Wegberg: Mit wenig viel erreichen
VON MICHAEL HECKERS - zuletzt aktualisiert: 25.11.2008Wegberg (RPO). Der Wegberger Klinikarzt Dr. Gert Pattay reiste nach China, um dort westliche Operationsmethoden vorzustellen. Der 63-jährige Chirurg berichtet von wissbegierigen Kollegen – und katastrophalen hygienischen Zuständen.
Aus dem Lebenslauf
Nach Abitur und Studium lernte Gert Pattay (63) unter anderem bei Prof. Major in Solingen und Prof. Rehn im Krankenhaus Bergmannsheil Bochum die Bauch-, Unfall- und Handchirurgie. Bevor er am 1. Juli 2008 nach Wegberg wechselte, war er unter anderem 22 Jahre lang am Evangelischen Krankenhaus Wesel tätig.
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Drei Wochen voller Eindrücke aus einer anderen Welt: Der Wegberger Klinikarzt Dr. Gert Pattay (63) reiste nach China, um dort an einem Krankenhaus in der nordwestlichen Provinz Gansu zwischen Tibet und der Mongolei westliche Operationsmethoden und technisches Knowhow an seine chinesischen Kollegen weiter.
Hohes Infektionsrisiko
„Das Risiko, sich bei einem medizinischen Eingriff eine Infektion einzufangen, ist in China zehnmal höher als in Deutschland“, sagt Pattay. Die hygienischen Bedingungen, die er in dem 400 Bettenhaus vorgefunden habe, seien schlichtweg als katastrophal zu bezeichnen. Das Gesundheitssystem der Region stehe vor großen Herausforderungen: Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung könne sich überhaupt eine Krankenhausbehandlung leisten. Und manche Ärzte hielten weiterhin an der traditionellen chinesischen Medizin fest. „Diagnosen erfolgen, indem Patienten tief in die Augen geschaut oder der Puls gefühlt wird“, berichtet Pattay.
Aufgabe des Wegberger Klinikarztes war es, den Chinesen die Möglichkeiten der westlichen Unfall- und Gelenkchirurgie aufzuzeigen. In China gebe es auf diesem Gebiet bislang nur wenig Erfahrung. Mit Hilfe eines Dolmetschers habe er seinen asiatischen Kollegen westliche Operationsmethoden erklären können. Er selbst habe in den drei Wochen seines China-Aufenthaltes viel gelernt. „Zum Beispiel, wie man ohne die zahlreichen Hilfsmittel, die Ärzten hierzulande wie selbstverständlich zur Verfügung stehen, trotzdem eine ordentliche Patientenversorgung sicherstellt“, sagt er. Dass nach getaner Arbeit beim Abendessen neben viel Gemüse auch Käfer auf dem Teller lagen, daran habe er sich schnell gewöhnt: „Irgendwo muss man ja sein Eiweiß herholen“, sagt der 63-Jährige mit einem Schmunzeln.
Besondere Freude habe ihm die Herzlichkeit der Menschen in China bereitet. Die Kollegen seien wissbegierig, auch wenn ihnen der Umgang mit Kritik schwer falle. Diplomatie sei gefordert: „Statt offen zu kritisieren sollte man lieber sagen, dass es einen besseren als den üblichen Weg gibt, um beispielsweise eine Operation erfolgreich zum Ende zu führen“, sagt Pattay.
Mit Unterstützung des SES
Pattay reiste mit Unterstützung des Senior Experten Service (SES) – einer Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit – nach China. Der SES bietet beruflich erfahrenen Menschen die Möglichkeit, ihr Wissen an andere im Ausland und in Deutschland weiterzugeben.
Pattay hofft, dass er bald wieder nach Gansu reisen kann. „Ich möchte das Krankenhaus weiter voranbringen“, sagt er.
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