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Wegberg: Tschernobyl – ein Hilferuf

VON NADINE GRZESZICK - zuletzt aktualisiert: 05.03.2008

Wegberg (RPO). Die Tschernobylhilfe Wegberg-Erkelenz schlägt Alarm: Immer weniger Familien erklären sich bereit, weißrussische Kinder aufzunehmen. Die nukleare Katastrophe von 1986 und ihre Auswirkungen geraten in Vergessenheit.

Ausgerechnet im Jahr ihres 15-jährigen Bestehens schlägt die Tschernobylhilfe Wegberg-Erkelenz Alarm: Immer weniger Familien im Kreis Heinsberg sind bereit, ein Kind aus Weißrussland über die Ferien bei sich aufzunehmen. Damit gerät das gesamte Projekt in Gefahr, warnt Initiatorin Helene Schlicht.

Grundstein 1993 gelegt

Die junge Generation in Weißrussland belasten viele Probleme, das größte heißt Tschernobyl. Am 19. April 1986 kam es in dem ukrainischen Kernkraftwerk zu einer Explosion, eine nukleare Katastrophe. Tschernobyl liegt an der weißrussischen Grenze, die radioaktiven Wolken zogen in benachbarte Länder. Viele Jahre sind inzwischen vergangen, doch die Strahlung bleibt. Helene Schlicht aus Rath-Anhoven wollte nicht tatenlos verfolgen, wie eine ganze Generation in Weißrussland mit gesundheitlichen Schäden aufwächst. 1993 legte sie den Grundstein für die „Ökumenische Tschernobylhilfe Wegberg-Erkelenz“.

Seit 1998 sind durch Vermittlung des Vereins mehr als 1000 Kinder aus Weißrussland zu Gasteltern in den Kreis Heinsberg gekommen. Die Acht- bis 14-jährigen Kinder bleiben mindestens zwei, manchmal auch vier Wochen oder sogar länger. Im Kreis Heinsberg sind sie auf Erholungsurlaub, den sie dringend nötig haben: „Das Immunsystem der Kinder ist sehr geschwächt. Oft essen sie in ihrer Heimat Nahrungsmittel, die aus dem Garten kommen, aus verstrahltem Boden“, sagt Helene Schlicht. Beim Urlaub in Deutschland steht daher kein umfangreiches Freizeitprogramm im Vordergrund, sondern die Stärkung des Immunsystems. Die frische Landluft und ein einfaches, aber gesundes Essen könnten dabei schon Wunder wirken, meint Schlicht.

Zahlreiche junge Gäste konnten vom Landurlaub profitieren, aber Helene Schlicht macht sich Sorgen um die Zukunft. Früher kamen über 70 Kinder pro Jahr, 2007 waren es nur noch 45. Die sinkende Zahl der Gasteltern ist für sie ein großes Problem. Für die unerfreuliche Entwicklung hat sie eine einfache Erklärung: Der Super-Gau von Tschernobyl und seine katastrophalen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder gerät immer mehr in Vergessenheit.

Schlicht gibt nicht auf

Doch Schlicht, die für ihre ehrenamtliche Arbeit das Bundesverdienstkreuz erhielt, gibt nicht auf. Sie hofft, dass sich bald wieder mehr Gasteltern im Kreis Heinsberg finden. Ihrer Ansicht nach profitieren beide Seiten von dem Programm: Nicht ohne Stolz berichtet Schlicht, dass ihr erstes Gastkind heute in Leipzig Germanistik studiert.

Quelle: RP

 
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