Borussia Mönchengladbach: 5:1 – eine Handvoll Tore für Köln
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 10.04.2011 - 17:24Mit 4:0 hatte Borussia das Hinspiel beim 1. FC Köln gewonnen. Genauso spektakulär verlief gestern das 100. Heimspiel im Borussia-Park. Im Abstiegskampf schöpft die Mannschaft von Trainer Favre neue Hoffnung – zumal die Konkurrenten St. Pauli, Wolfsburg und Stuttgart verloren.
Es gibt Auswechslungen, die tun einem Fußballer richtig gut. Für Mike Hanke, den Mönchengladbacher Stürmer, gab es so eine im Derby gegen den 1. FC Köln. Nach 76 Minuten reckte der vierte Offizielle die Tafel mit Hankes Rückennummer hoch, dieser machte sich auf den Weg zur Außenlinie. Die Fans applaudierten. Drei Tore hatte Hanke vorbereitet und damit einen wesentlichen Teil zum furiosen 5:1-Erfolg der Borussen gegen – indes recht teilnahmslose – Kölner beigetragen.
"Mike hat gut gespielt", lobte Trainer Lucien Favre später den Angreifer, den die Gladbacher in der Winterpause von Hannover 96 abgeworben haben. Noch hat Hanke kein Tor erzielt, doch in diesem Derby war er neben dem Torwart-Debütanten Marc-André ter Stegen und dem starken Doppeltorschützen Marco Reus ein Hauptdarsteller. "Drei Assists, das ist doch was, ich bin jetzt hier der Zehner", sagte Hanke und grinste. Erst verlängerte er eine Ecke von Marco Reus zu Juan Arango, der das 1:0 besorgte, dann legte er Reus die Tore zwei und drei auf. Nach der Pause trafen Filip Daems per Elfmeter und Havard Nordtveit. Zwischenzeitlich hatte Milivoje Novakovic Kölns 1:3 geschafft.
Dass er für Gladbach noch nicht getroffen hat, wurmt Hanke. "Man könnte ja drei Assists in ein Tor umwandeln", schlug er vor – im Spaß. Im Ernst sagte er: "Wenn wir am Ende nicht absteigen und ich kein Tor gemacht habe, dann ist das auch egal." Hanke und Mo Idrissou, zwei Strafraumstürmer, bildeten Gladbachs Doppelspitze. Damit setzte Favre seine Ankündigung um, seinem Team mehr Offensivlust zu verordnen. Hanke übernahm dabei öfter den Part des Ballverteilers. "Er spielt sehr clever", sagte Favre.
Hanke hielt den Ball immer dann, wenn es nötig war. Er leitete ihn schnell weiter, wenn sich die Gelegenheit ergab. Marco Reus, dessen 3:0 gute Chancen hat, das Tor des Monats April zu werden, demonstrierte Zielstrebigkeit. Hinzu kam die Ruhe des Novizen ter Stegen im Tor – das und eine engagierte Leistung aller Borussen reichte gegen Köln.
Ob der Derby-Sieg zum richtigen Zeitpunkt kam oder nur ein reizvoller Randaspekt des Abstiegs sein wird, wird sich in den letzten fünf Spielen zeigen. Hanke geht davon aus, dass es der Auftakt des echten Endspurts war. "Wir sind heute mit dem Druck gut umgegangen. Jetzt müssen wir auch in Mainz gewinnen", sagte Hanke. Vor dem Spiel habe er in der Kabine gespürt, dass die Borussen brannten, etwas zu bewegen. "Darum bin ich überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen", versicherte Hanke.
Er ist einer vom Typ Sonnyboy und will positiv denken. Mit Hannover hat er in der vergangenen Saison mit Siegen in den letzten beiden Spielen den Abstieg vermieden. Gleiches will er mit den Borussen schaffen. "Wir sind heute vor dem Spiel zu den Fans gegangen und haben sie mit ins Boot genommen, sie haben uns toll unterstützt", sagte Hanke.
Gut war das Bundesliga-Debüt von ter Stegen, wie Hanke strohblond und gegen Köln in den entscheidenden Situationen voll da. Erst rettete der 18-Jährige gegen Lukas Podolski, dann machte er mit Bedacht das Spiel ruhig, als Köln elanvoller wurde. Für einen gebürtigen Gladbacher wie ter Stegen ist ein Sieg im Derby der optimale Erstliga-Einstand. Nun wird es in der Endphase der Saison auch auf ihn ankommen.
Drei Siege müssen es mindestens noch werden, so ist die Rechnung der Borussen. 35 Punkte hätten sie dann. Ob das reicht? "Ich hoffe es", sagte Favre. Dass nach Mainz der Fast-Meister Dortmund, das Überraschungsteam aus Hannover, die Freiburger und Hamburg kommen, "ist schwer". Doch Favre hält es wie Hanke, er gibt den Berufsoptimisten: "Es ist doch egal wer kommt, Köln oder X, wir müssen unsere Punkte machen. Davon bin ich überzeugt."
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STATISTIK
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Nordtveit (83. Fink), Neustädter - Reus, Arango (73. Herrmann) - Hanke (76. Marx), Idrissou. - Trainer: Favre
Köln: Rensing - Brecko, Geromel, Mohamad, Eichner - Matuschyk - Peszko (70. Clemens), Lanig (86. Yalcin), Jajalo (46. Chihi), Podolski - Novakovic. - Trainer: Schaefer
Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)
Tore: 1:0 Arango (29.), 2:0 Reus (34.), 3:0 Reus (39.), 3:1 Novakovic (50.), 4:1 Daems (65., Handelfmeter), 5:1 Nordtveit (67.)
Zuschauer: 53.104
Gelbe Karten: Arango (2) - Jajalo (5), Matuschyk (5)
Torschüsse: 18:8
Ecken: 4:6
Ballbesitz: 55:45 Prozent
Fouls: 12:16
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