Wegberg: Rückschlag für Pillich
VON MICHAEL HECKERS - zuletzt aktualisiert: 19.02.2009Wegberg (RPO). analyse Die Abstimmungsniederlage bei der Wiederwahl des Technischen Beigeordneten in Wegberg könnte die CDU teuer zu stehen kommen. Ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl stören Abweichler die Eintracht.
Nein, zu hören war sie nicht, die schallende Ohrfeige für den CDU-Fraktionsvorsitzenden. Dennoch dürfte Reinhold Pillich die derbe Abstimmungsniederlage als ebensolche empfunden haben. Zumal ihm wohl die eigenen Leute diese zugefügt haben.
Mucksmäuschenstill war es im Sitzungssaal des Rathauses, als Bürgermeisterin Hedwig Klein nach geheimer Abstimmung verkündete, dass Technischer Beigeordneter Rudolf Fabry wiedergewählt ist. Vergeblich hatte Pillich für den CDU-Antrag geworben, der Fabrys Wiederwahl verhindern sollte.
Der aussichtsreiche CDU-Bürgermeisterkandidat hatte hoch gepokert. Ein Bewerbungsverfahren mit Marktanalyse hatte er gefordert. Ganz nach seinem viel beschworenen Motto: mehr Wirtschaftlichkeit, mehr Effizienz und mehr Professionalität. Hätte Pillich diesen Maßstab am Dienstag doch nur rechtzeitig an sich selbst angelegt – er hätte den Antrag zurückziehen müssen. Längst war durchgesickert, dass sich nicht alle in der CDU-Fraktion für einen Antrag erwärmen konnten, der den beliebten Dezernenten Fabry beruflich wohl ins Abseits befördert hätte. Pillich versuchte es trotzdem – und kassierte prompt die Quittung. Nicht nur für ihn, auch für die Wegberger CDU kein guter Tag.
Der CDU-Bürgermeisterkandidat weiß sehr wohl, dass Fabry in Wegberg großes Vertrauen genießt – nicht nur unter seinen Kollegen von der Stadtverwaltung, auch in der Politik, und zwar fraktionsübergreifend. Über die Gründe, warum Pillich dennoch alles auf eine Karte setzte, kann nur spekuliert werden: Hatte der Wegberger Verwaltungschef in spe womöglich schon einen eigenen Kandidaten für das Amt des Technischen Beigeordneten im Ärmel?
Es war nicht die erste Niederlage für Pillich. Auch bei der Diskussion um die Waldorfschule verweigerten einzelne CDU-Leute dem Fraktionschef die Gefolgschaft. Für derartiges Verhalten war Pillich in der Vergangenheit selbst verantwortlich gemacht worden, als es ihm darum ging, sich als Nachfolger von Hedwig Klein als Bürgermeisterkandidat der CDU in Stellung zu bringen. Erst vor wenigen Tagen hatte sein Vorgänger im Amt des CDU-Fraktionsvorsitzenden, Heinz Nießen, diesbezüglich schwere Vorwürfe gegen Pillich erhoben. Offensichtlich gibt es aber auch innerhalb der CDU-Fraktion noch einige offene Rechnungen zu begleichen.
Pillich selbst spricht von einer Übergangsphase, in der sich die CDU befinde. Da könne man es nicht immer allen Recht machen. Sein Führungsstil wird aber von Teilen der CDU-Fraktion längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand als zu kühl kalkulierend und rücksichtslos kritisiert. Die Unzufriedenheit, die sich in abweichendem Abstimmungsverhalten zeigt, birgt für die CDU ein hohes Risiko. Der bürgerliche Wähler schätzt bekanntlich nichts mehr als Eintracht. Reinhold Pillich hat nur eine Wahl: Bis zur Kommunalwahl muss es ihm gelingen, die CDU-Fraktion wieder zu einen.
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