Wegberg: Kein Rezept gegen Leerstände
VON DANIELA GIESS - zuletzt aktualisiert: 17.05.2010 - 10:28Wegberg (RPO). Freitag war Markt in Wegberg. Anlass für einen Bummel durch die Innenstadt. Die RP sammelte Eindrücke und Stimmungen von Geschäftsleuten und Kunden. Leere Ladenlokale bleiben ein Sorgenkind.
Der Leerstand ist nicht zu übersehen. Wie ausgestorben wirkt die Kreuzherrengalerie. Kein einziger Passant ist zu sehen, ein trostloser Anblick. Erika Gottschlich kennt diesen Anblick seit rund anderthalb Jahren. Die Galeristin, die in ihrer Art Factory auch Malschüler unterrichtet, beklagt die zahlreichen leeren Ladenlokale.
"Die Galerie ist nie richtig angenommen worden", sagt die 41-Jährige. "Es spielt sich doch alles auf der Bahnhofstraße ab." Fotogeschäft, Augenoptiker, ein Spielwarengeschäft, Computer-Zubehör und Teppichverkauf waren einmal ihre Nachbarn im Erdgeschoss der Kreuzherrengalerie – alle sind weg. "Früher war hier wirklich mehr los. Dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag", erinnert sich die Malerin, die seit zehn Jahren mit Ehemann Oliver in Rath-Anhoven zu Hause ist und vorher in den Staaten lebte.
Was Kunden wollen
Studie Wirtschaftsstudenten aus Venlo hatten vor zwei Jahren in einer Studie festgestellt, dass vor allem die Einkaufszentren am Bahnhof und an der Fußbachstraße von Käufern angesteuert werden.
Manko Besonders Damenoberbekleidung und Haushaltswaren vermissten die rund 300 Befragten laut dieser Studie in Wegbergs Innenstadt.
Umsatzrückgang macht Sorgen
Erika Gottschlich wünscht sich ein Gespräch über die Situation mit Bürgermeister Reinhold Pillich und den anderen betroffenen Geschäftsleuten aus der näheren Umgebung: "Das wäre gut." Sie hat festgestellt, dass auch bei ihr der Umsatz zurückgegangen ist, seit sie mit dem Eiscafé nebenan und dem Reisebüro von gegenüber allein zurückgeblieben ist in dem langen Gang. "Von Anfang an war klar, dass das nichts gibt in der Kreuzherrengalerie", sagt eine Passantin, die mit ihrem Einkaufskorb unterwegs ist zum Wochenmarkt in der Fußgängerzone. "Das sagen alle."
An der Hauptstraße ist Esther Hilz noch bis Juni in ihrem Lingeriefachgeschäft "Hautnah" anzutreffen. Die Geschäftsfrau gibt auf. Zu viele leerstehende Ladenlokale, zu wenige Kunden, die bereit sind, für gute Qualität mehr Geld auszugeben. "Seit drei Jahren merke ich das", sagt sie und hebt die Schultern. 30 Prozent Rabatt gibt es bei ihr zurzeit. Wie es nach dem Ausverkauf weitergeht, weiß sie noch nicht. "Anfangs habe ich mir den Kopf zerbrochen. Inzwischen sage ich mir, dass es kommt, wie es kommen muss", meint Esther Hilz.
"Ich kaufe lieber alles vor Ort ein. Nur das, was ich in Wegberg nicht bekomme, kaufe ich in anderen Städten", erklärt eine ihrer Kundinnen. Esther Hilz nickt: "Ich auch." Sie denkt, dass auch die Währungsumstellung verantwortlich ist für den Leerstand in Wegbergs City: "Der Euro hat vieles kaputt gemacht."
Die Betreiberin des Geschäfts "Urquelle des Lichts" meint, dass die Mieten teilweise überteuert seien. Sie teilt sich ihr 50-Quadratmeter-Ladenlokal mit Münzhändler Eugen Paulußen, um die Kosten überschaubar zu halten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



