Hückelhoven: Mutter mit 17
VON MARIO EMONDS - zuletzt aktualisiert: 13.02.2010Hückelhoven (RPO). Noch jung bekam Laura Müller* ihren Sohn Nicolai. Obwohl sie aus schwierigen Verhältnissen stammt, kam eine Abtreibung nicht in Frage. Wie ihr geholfen wird.
Projekt "Teens & Kids"
Beginn Die Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte, Familienplanung und Sexualität der Awo Hückelhoven hat im Mai 2008 "Teens & Kids" gestartet, unterstützt vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der Stiftung Wohlfahrtspflege.
Ziel Das Projekt bietet niedrigschwellige Beratung, Begleitung und Unterstützung für junge (minderjährige) Schwangere und Mütter. Es unterstützt bei Behördengängen, organisiert den Fahrdienst für Arztbesuche und hilft bei der Wohnungssuche.
Kontakt Awo Hückelhoven, Traudi Kaspar, % 02433 901701.
Der 28. Januar 2008 war für Laura Müller kein Tag wie jeder andere. An diesem Tag erfuhr die gerade 17 Jahre alt gewordene Jugendliche, dass sie schwanger war – ungewollt. Dem einige Jahre älteren Kindsvater, den sie gut anderthalb Jahre vorher kennen gelernt hatte und der mittlerweile in der Heinsberger JVA einsitzt, erzählte sie davon nichts. "Er hatte mich wiederholt betrogen, was ich erst später erfahren habe. Auch sonst war er ein Blender. Ich wollte ihn daher ohnehin verlassen. Die Schwangerschaft bedeutete für mich den endgültigen Schlussstrich unter die Beziehung."
Abtreibung kam nicht in Frage
An Abtreibung dachte sie keine Sekunde. "Ich wollte das Kind haben. Ich hatte mir immer gewünscht, Mutter zu werden – wenn auch nicht unter diesen Umständen und zu diesem Zeitpunkt."
Ihre Lebensgeschichte ähnelt der vieler vergleichbarer Schicksale: zerrüttete Familienverhältnisse, der Vater ein Trinker ("wenn er betrunken war, hat er auch geschlagen"), schließlich Trennung der Eltern. Ihre vier Geschwister und sie wachsen bei der Mutter auf. 2002 verliert diese ihren Job, seitdem lebt die Familie von Sozialhilfe.
Laura schwänzt die Schule, landet in der falschen Clique, fängt mit 13 Jahren unter deren Druck das Rauchen an – und wird von Mitschülern gehänselt: "Ich hatte keine Markenklamotten." Schließlich geht sie gar nicht mehr zur Schule, hängt mit einer Freundin anderthalb Jahre einfach nur rum. "Zweimal war zwar das Ordnungsamt da, um mich zur Schule abzuholen, doch da habe ich mich versteckt."
Dann lernt sie den Kindsvater kennen – und wird schwanger. Die Variante, das Kind zur Adoption freizugeben, kommt für sie nicht in Frage. "Während der Schwangerschaft habe ich seine Tritte gespürt, es ist mein eigen Fleisch und Blut."
Die Schwangerschaft verläuft nicht gerade problemlos. Es stellen sich Frühwehen und weitere Komplikationen ein ("Der ganze Stress kam da raus"). Begleitet wird sie von der Awo-Beratungsstelle Hückelhoven in dem Projekt "Teens und Kids". "Eine Freundin hatte mich auf diese aufmerksam gemacht." Im September 2008 bringt sie Sohn Nicolai zur Welt.
Seit August 2009 lebt Laura Müller, die im Gespräch einen eloquenten Eindruck hinterlässt, mit ihrem neuen Freund zusammen. "Nicolai sieht ihn als seinen Vater an. Mein Sohn soll nun so aufwachsen, wie es mir nicht vergönnt war – in ruhigen Verhältnissen."
Sie selbst möchte im nächsten Jahr, wenn Nicolai in den Kindergarten gehen kann, den Hauptschulabschluss nachmachen – und danach eine kaufmännische Lehre. Sie ist zuversichtlich, das alles meistern zu können. Und wenn es ihr mal nicht so gut geht, dann schaut sie ihren Sohn an. "Der ist schließlich mein größtes Glück."
*Namen von Redaktion geändert
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