Hückelhoven: Zufrieden mit dem Urteil
VON DANIELA GIESS - zuletzt aktualisiert: 30.01.2009Hückelhoven (RPO). Der Prozess um den Schaufenberger Friedhofsmord ist beendet. Artur Frentzen, der Bruder des Opfers, spricht über seine Gefühle bei der Verhandlung. Nach dem Urteil führte sein erster Weg zum Grab des Bruders.
Die Tätergruppe
Haupttäter Manuel P. ist in der JVA Heinsberg untergebracht. Artur Frentzen würde einen Info-Tag dort durchaus wahrnehmen, möchte P. aber nie wiedersehen.
Strafen – Manuel P. (heute 17) wurde zu neun Jahren Jugendstrafe verurteilt;
Sein Bruder (15): sechseinhalb Jahre
Düsseldorferin (16): siebeneinhalb Jahre
Hückelhovenerin (15): psychiatrische Unterbringung.
Die Nächte sind nicht so schlimm. Denn schlafen kann er eigentlich immer gut. Aber tagsüber, da fehlt ihm der tote Bruder schon sehr. "Man konnte ihn immer was fragen. Abends haben wir oft noch telefoniert", sagt Artur Frentzen leise.
Dem Opfer nahe sein
Als Nebenkläger hat der 51-Jährige den Prozess am Mönchengladbacher Landgericht verfolgt.Vorher die komplette Akte gelesen. Sich zwischendurch Notizen gemacht in seinem College-Block. Die neun Jahre Haft für Haupttäter Manuel P., den Friedhofsmörder von Schaufenberg, stellen ihn einigermaßen zufrieden. "Zehn wären aber noch besser gewesen", sagt der Familienvater nachdenklich. Wichtig war ihm, dass Richter und Schöffen erkannt hätten, dass das Quartett gemeinsam den Mord mit schwerer räuberischer Erpressung geplant habe.
Als das Urteil verkündet war, fuhr Artur Frentzen mit Ehefrau Andrea nicht sofort nach Hause. Das Paar, das mit den beiden erwachsenen Söhnen in Katzem wohnt, wollte noch zum Grab des ermordeten Ewald F. Ihm nah sein, an ihn denken, das Geschehene nochmal Revue passieren lassen. Einige Rentner drehten ihre Abendrunde, sprachen Artur Frentzen an. "Die fanden das Urteil auch zu milde."
Artur Frentzen, der wie früher sein toter Bruder in der Erkelenzer Maschinen- und Bohrgerätefabrik Wirth arbeitet, ist seit der grausamen Bluttat ein anderer Mensch geworden. Er reagierte vorsichtiger, sensibler und misstrauischer, als ihn Jugendliche neulich nach der Uhrzeit fragten. Und er weiß: Für den Rest seines Lebens muss er ohne seinen Bruder Ewald auskommen. Der Blut spendete, um anderen Menschen zu helfen. Der am Schaufenberger Friedhof Nistkästen für die Vögel aufhängte.
"Meinen Bruder kann mir niemand zurückbringen. Er wurde grausam ermordet. Die sind mit dem Auto noch an meinem sterbenden Bruder vorbeigefahren", erklärt Artur Frentzen. Und ergänzt: "Das muss man alles erstmal überwinden." Frentzen ist erleichtert nach zehn aufreibenden Verhandlungstagen, an denen er dem heute 17-jährigen Manuel P. und dessen drei jungen Komplizen in die Augen blickte. Als wäre eine schwere Last von ihm abgefallen. "Nun hat die Sache ihren Abschluss gefunden. Das Leben muss ja weitergehen."
Frentzens Anwältin Sabine Appel aus Heinsberg äußerte sich zufrieden mit dem Urteil, das sie als "Genugtuung" bezeichnet, bedankte sich gar bei Richter Lothar Beckers. "Ich habe selbst einen 14-jährigen Sohn", sagt sie kopfschüttelnd.
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