Wegberg: Unbekannte töten Greifvögel
VON ANKE BACKHAUS - zuletzt aktualisiert: 07.02.2009Wegberg (RPO). In Holtum haben Spaziergänger vor einer Woche einen verendeten Mäusebussard entdeckt. Es ist nicht der erste Greifvogel im Kreis Heinsberg, der offensichtlich erschossen wurde. Tier- und Naturschützer sind in Sorge. Die Täter werden im Kreis der Jäger vermutet.
Fakten
Parallelen In anderen Kreisen, u.a. Düren und Aachen, wurden Jagdpächter bereits wegen der Jagd auf Greifvögel verurteilt.
Verbot Die Jagd auf die Greifvögel ist gesetzlich verboten.
Hinweise Wer verdächtige Beobachtungen macht, wende sich an die Polizei oder an das Komitee gegen Vogelmord, Tel. 0228 665521.
"Das Tier ist nicht einfach auf diese Stelle gefallen. Es muss abgelegt worden sein." Josef Tumbrinck, Landesvorsitzender des Naturschutzbund Nabu aus Wegberg, hat den Ort, an dem vor einer Woche ein toter Mäusebussard gefunden worden war, genau in Augenschein genommen. Am Hagelkreuz in Holtum, inmitten einer Umfriedung, lag der verendete Vogel.
Tumbrinck beschäftigt sich in diesen Tagen vermehrt mit dem Thema: Kreisweit wurden mehrere getötete Greifvögel gefunden. Bei Altmyhl fanden Spaziergänger zwei tote Bussarde, in Geilenkirchen entdeckte die Polizei einen Giftköder. Auch der Bonner Verein "Komitee gegen den Vogelmord" hat sich eingeschaltet. Der Täter wird in Jägerkreisen vermutet. Dafür spreche zum Beispiel, dass der Vogel in Holtum an seiner Unterseite blutende Verletzungen aufwies, "die eigentlich nur von einer Schusswaffe stammen können", sagt Tumbrinck. Mit Schuldzuweisungen hält er sich dennoch zurück: "Bewiesen ist noch nichts." Der Holtumer Vogel wurde dem Veterinäruntersuchungsamt übergeben. Die Bussarde aus Altmyhl hat das Komitee gegen den Vogelmord röntgen lassen – und Schrotkugeln gefunden.
"Blindwütiger Hass"
Eine sinnvolle Begründung für das Töten der Greifvögel fällt Tumbrinck nicht ein. Die verbreitete Meinung, dass Bussarde Konkurrenten bei der Jagd auf Flugwild, etwa Rebhühner und Fasane, seien und daher ausgeschaltet werden müssten, kann er nicht nachvollziehen: "Mäusebussarde sind sehr faule Tiere. Sie sitzen da und warten auf Mäuse als Nahrung." Allenfalls junge Rebhühner könnten Bussarde jagen, sagt Tumbrinck. Sein Fazit: "Die Jagd auf die Bussarde ist einfach grotesk und blindwütiger Hass."
Der Nabu-Vorsitzende appelliert an Spaziergänger, wachsam zu sein. Sie könnten einen Täter beim Schuss oder Auslegen von Giftködern auf frischer Tat ertappen. Tumbrinck: "Die Sensibilisierung der Bevölkerung spielt eine sehr große Rolle." Darauf setzt auch die Polizei im Kreis, die die Jagd auf die Greifvögel verfolgt.
Auch die grüne Kreistagsfraktion verurteilt die Greifvögel-Tötung. In einer Presseerklärung heißt es: "Die Vermutung, die Täter innerhalb der Jägerschaft zu suchen, liegt für uns recht nahe. Hier sind sowohl Motiv (Ausschalten von Jagdkonkurrenten) als auch Möglichkeiten (Waffenbesitz) zu finden."
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