Marathon: Training mal anders
zuletzt aktualisiert: 14.10.2008mit Dr. Michael Fritz über das RP-Marathonteam, einen neuen Trainingsplan für weniger geübte Läufer und den Erfolg eines Konzepts, das rund 800 Frauen und Männer zum Marathon in Düsseldorf führte.
Bis zum 19. Oktober nimmt die Rheinische Post noch Bewerbungen für das Marathon-Team 2009 entgegen, das im kommenden Mai in Düsseldorf an den Start geht. RP-Redakteur Dieter Weber sprach gestern mit Projektleiter Dr. Michael Fritz über das Trainingskonzept.
Was ist neu in Ihrem Trainingskonzept für das Team 2009?
Fritz Ich habe einen vierten Trainingsplan hinzugefügt, der auf Grundlagentraining an vier Tagen pro Woche basiert.
Warum haben Sie diesen vierten Trainingsplan entwickelt?
Fritz Die Alltags- und Familienstruktur ist bei vielen Läufern, die einen Marathon beenden wollen, mit fünf Trainingstagen überstrapaziert. So bieten wir auch diesen Läufern eine Chance, sich strukturiert auf einen Marathonlauf vorzubereiten. In den vergangenen Jahren konnten weniger geübte Läufer nicht immer mit den Anforderungen der Trainingspläne Schritt halten und entwickelten in einigen Fällen Überlastungsprobleme an Gelenken, Sehnen oder Muskeln. Auch für diese Gruppe bietet sich der Trainingsplan als Alternative an.
Was ist das Besondere an diesem Trainingsplan?
Fritz Weniger ist manchmal mehr. Es ist ein schlichter Trainingsplan mit einem einstündigen Grundlagenausdauertraining an drei Tagen der Woche. Einmal wöchentlich ist ein langer, langsamer Fettstoffwechsellauf über zwei bis dreieinhalb Stunden vorgesehen. Die Läufer werden in Lauftreffs an die Belastungsdauer herangeführt. Auch dieser Plan enthält eine strukturierte Periodisierung mit Aufbau- und Entlastungswochen, um ein Übertraining zu vermeiden und eine Leistungsentwicklung zu sichern. Wer sich durch diesen Trainingsplan nicht genügend gefordert fühlt, wählt einen der drei Trainingspläne, die sich seit fünf Jahren bewährt haben.
Was unterscheidet die einzelnen Trainingspläne?
Fritz Plan A ist eine gemäßigte Variante mit fünf bis sieben Trainingsstunden in der Woche und richtet sich an die Läufer, die in den vergangenen zwei Jahren wirklich regelmäßig 40 Kilometer und mehr pro Wochen gelaufen sind. Plan B mit sechs bis acht Wochenstunden wendet sich nur an erfahrene Läufer, die ohnehin in den letzten Jahren 50 bis 60 Kilometer pro Woche nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig absolviert haben. Der Trainingsplan C ist mit sechs bis neun Wochenstunden eine Herausforderung für alte Hasen, die verletzungsfrei seit Jahren hohe Umfänge gewohnt sind. Also ist für jeden Interessierten etwas dabei.
Das RP-Marathonteam ist ein Selbstläufer. Wie erklären Sie sich den Erfolg des Konzepts?
Fritz Das Konzept zielt auf eine Trainingsförderung zum sportlichen Erfolg: Jedes Teammitglied profitiert von der Selbstbestimmung bei der Aufgabenstellung, erhält Hilfen von erfahrenen Betreuern, hat Zeit zum eigenständigen Üben, kann seine Leistungsfähigkeit individuell einordnen und bekommt Perspektiven durch Handbuch, Trainingspläne, Lauftreffs, Seminare, Homepage. Außerdem gibt es ein Ziel – den Marathon in Düsseldorf.
Rund 150 Menschen bilden innerhalb weniger Wochen ein Team: Kann das funktionieren?
Fritz Die Erfahrung zeigt, dass dies ein sich selbst initiierender Prozess ist. Die Teilnehmer bilden das Team und pflegen eine humorvolle entspannte Atmosphäre. Die Teammitglieder achten einander und aufeinander Attribute, die viele außerhalb des Teams in der Gesellschaft heute vermissen.
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