Borussia: Alles begann mit Matthäus
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 30.10.2007Morgen trifft Borussia zum sechsten Mal im DFB-Pokal auf den FC Bayern. Immer gewann München, obwohl jedes Spiel hart umkämpft war. Gladbach fehlte oft das Glück.
Die Geschichte der aus Gladbacher Sicht tragischen Auseinandersetzungen Borussias mit dem FC Bayern München im DFB-Pokal begann bereits am 24. März 1984. Das ZDF-Sportstudio schaltete live zur Geburtstagsparty von Gladbachs Shootingstar Lothar Matthäus. Und der 23-Jährige bestätigte vor laufenden Kameras die seit langem kursierenden Gerüchte: „Ja, ich wechsle zu den Bayern.“ Zwei Monate später absolvierte er im DFB-Pokalfinale sein letztes Spiel für Gladbach – gegen seinen künftigen Arbeitgeber.
Borussia gegen die Bayern, ein Evergreen des deutschen Fußballs. Neben 80 Duellen in der Bundesliga gab es zudem bereits vier Vergleiche (einmal mit Wiederholungsspiel) im Pokal. Am Mittwoch spielt Borussia nun schon zum fünften Mal gegen den Rekordpokalsieger, keinen Verein zogen die Gladbacher in den letzten 25 Jahren häufiger aus dem Lostopf. Es ist die kleine Variante des Evergreens, den Borussia jedoch noch nie gewann.
Nur ein Bundesliga-Sieg
Die Bundesliga-Bilanz der Borussen gegen die Bayern liest sich ernüchternd: 18 Siege, 23 Unentschieden und 39 Niederlagen in 80 Spielen. Und in München gewann Gladbach erst einmal. Am 14. Oktober 1995 siegten sie durch ein Tor von Stefan Effenberg und einem Eigentor von Andreas Herzog mit 2:1.
Am 31. Mai 1984 traf man sich erstmals. Es war das Spiel, in dem Matthäus zum ewigen Judas wurde. Frank Mill brachte die Fohlen in Führung, und in der Folgezeit überwanden die stürmenden Bayern nur in Person von Wolfgang Dremmler den starken Gladbacher Keeper Uli Sude. So war es ausgerechnet Matthäus, der das erste Elfmeterschießen in einem deutschen Pokalendspiel eröffnete – und seinen Ball in den Frankfurter Abendhimmel setzte. Dass Sude mit einer Parade gegen Klaus Augenthaler nochmals ausglich und Norbert Ringels später nur den Pfosten traf, interessierte die Gladbacher Fans nicht mehr. Ihr einstiger Liebling hatte für sie das Spiel verloren. „Die schwärzeste Stunde meiner Karriere“, sagt Matthäus noch heute.
Bereits im Halbfinale des nächsten Jahres bestand für die Borussen die Chance auf Revanche. Doch Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff rettete sein Team in die Verlängerung. Dort hatte Schiedsrichter Wilfried Heitmann seinen Auftritt. Nach einem Zweikampf von Thomas Herbst mit Dieter Hoeneß entschied er zur Überraschung aller im Münchner Olympiastadion auf Elfmeter. Sören Lerby verwandelte, Bayern gewann 1:0, und Borussias Trainer Jupp Heynckes wetterte: „Wir sind um den Erfolg betrogen worden.“
Beim nächsten Aufeinandertreffen saß Heynckes bereits auf der Bayern-Bank. Nach einem wahren Pokalhit auf dem Bökelberg (2:2 nach Verlängerung), musste ein Wiederholungsspiel in München die zweite Runde der Saison 1987/88 entscheiden. Und trotz ihres exotischen Outfits (hellblaue Hosen und gelbe Trikots) hatte Borussia erneut kein Glück. Nach 120 Minuten stand es 3:2 für die Bayern. Auch das bislang letzte Pokalspiel der Traditionsvereine 1996 endete nach dem bekannten Muster: Fünf Minuten vor Schluss traf Alexander Zickler zum 2:1-Sieg der Bayern auf dem Bökelberg.
Gladbach hätte jedes der fünf Spiele gewinnen können, doch es scheiterte jeweils an einer Mischung aus fehlender Abgezocktheit und tragischen Momenten. Ins Bild passt da auch die Niederlage im Elfmeterschießen gegen die Bayern-Amateure 2004. Am Mittwoch wären Gladbachs Fans aber sicher nicht unzufrieden, wenn es ihre derzeitigen Helden ins Elfmeterschießen schaffen würden. Zudem hätten sie die Gewissheit, dass diesmal im Anschluss kein Gladbacher prompt zu den Bayern wechselt.
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