Wassenberg: Schritt aus der Isolation
VON STEFFI MAGER - zuletzt aktualisiert: 06.10.2006Wassenberg (RPO). Volkshochschule, Diakonisches Werk und Kirchengemeinde Wassenberg engagieren sich gemeinsam beim den Sprachkursus für Bewohner der Wassenberger Flüchtlingsunterkunft. Für die Kinder gibt‘s ein eigenes Programm.
Hier gibt‘s Hilfe
Die Diplom-Pädagogin Sylvia Begall berät kostenlos Flüchtlinge mit und ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Sie beantwortet z.B. Fragen zum Asylverfahren, zum Aufenthaltsgesetz oder medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Sprechstunde: mittwochs von 10 bis 12 Uhr, An der Kreuzkirche 10, in Wassenberg statt.
Noch etwas schüchtern geht der Mann zur Weltkarte und zeigt mit einem Stift auf sein Heimatland. „Ich komme aus Simbabwe“, sagt er fast problemlos. Woher er kommt und wie er heißt, kann der Afrikaner schon auf Deutsch sagen. Ebenso wie seine elf „Mitschüler“, die von Luba Nederstigt in Deutsch unterrichtet werden.
Die Schüler kommen größtenteils aus afrikanischen Ländern. Luba Nederstigt wurde von der Volkshochschule (VHS) des Kreis Heinsberg als Dozentin engagiert, um Flüchtlingen aus der Unterkunft in Wassenberg die deutsche Sprache beizubringen. Gemeinsam mit der VHS organisierten die evangelische Kirchengemeinde Wassenberg und das Diakonische Werk des Kirchenkreis Jülich den Deutschkursus für die Flüchtlinge.
Fit werden für den Alltag
„Wir möchten versuchen die Flüchtlinge aus der Isolation, die sie durch die Sprachprobleme haben, herauszuholen“, erläutert Sylvia Begall vom Diakonischen Werk. Täglich werden die Schüler, die zwischen 21 und 39 Jahre alt sind, für drei Stunden unterrichtet. Auf dem Stundenplan stehen zunächst die täglichen Umgangsformen, wie „Guten Tag“ oder „Wie geht es Ihnen“, Gebrauchsgegenstände und die Zahlen von eins bis 100. In kleinen Dialogen üben die Schüler, untereinander Deutsch zu sprechen und zu verstehen. Ziel ist es, die Menschen zu befähigen, sich im Alltag in einfacher Form in Deutsch zu verständigen.
„Damit die Jugendlichen, deren Eltern am Unterricht teilnehmen, nicht ohne Beschäftigung sind, holen wir die Kinder und Jugendlichen für diese Zeit ins Campanushaus“, sagte die Jugendleiterin des Campanushaus, Barbara Kramer. Die Kinder werden dort von zwei Zivis, einer Praktikantin und Barbara Kramer betreut. Mal wird Pizza gebacken oder es gibt ein vielfältiges Angebot an Bewegungs- und Entspannungsspielen. So haben auch die Kinder die Chance, neue Freunde außerhalb des Flüchtlingsheimes zu finden und einen ersten Schritt in die Gesellschaft zu machen. Für Pfarrer Titus Reinmuth von der Ev. Kirchengemeinde Wassenberg war sofort klar, dass die Gemeinde bei diesem Pilotprojekt mitmacht. „Schauen wir nur in die Bibel: Die heilige Familie ist schließlich auch eine Flüchtlingsfamilie. Daher sollte uns Christen dies als Motiv für unsere integrative Arbeit immer vor Augen sein“, betont Reinmuth. Vor allem die Kombination aus Kinderbetreuung und Unterricht gefällt dem Pfarrer. Ob das Gemeinschaftsprojekt über die Herbstferien hinaus fortgesetzt werden kann, ist noch unklar.
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