Kreis Heinsberg: " Kibiz braucht Qualität"
zuletzt aktualisiert: 26.08.2011Kreis Heinsberg (RP). Klaus Eberl aus Wassenberg kümmert sich in der evangelischen Kirchenleitung besonders um die Bildung. Vor allem die Reform des Kinderbildungsgesetzes und die Inklusion Behinderter liegen ihm am Herzen.
Als langjähriger Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg und Superintendent des Kirchenkreises Jülich hat Klaus Eberl viel in Bewegung gebracht, das auch überregional in der Landeskirche (sie umfasst das Rheinland sowie Teile von Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen) Beachtung fand. Vor vier Jahren wechselte Eberl in die Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, blieb aber Wassenberger Bürger.
Als Oberkirchenrat und Leiter der Abteilung Bildung und Erziehung widmet er sich heute Themen, die ihn auch als Superintendent schon beschäftigten. Dabei scheut Eberl nicht, zu aktuellen politischen Beschlüssen in diesem Bereich Stellung zu nehmen. Die Stimme der Evangelischen Kirche, die selbst Trägerin von Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen ist, hat dabei Gewicht. Im Gespräch beschreibt Eberl seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte und blickt auf die vier Jahre im Landeskirchenamt Düsseldorf zurück.
Zur Person
Klaus Eberl 1955 in Bottrop geboren, er wuchs in Gerderath auf.
Berufliche Laufbahn Nach dem Studium Vikariat in Lövenich; 1984 bis 2007 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg; 1994 bis 2007 Superintendent des Kirchenkreises Jülich; 2001 bis 2007 nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung. Seit 1997 Mitglied der Synode der EKD und seit 2005 Vizepräses der EKD-Synode; seit März 2007 hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung, Oberkirchenrat und Leiter der Abteilung IV "Bildung" im Landeskirchenamt in Düsseldorf.
Es gibt 881 Kindergärten in evangelischer Trägerschaft im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland. Da dürften die aktuellen Änderungen des Kinderbildungsgesetzes sicher ein Thema sein. Bringen die Änderungen Fortschritte? Welche Wünsche bleiben offen?
Eberl Es ist für die neue Landesregierung nicht einfach, das ungeliebte Kinderbildungsgesetz zu reformieren. Deshalb hat man sich für ein zweistufiges Verfahren entschieden. Das ist verständlich. Der Wegfall der Elternbeiträge im letzten Jahr hat allerdings nur einen sehr begrenzten Effekt. In der zweiten Stufe der Reform, die hoffentlich im nächsten Jahr verabschiedet wird, muss es zu Anreizen für Qualitätsverbesserungen kommen und zu einer finanziellen Entlastung der Träger. Die Kirchen erwarten, mit anderen Trägern gleichgestellt zu werden.
Auch der Schulbereich gehört zu Ihrem Aufgabengebiet in der Kirchenleitung. Wie schätzen Sie den jüngsten Schulkompromiss der Landtagsfraktionen ein, der bekanntlich die neue Schulform Sekundarschule einführt?
Eberl Die Evangelische Kirche begrüßt den Schulkonsens. Es besteht nun die Hoffnung, dass langfristige Planungen möglich werden und die Träger die notwendige Rechtssicherheit erhalten. Lehrerkollegien, Eltern, Schülerinnen und Schülern bleibt in den kommenden Jahren ein kraftraubender Streit um das beste Konzept erspart. Die Schule kann sich auf ihre eigentliche pädagogische Aufgabe konzentrieren. Nun bleibt abzuwarten, ob die neu gestaltete Schulstruktur auch die finanzielle Ausstattung erfährt, die notwendig ist, um an allen Schulen die hohen Ziele der individuellen Förderung, der Weiterentwicklung des Ganztags und der Inklusion voranzubringen. Unabhängig von Fragen des gegliederten oder integrierten Schulsystems wäre dies eine Investition in die Zukunft unserer Kinder.
Wie ist das Verhältnis kirchlicher Schulträger zur aktuellen SPD-Grünen-Minderheitsregierung. Fühlen Sie sich ausreichend unterstützt?
Eberl Die Kirche bemüht sich stets um einen konstruktiven, aber auch kritischen Dialog mit den Parteien und Fraktionen. Das unterscheidet die neue Landesregierung nicht von der alten. Speziell im Schulbereich ist das Gespräch meines Erachtens fachlich fundierter geworden.
Sie engagieren sich ja seit Jahren für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Schule und Gesellschaft. Die Schulministerin möchte die "Inklusion" von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung vorantreiben, also die gemeinsame Beschulung in Regelschulen. Viele fordern sogar die völlige Abschaffung von "Förderschulen". Welche Ziele sind hier realistisch?
Eberl Wir brauchen mehr inklusive Bildung in Regelschulen. Das ist nur in einem längeren Prozess zu erreichen. Die Landesregierung hat zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ein interessantes wissenschaftliches Gutachten erstellen lassen. Viel wird in den kommenden Jahren vom Wahlverhalten der Eltern abhängen – und von der personellen Ausstattung inklusiver Schulen sowie ihrer fachlichen Qualität. Dennoch wird es weiterhin Kinder mit Behinderung geben, die in der Förderschule besser aufgehoben sind.
Angelika Hahn führt das Gespräch.
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