung kamen mehr Politiker als Eltern.
Im Grunde fanden mehr Landes- und Kommunalpolitiker als Eltern den Weg zum alten Zechengelände. Eine Initiative hatte zu einem Informationsgespräch geladen. Thema: Die vierte Gesamtschule für den Kreis Heinsberg soll her. Gerd Müller, Vater eines Drittklässlers, ist der Kopf der Initiative. Mit im Boot ist auch Uwe Böken, stellvertretender Schulleiter der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen. Weil Jahr für Jahr zahllose Kinder in den vorhandenen drei Gesamtschulen – neben Geilenkirchen gibt es im Kreis Gesamtschulen in Übach-Palenberg und Wassenberg – abgewiesen werden, sehen sie nach wie vor den Bedarf, eine vierte Gesamtschule zu installieren. Nur: Die Eltern strömten alles andere als zahlreich zum Infoabend. Dennoch entfachte eine sehr lebhafte Diskussion.
Unterschriften gesammelt
„Es geht uns nicht darum, andere Schulen abzuschaffen, aber wir wollen für unsere Kinder neue Möglichkeiten schaffen“, sagte Gerd Müller. Einen konkreten Standort haben die Initiatoren zwar noch nicht im Blick, jedoch dürfte man in Richtung Nordkreis blicken. Denn vor allem in Erkelenz, Hückelhoven und Wegberg werden Mitstreiter gesucht. Mit Unterschriftenlisten, die den Elternwillen unterstreichen sollen, will die Initiative vor allem die Politik erreichen.
Ziel Chancengleichheit
SPD-Politiker wie Landtagsabgeordnete Ulla Meurer, Hückelhovens stellvertretender Bürgermeister Jörg Leseberg, der Erkelenzer Stadtverordnete Ferdinand Kehren sowie Unterbezirksvorsitzender Norbert Spinrath nahmen an der Diskussion teil. Einig waren sich Politiker, Eltern und Initiatoren darin, dass das gemeinsame Lernen der Kinder auch über die Grundschule hinaus gesichert werden müsse. Zudem würde die Chancengleichheit an Gesamtschulen größer geschrieben als beim mehrgliedrigem Schulsystem (mit Gymnasium, Real- und Hauptschule) nach der Grundschule. Vor allem die Beurteilung nach den vier Grundschuljahren sei vielfach falsch, meinten die Diskussionsteilnehmer.
Kritik übte indes ein Besucher, der die Frage stellte, warum die SPD nicht auf dem Vormarsch gewesen sei, als die Partei noch Regierungsverantwortung im Land NRW hatte. Spinrath räumte dies auch klar als Fehler ein, denn (und das meinte auch Ulla Meurer) das Konzept der Gesamtschule habe sich etabliert.
Derweil störte Ferdinand Kehren die in Gang gekommene parteipolitische Diskussion mit einer abweichenden Meinung. Er wünsche sich viel mehr einen überparteilichen Konsens im Sinne der Kinder. „Wir als Politiker sollten uns zurückhalten und die Eltern zu Wort kommen lassen.“
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