Wassenberg: Kontrastprogramm Kirche
VON ALEXANDRA LEIPOLD - zuletzt aktualisiert: 28.08.2006Wassenberg (RPO). Nachdenkliches und Anrührendes, Unterhaltsames und mitreißende Musik bekamen die Besucher der „Ökumenischen Nacht der offenen Kirchen“ in Wassenberg serviert. Diese Mischung kam gut an.
Nachdenklich gestimmt
Nach der Verfilmung des Lebens von Betty Reis waren die Besucher in St. Georg bei einer weiteren Präsentation eingeladen, sich mit den Folgen von Machtstreben und Gruppenzwang auseinanderzusetzen. Der Film „Die Welle“ thematisiert dieses Problem anhand eines außer Kontrolle geratenen Unterrichtsexperiments.
Nachdenklich, leise, fast zögerlich setzt die Stimme von Elke Bennetreu an: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin…“ Wie auf einen Schlag verstummt das Gemurmel der Anwesenden in der voll besetzten Wassenberger Hofkirche. Die Besucher der „Ökumenischen Nacht der offenen Kirchen“ wirkten am Freitagabend tatsächlich für die nächste Stunde ein wenig der Gegenwart entrückt. Das Ambiente des Gotteshauses mit dem knarrenden Holzfußboden aus dem Jahr 1652 und den sanft schimmernden weißen Mauern tat dazu sein übriges.
Vom Paradies ins Büro
Allerdings muss ein Heinrich-Heine-Abend auch eine besondere Atmosphäre bieten, und in dieser Hinsicht hatten die Organisatoren mit Elke Bennetreu einen echten Glücksgriff getan. Mit ausdrucksstarker Stimme und unterstützt durch die musikalische Untermalung von Sebastian Schade bot die Referentin für Erwachsenenbildung im Kirchenkreis einen unterhaltsamen, abwechslungsreichen Rückblick auf das bewegte Leben des Schriftstellers. Ironische, kritische und romantische Texte stimmten die Anwesenden mal nachdenklich, mal träumerisch.
Etwas leichtere Kost servierten dagegen zu späterer Stunde Erwin Ruchatz und Pfarrer Titus Reinmuth in der Hofkirche. Mit kreativen Einfällen gingen die beiden „Kabarettisten“ unter anderem der Frage nach, warum Gott die Menschen nach der Vertreibung aus dem Paradies zu einem langweiligen Büroalltag und permanenten Verspätungen der öffentlichen Verkehrsmittel verdammt hat. Die Antwort darauf konnte die Gruppe „WassenJazz“ zwar nicht liefern, dafür kam das Publikum zwischendurch immer wieder in den Genuss von beschwingten Jazzklängen.
Nachdenklichere Akzente setzte die Probsteipfarre St. Georg bei ihrem Programmbeitrag zur „Ökumenischen Nacht der offenen Kirchen“. Mit dem von Professor Heribert Heinrichs gedrehten Film über das Leben von Betty Reis erinnerten die Organisatoren an das Schicksal des jüdischen Mädchens aus Wassenberg, das 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet wurde. Lyrik von Erich Fried und Gitarrenmusik von Rea Marina Rick rundeten diesen Beitrag gelungen ab.
Zu späterer Stunde wurde die Probsteikirche dann durch das Konzert von Beverly Daley und den Saint Mary’s Gospelsingers zur Begegnungsstätte für alle Teilnehmer der „Ökumenischen Nacht“. Schließlich wollten es sich auch die Besucher der Hofkirche nicht nehmen lassen, dem Höhepunkt des Abends beizuwohnen.
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