Wegberg: "Sicherheitslücke im System"
VON MICHAEL HECKERS - zuletzt aktualisiert: 25.04.2008Wegberg (RPO). Der Wegberger Klinikskandal muss Folgen haben, meint Karl Lauterbach. Das Verhalten der Stadt Wegberg werfe viele Fragen auf. Der Gesundheitsexperte lernte 2002 den späteren Wegberger Klinikleiter Pier kennen.
Der SPD-Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach (44) fordert nach der Verhaftung des Wegberger Klinikleiters Dr. Arnold Pier (52), dass der Klinikskandal Konsequenzen für das Gesundheitssystem hat. Lauterbach lernte Pier nach eigenen Angaben 2002 bei einem Treffen beim Hürther SPD-Politiker Klaus Lennartz kennen.
Gegen Genehmigung
Dabei habe Pier sein Anliegen im Zusammenhang mit einem Klinikneubau im Erftkreis vorgetragen. Bei dem Gespräch sei es um Arzneimittelstudien gegangen. Auf einer Probandenstation sollten Arzneimittel getestet werden, „die riskanteste Form der Pharmaforschung überhaupt“, sagte Lauterbach. Während des Gespräches habe Pier einen „nicht soliden“ Eindruck vermittelt. „Es drängte sich mir der Eindruck auf, Pier sei kein typischer Wissenschaftler“, erinnert sich Lauterbach. Daraufhin sprach sich Lauterbach nach eigenen Angaben gegenüber dem damaligen NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement eindeutig gegen die Genehmigung des Vorhabens aus.
Erklärung angekündigt
Im Wegberger Klinikskandal sind neben dem inhaftierten Wegberger Klinikleiter Dr. Arnold Pier acht weitere Ärzte angeklagt, von denen derzeit drei am Wegberger Krankenhaus ärztlich tätig sind. Die dazu angekündigte approbationsrechtliche Prüfung der Bezirksregierung ist abgeschlossen. Das NRW-Gesundheitsministerium kündigt für heute eine Presseerklärung an.
Heute sagt der Gesundheitsökonom, er sei damals nie auf die Idee gekommen, dass jemand Pier ein Krankenhaus anvertrauen könnte. Ob und wie vor der Übernahme des Wegberger Krankenhauses Piers Befähigungen geprüft worden seien, könne er nicht sagen, so Lauterbach. „Aber das Verhalten der Stadt Wegberg wirft viele Fragen auf.“
Mit Blick auf den Klinikskandal sagt Lauterbach: „Je länger der Fall geht, desto mehr muss man mit dem Schlimmsten rechnen.“ Die Beweislage gegen Pier sei erdrückend. Er wundere sich, dass Pier so lange täglich in der Wegberger Klinik ein- und ausgehen konnte.
Der Wegberger Klinikskandal offenbare eine Sicherheitlücke im deutschen Versorgungssystem. Unbedingt müssten Mindestmengen für komplizierte operative Eingriffe und die regelmäßige Wiederholung der Facharztprüfung („Rezertifizierung“) eingeführt werden. Diese Maßnahmen seien in anderen Ländern längst Standard. Sie stellten die Leistungsfähigkeit der Ärzte sicher. „Die derzeitige Qualität ist nicht akzeptabel und die Ärztekammer nimmt das nicht ausreichend wahr“, sagte Lauterbach. „Ich habe Kenntnis von einem Fall, in dem ein Chirurg, gegen den noch zahlreiche Prozesse laufen, bald Chefarzt in einem Krankenhaus werden soll.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



