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Fußball: "Wir müssen viel tun"

zuletzt aktualisiert: 20.06.2007 - 14:53

Walter Hützen, neuer und alter Präsident des Fußballverbandes Niederrhein, über den Boom nach der Weltmeisterschaft und die neuen Anforderungen, denen sich der Verband stellen muss.

Regensburg bleibt Tabellenführer.  Foto: AFP, AFP
Regensburg bleibt Tabellenführer. Foto: AFP, AFP

Sie sind beim Verbandstag in Nettetal für weitere drei Jahre im Amt des Präsidenten des Fußballverbandes Niederrhein bestätigt worden. Was hat sich in den vergangenen drei Jahren getan? Hat sich der Fußball verändert?

Hützen In meinen Augen schon. Vor allem das Verhalten der Fans, aber auch das der Spieler. Sie haben einen anderen Bezug zum Fußball bekommen. Ich denke, dass der Sport heute eine wesentlich größere soziale Funktion hat, als noch vor drei Jahren. Gerade wenn es um Integration geht. Ein gelungenes Beispiel aus unserem Verband ist Rhenania Hamborn. Das ist ein urdeutscher Verein, der heute einen türkischen Präsidenten hat. Rhenania hat durchaus Vorbildcharakter. Die arbeiten mit Kindergärten, Schulen und sogar einem Sozialarbeiter zusammen.

Wird Sie gerade der wichtiger gewordene soziale Auftrag, den der Fußball übernimmt, in den kommenden drei Jahren beschäftigen?

Hützen Sicher. Aber wir müssen insgesamt viel tun. Der Fußball boomt. Aber er muss sich engagieren, um das Niveau zu halten.

Wie fit ist der FVN für die Zukunft?

Hützen Wir haben erhebliche Sorgen was die Sportschule in Wedau angeht. Der Bettenturm, die Tagungsräume, die Aula - all das ist arg sanierungsbedürftig. Aber das Geld fehlt. Die Sportschulen in Kamen und Hennef hatten das Glück, im Zuge der Weltmeisterschaft vor einem Jahr Gelder für solche Maßnahmen zu bekommen.

Wie sieht es strukturell im Verband aus?

Hützen Seit dem Verbandstag am Samstag in Nettetal hat der Frauenfußball erstmals eine Stimme im FVN-Präsidium. Die Vorsitzende des Frauenfußball-Ausschusses, Gisela Schmitz, gehört nun zum Vorstand. Damit tragen wir der gestiegenen Popularität und Bedeutung des Mädchen- und Frauenfußballs Rechnung. Wir haben da erhebliche Zuwachsraten, mehr als in jedem anderen Bereich. Schon 1989, als ich das Amt von meinem Vorgänger Willi Haneke übernommen habe, war der Frauenfußball Chefsache. Ich hab das weitergeführt. Ich wusste, dass hier ein großes Potenzial liegt. Aber es gibt auch heute noch viel Nachholbedarf bei den Vereinen. Das fängt schon damit an, dass es nur selten angemessene Umkleidemöglichkeiten für Frauen gibt. Wir werden den Mädchen- und Frauenbereich noch mehr unterstützen und den Vereinen helfen, das voran zu treiben.

Hat die WM 2006 den Fußball voran gebracht?

Hützen Ja. Wir haben einen Mitgliederzuwachs, der überproportional ist. Bei den Mädchen haben wir 9,9 Prozent dazu bekommen, bei den Jungs fünf Prozent. Das ist, im Vergleich zu anderen Sportverbänden, sehr gut. Viele haben rückläufige Zahlen. Wir werden auch 2007 positiv dastehen.

Können die Vereine den großen Ansturm noch bewältigen?

Hützen Ehrlich gesagt stehen einige schon vor dem Problem, wie sie das schaffen sollen. Noch gibt es keine Aufnahmestopps. aber wir fürchten, dass es dazu kommen wird.

Das ist ein Luxusproblem, das andere Verbände gerne hätten.

Hützen Natürlich. Aber Problem ist Problem. Wir müssen es bewältigen. Denn so eine Chance wie jetzt kriegen wir nie wieder. Die WM hat sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch auf dem Platz ausgezahlt. Nun sind wir, der Verband, die Kreise und die Vereine, gefordert. Wir müssen reagieren, auch auf die neuen Anforderungen, die an die Fußballklubs gestellt werden. Der DFB wird dazu im Oktober auf seinem Bundestag einen Fußball-Entwicklungsplan vorstellen.

Der größte Sportverband der Welt hat einen Entwicklungsplan nötig?

Hützen Es wird ein umfassendes Instrument, um unsere Arbeit zu systematisieren. Anhand dessen können wir dann auch unsere Trainer- und Betreuer-Ausbildung weiter verbessern. Wir müssen das möglichst interessant machen, um die Leute zu erreichen. Was die Jugendarbeit angeht, sind wir seit langem gut aufgestellt, viele unserer Konzepte sind sogar in den Entwicklungsplan des DFB mit eingeflossen. Insgesamt stehen wir gut da.


 
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