Wegberg: „Wir kämpfen um die Klinik“
VON MICHAEL HECKERS - zuletzt aktualisiert: 01.09.2007Wegberg (RPO). Alle Wegberger Ratsfraktionen setzen sich weiter für den Erhalt des Krankenhauses und der 170 Arbeitsplätze ein. Den Vorwurf von AOK-Rheinland/Hamburg-Chef Wilfried Jacobs weisen sie entschieden zurück.
Fraktionsvorsitzende und Sprecher der Wegberger Stadtratsparteien wiesen am Freitag den Vorwurf von AOK-Chef Wilfried Jacobs zurück, sie hätten vor dem Verkauf der Wegberger Sankt Antonius Klinik an Dr. Arnold Pier erkennen müssen, dass das Krankenhaus keine Perspektive habe (die RP berichtete).
Kersten: Einseitiges Interesse
CDU-Fraktionsvorsitzender Reinhold Pillich sagte, dass seine Fraktion darauf vertraut hat, dass Dr. Arnold Pier ein zuverlässiger Partner sei. „Das Gegenteil ist nicht bewiesen“, sagt Pillich.
Er sprach von völlig unterschiedlichen Interessenlagen zwischen dem Vorstandsvorsitzenden der AOK Rheinland/Hamburg und der Wegberger Kommunalpolitik: Während Jacobs offenbar das Interesse verfolge, das Wegberger Krankenhaus zu schließen, weil es möglicherweise die Etats der Krankenkassen belastet, sei es Aufgabe der Stadtratsfraktionen, den Willen der Wegberger Bürger umzusetzen, die das Haus erhalten wollen. „Es gibt einen rechtsgültigen Ratsbeschluss zu diesem Thema“, sagt Pillich. Die Botschaft des AOK-Chefs sei angekommen, „aber sie entbehrt einer sachlichen Grundlage“.
Jacobs’ Kritik
Nach Ansicht von Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, hätte man in Wegberg vor dem Verkauf der Klinik erkennen müssen, dass sie prinzipiell keine Perspektive habe. „Es ist immer ein Problem, wenn Kommunalpolitiker ein Krankenhaus um jeden Preis erhalten wollen“, sagt er.
Nach Ansicht des SPD-Fraktionsvorsitzenden Harald Kersten hegt AOK-Chef Jacobs ein einseitiges Interesse zum Erhalt Mönchengladbacher Krankenhäuser, weil diese größer als die Wegberger Klinik sind. Der Erhalt des Hauses und der 170 Arbeitsplätze habe auch für die SPD weiterhin höchste Priorität: „Wir kämpfen weiter um die Klinik“, kündigt Kersten an.
Markus Groß (Grüne) hält Jacobs’ Aussage, dass Häuser mit weniger als 100 Betten prinzipiell keine Perspektive hätten, für „nicht stichhaltig“. Umstrukturierungen und Lohnverzicht der Mitarbeiter hätten das Wegberger Haus durchaus wettbewerbsfähig gemacht. Dass es derzeit in einer prekären Lage stecke, habe andere Gründe. Groß meint, es sei höchste Zeit, dass die Stadtverwaltung Gespräche mit der Bezirksregierung, den Krankenkassen, dem Klinikleiter und den Stadtratsfraktionen über die Zukunft der Klinik führt. „Die Bürgermeisterin hat vor dem Verkauf nicht nur blamabel verhandelt, sie steckt jetzt auch den Kopf in den Sand“, sagt Groß.
Laut Wolfgang Schwan (FDP) hat auch der Kreis Heinsberg ein großes Interesse daran, dass die Wegberger Klinik erhalten bleibt. Das habe Karl-Heinz Feldhoff vom Gesundheitsamt deutlich gemacht. Mit dem Votum für den Verkauf der Klinik an Dr. Arnold Pier habe der Wegberger Stadtrat „sehr wohl verantwortungsvoll gehandelt“.
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