Wassenberg: Mehr Respekt füreinander
VON ANGELIKA HAHN UND ANDREAS SPEEN - zuletzt aktualisiert: 29.11.2011Wassenberg (RP). Mobile Redaktion Zerstörungen in Wassenberg erschrecken viele Bürger. Ärger und Angst stehen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite steht die Hoffnung, dass es Chancen gibt, aufeinander zuzugehen.
"Wir sollten den Dialog mit den Jugendlichen suchen und keine Feindbilder aufbauen", unterstrich Marita Wambach-Schulz bei der "Mobilen Redaktion" der Rheinischen Post in Wassenberg. In jüngster Zeit ist es zu einer hohen Anzahl von Zerstörungen im öffentlichen Raum gekommen. Die Leiterin des Jugendzentrums "JuZe" riet dazu, dem Problem entgegenzuwirken, indem "wir der Jugend mit mehr Respekt begegnen".
Weiterhin vernimmt die Polizei junge Menschen, die in Wassenberg an den Zerstörungen beteiligt gewesen sein könnten. Vor einer Woche hatte sie mitgeteilt, gut 20 Jugendliche ermittelt zu haben, die für Zerstörungen am Burgberg, Roßtor und Gondelweiher verantwortlich sind. "Es handelt sich um vier, fünf Personen, die als Haupttäter anzusehen sind und die von immer anderen Jugendlichen begleitet werden", sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Frenken. Provokation der Erwachsenen, aber auch schiere Langeweile seien vielfach die Gründe.
Zeit-Phänomen
Zerstörungswut Alle Teilnehmer an der Diskussion der "Mobilen Redaktion" waren sich einig, dass Jugendvandalismus kein rein Wassenberger Problem ist. In Erkelenz etwa hatten Minderjährige vor wenigen Wochen restaurierte Grabsteine auf dem alten Friedhof an der Brückstraße zerstört.
Bürger schildern Erlebnisse
Bürger berichteten an der "Mobilen Redaktion", wie sie angepöbelt, sogar angegriffen wurden, als sie Jugendliche ansprachen, die gerade etwas beschädigten. Auch brauche die Polizei zu viel Zeit, bis sie vor Ort ist. Beispielhaft erzählt ein junger Erwachsener, wie er einmal beobachtete, "wie Jugendliche am Gondelweiher mit Gehwegplatten nach Enten warfen. Allein kann man sie nicht ansprechen", sei seine Erfahrung. Mit zwei konkreten Vorhaben will die Stadt Wassenberg dem Thema begegnen, kündigte Bürgermeister Manfred Winkens an. Er erklärte, dass auf dem Areal vom Bergfried bis zum Gondelweiher "kurzfristig Kameras montiert werden, die das Gelände auch nachts überwachen". Diese Maßnahme lasse sich die Stadt ebenso Geld kosten wie den bereits tätigen Sicherheitsdienst, aber: "Noch in diesem Jahr werden wir die Jugendarbeit in den Vereinen stärken, indem wir wesentlich mehr Geld an sie ausschütten." 1750 junge Menschen seien in Wassenberger Vereinen registriert: "Hier wollen wir präventiv tätig werden." Dass damit nicht alle Jugendlichen erreicht werden – möglicherweise vor allem die nicht, die für die Schäden sorgen –, wurde kritisiert. "Für die Kosten, die durch die Reparaturen entstehen, könnte die Stadt einen Streetworker beschäftigen, der die Jugendlichen an ihren Treffpunkten besucht und unter ihnen Ideen verbreitet, wo sie in ihrer Freizeit einmal hingehen könnten", lautete eine Meinung. Marita Wambach-Schulz hatte zuvor berichtet, dass es zunehmend schwerfalle, bestimmte Jugendliche zu erreichen, weil sie nicht mehr in die festen Einrichtungen kämen.
Von "fehlender Identifikation" etwa mit dem neu gestalteten Burgberg sprach der daran beteiligte Landschaftsarchitekt Joachim Scheller. Er leitete daraus eine Lehre ab: "Wir müssen die Jugendlichen in die Stadtplanung einbeziehen, sie fragen, wie sie die Anlage gerne nutzen würden." Beim alten Freibad könne das demnächst probiert werden. "Auch müssen wir mit den Jugendlichen Veranstaltungen in den Anlagen planen, damit sie diese wertschätzen." Möglicherweise helfe das, Zerstörungen einzudämmen. Frage des Tages
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