Wegberg: Was wird aus St. Ludwig?
VON CARSTEN PREIS - zuletzt aktualisiert: 30.01.2009Wegberg (RPO). Das Kloster St. Ludwig an der deutsch-niederländischen Grenze bei Dalheim ist ein beliebtes Ausflugsziel. Die Zukunft des früheren Franzikaner-Internats ist ungewiss. Das Kolleg gehört der umstrittenen Maharishi-Organisation. Sie lässt derzeit einen Park bauen.
Seit 1984 befindet sich das ehemalige Kloster St. Ludwig im Besitz der Maharishi-Organisation Meru (Maharishi Education Research University). Die umstrittene Bewegung richtete dort ihre internationale Verwaltung ein. Bislang wurde das Gelände streng abgeschirmt. Seit kurzem können Besucher das Eingangstor passieren und bis zur Schranke gehen. Spaziergänger und Wanderer nutzen das, um sich ein Bild vom Zustand der alten Gemäuer zu machen.
Abrissantrag abgelehnt
Der niederländische Kulturminister Ronald Plasterk lehnte einen Abrissantrag der Meru-Stiftung am 10. Oktober 2008 ab. Das Kloster, dessen Abriss 2001 schon begonnen worden war, steht unter Denkmalschutz. Eingangsfront und Dach sind zum Teil zerstört und mit orangefarbenen Kunststoffplanen abgedeckt. Die Maharishi-Organisation ließ verlauten, dass sie einen Umzug nach Indien, Mexiko oder Österreich erwägt.
Landschaftsführer Norbert Helpenstein beobachtet die Veränderungen rund um das ehemalige Franziskaner-Internat bei seinen geführten Wanderungen genau. Er kennt die Unmutsäußerungen vieler Spaziergänger und Radfahrer, die beim Blick auf St. Ludwig der Maharishi-Organisation vorwerfen, sie würde die historisch wertvollen Gemäuer mit Vorsatz dem Verfall preisgeben. Bei einem Vortrag zur Geschichte des Klosters lässt Helpenstein alte Fotos herumgehen, die unterschiedliche Bauphasen auf dem Gelände dokumentieren. "In den vergangenen zwei Jahren haben wir eine rege Bautätigkeit festgestellt", sagt Helpenstein. Mehrere Wohngebäude, welche die Maharishi-Organisation auf Flyern als gute Anlagemöglichkeit bewirbt, seien gebaut worden und gesellten sich zur Villa von Maharishi Mahesh Yogi. Der Begründer der Transzendentalen Meditation war am 5. Februar 2008 gestorben. Zeit seines Lebens war er umstritten. Manche beklagten die hohen Preise seiner Meditationskurse und hielten ihn für einen Scharlatan. Der Maharishi hatte aber auch viele Anhänger. Die berühmtesten waren die Beatles.
Derzeit entsteht eine Parkanlage rund um St. Ludwig. Das Baumaterial liegt an den Wegen bereitet, berichtet Helpenstein. Für ihn bleibt die Maharishi-Organisation nebulös: "Wenn man sieht, wie viel Wohnraum hier ist und wie viele Menschen hier leben, kommen Fragen auf", sagt er nachdenklich.
Zukunft bleibt offen
Auch für Louis Op de Kamp, Vorsitzender des Bürgerkomitees zur Erhaltung St. Ludwigs, ist die Organisation undurchschaubar. "2007 hat sie auf niederländischer Seite einen Informationsabend veranstaltet, um sich vorzustellen. Doch was sie mit ihrer transzendentalen Meditation macht, haben wir nicht verstanden."
Wie es mit St. Ludwig weitergeht, bleibe offen, sagt Op de Kamp. Vielleicht werde man wieder vor vollendete Tatsachen gestellt, wie 2001, sagt er. Damals hatte die Meru-Stiftung mit Hinweis auf die fehlende Ost-Ausrichtung den Abriss begonnen. Die Abbrucharbeiten wurden gestoppt und es kam zu einem Rechtsstreit.
Kloster St. Ludwig
Bismarckscher Kulturkampf Zwischen 1872 und 1887 emigrierten deutsche Ordensgemeinschaften nach Belgien und in die Niederlande.
Kauf Die deutsche Ordensprovinz der Franziskaner erwarb das 158 Hektar große grenznahe Areal in Vlodrop von Julius Graf von Schaesberg Thannheim.
Kollegschule Nach vierjähriger Bauzeit nahm die auf Betreiben des Franziskaner-Paters Wenceslaus Straussfeld gegründete Kollegschule 1909 ihren Betrieb auf. Bis 1979 wurde unterrichtet.
Lehrangebot Es richtete sich an männliche Schüler aus Deutschland. Das Kolleg war anerkannt als deutsche Schule im Ausland.
Schülerzahlen Das Kolleg wurde von durchschnittlich 200 Schülern besucht. Zwischen 1909 und 1940 sowie von 1951 bis 1977 gingen dort rund 3000 Schüler zur Schule.
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