Borussia: Angst blockiert Borussen
VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 19.03.2011Gladbach verliert das Abstiegsduell gegen Kaiserslautern 0:1. Nach vorne gelang fast gar nichts. Und hinten faustete sich Torhüter Bailly den entscheidenden Ball selbst ins Tor. Borussias Lage wird immer dramatischer.
So spielten sie
Borussia: Bailly - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Fink (63. Herrmann), Nordtveit - Reus, Neustädter, Arango (72. Matmour) - Idrissou (57. Hanke). Kaiserslautern: Trapp - Dick, Abel, Rodnei, Jessen - Tiffert (90. Amedick), Kirch - Ilicevic, Moravek (87. Petsos), Hlousek - Nemec (66. Lakic).
Tor: 0:1 Bailly (Eigentor, 61.)
Fussball Der Hauptdarsteller verschwand als Erster in der Kabine. Wortlos und mit ausdruckslosem Blick flüchtete Logan Bailly sofort vom Spielfeld. Er war sicherlich nicht der Alleinschuldige gestern an der 0:1-Niederlage Borussias im Abstiegs-Endspiel gegen Kaiserslautern. Doch der Belgier, der noch vor einer Woche einen Punkt in Bremen gerettet hatte, leitete mit einem unglaublichen Fehler den Absturz Borussias ein – im Spiel, und vielleicht auch im Abstiegskampf.
Lautern erkannte Baillys Schwäche
"Den Ball muss er natürlich haben", sagte Christian Tiffert, der den nach einer Ecke den Ball in den Strafraum schlug, den Bailly dann ins eigene Tor faustete. Auch den Eckball hatte der Torhüter bereits selbst verursacht, als er die Ecke zuvor statt nach vorne hinter das eigene Tor faustete. "Der erste Ball war nicht so gewollt", sagte Tiffert. "Aber wir hatten das in der Halbzeit besprochen. Bailly hatte nicht den sichersten Eindruck gemacht. Das wollten wir ausnutzen."
Wie bereits erwähnt: Bailly hatte nicht die Alleinschuld an der Niederlage. Die ganze Mannschaft brachte im direkten Duell mit einem Konkurrenten gegen den Abstieg nicht die Leistung, die nötig war, um überhaupt einen Punkt zu holen. Während Kaiserslautern ob seiner begrenzten spielerischen Mittel kämpfte und die Räume eng machte, scheiterte Borussia vor allem im Spielaufbau. "Wir hatten zu viele Ballverluste im Spiel nach vorne", sagte Verteidiger Filip Daems.
Das war noch untertrieben. Denn Borussias Offensivspiel fand quasi nicht statt. Die Mannschaft erspielte sich kaum Torchancen, die einzige, der Schuss von Martin Stranzl, von Rodnei noch über das Tor lenkte, war ein Zufallsprodukt. Auf der anderen Seite erspielte sich Kaiserslautern allein zwischen der 60. und der 63. Minute mehr Möglichkeiten als Borussia im ganzen Spiel – und schlug in dieser Phase auch Kapital aus der kurzen Hochphase.
Trainer Favres Konzept mit einem 4-2-3-1-System scheiterte fulminant. Vor allem die drei offensiven Mittelfeldspieler trugen wenig bis gar nichts zum Spielaufbau bei. Marco Reus tauchte komplett ab, Juan Arango zeigte sich bemüht – aber zu ungefährlich. Und Roman Neustädter hatte erneut viele Probleme. Seine schwache Ballannahme verhinderte einen sorgfältigen Spielaufbau. "Wir haben eigentlich gut angefangen", sagte Lucien Favre. "Aber nach 15 Minuten haben wir den Ball zwei., dreimal verloren. Danach hatten wir den Faden verloren. Wir hatten zu viel Angst, das Spiel zu machen. Wir waren fast blockiert."
Borussia verharrt mit 23 Punkten auf dem letzten Platz, während Kaiserslautern bei noch sieben Spielen auf 31 davonzieht. Heute und morgen können die Konkurrenten sich in zwei direkten Duellen weiter Luft verschaffen. "Das ist eine sehr große Enttäuschung", sagte Favre. "Wir haben so viele Ballverluste gehabt. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir weiter arbeiten müssen. Aber nicht so wie heute."
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