Wegberg: Magd und Managerin
VON NICOLE PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.08.2006Wegberg (RPO). Jedes Jahr pilgern tausende Gläubige zum Gnadenbild der „Schwarzen Mutter Gottes“ nach Holtum. Die Frauen stellen unverändert die größte Wallfahrtsgruppe bei der Holtumer Oktav dar. Zu ihnen sprach Christa Nickels.
Mehr als 350 Jahre alt
Das Gnadenbild „Schwarze Mutter Gottes von Holtum“ ist eine Schnitzarbeit aus Holz, die sich im Laufe der Jahrhunderte schwarz färbte. Sie ist mehr als 350 Jahre alt und wird damit in die Zeit der Entstehung der Wallfahrt datiert. Die „Oktav“ zum Fest Mariä-Heimsuchung ist das Hauptstück des Holtumer Wallfahrtslebens und wird von Sakramentsprozessionen zwischen Beeck und Holtum begleitet.
Zu Beginn des Frauengottesdienstes hielt die Schwarze Madonna mit dem Jesuskind auf dem Arm Einzug auf dem Außengelände der Marienkapelle. Mit einem Schutz gegen die Witterung wurde sie feierlich herbeigetragen und seitlich vom Altar platziert. Von dort überblickte sie die große Schar der Gläubigen, die sich am Nachmittag versammelt hatten. Etwa 900 Frauen und einzelne Männer waren mit Fahrrädern, zu Fuß oder mit dem Auto gekommen, um sich mit dem Thema „Maria – Magd – Managerin“ im Rahmen des Tagesthemas „Familie – der nächsten Generation eine Chance“ zu beschäftigen. Redemptoristenpater Franz Mehwald aus Bochum leitete den Gottesdienst, der von der Katholischen Frauen Deutschland (kfd) vorbereitet worden war und vom Projektchor „Gioia“ musikalisch gestaltet wurde.
Wunsch nach mehr Wertschätzung
Gastrednerin war Christa Nickels aus Geilenkirchen, frühere Bundestagsabgeordnete der Grünen und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Der Bezug von Maria zur heutigen Zeit stand im Mittelpunkt ihrer Ansprache, und die Zuhörerinnen fanden sich in den geschilderten Frauenbildern wieder. Zum einen war dort die moderne Frau, die ihren Haushalt kreativ gestaltete – sie „managt“ die Familienangelegenheiten und bringt zahlreiche Qualifikationen gegen geringen Lohn mit ein. So wie Maria, die sich vor 2000 Jahren zusätzlich als Magd sah, die den Auftrag Gottes annahm. Eine neue Facette erhielt die Rolle der tüchtigen Frau im Lukas-Evangelium: Jesus stellt sich auf die Seite der lauschenden Maria und nicht zur arbeitenden Marta. Christa Nickels fand eindringliche Worte zur konträren Familiensituation. „Der Konflikt zwischen reibungsloser Organisation mit zu geringer Wertschätzung und dem Bedürfnis nach mehr Mitspracherecht ist bekannt“, sagte sie, „heutzutage äußert er sich häufig als Spagat zwischen Beruf und Haus.“
Nickels deutete die positive Reaktion Jesu auf Maria als Warnung, nicht ganz im Alltagsleben aufzugehen, ohne sich Ruhepausen und Zeit fürs Träumen zu gönnen. Gemeinsam sollten die Frauen Kraft und Ausdauer finden, um den öffentlichen und häuslichen Bereich menschenfreundlich zu gestalten.
Dank für Glaubensbekenntnisse
„Während dieser Wallfahrt finden viele Gespräche mit anderen Gläubigen statt“, schloss Nickels, die Oktav ziehe damit „eine leuchtende Spur der Hoffnung, des Trostes, der Freude und Ermutigung durch die Geschichte – bis zum heutigen Tag“. Das Publikum applaudierte, Pater Franz Hendrickx aus Beeck bedankte sich für die gehörten Glaubensbekenntnisse der Politikerin und Pater Mehwalds.
kommentar / interview seite b2
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