Borussia: Arango, der Elfmeter-Verschießer
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 25.01.2010 - 08:40Mönchengladbachs Mittelfeldakteur verschießt einen Elfmeter gegen den Schlussmann der Berliner Hertha. Am Ende steht es 0:0 – das liegt auch an den Glanzparaden von Logan Bailly auf der anderen Seite.
Ein 0:0 ist ein unbefriedigendes Ergebnis. Eines, dem das Wesentliche fehlt: die Tore. Gleichwohl fand Michael Frontzeck, Trainer von Borussia Mönchengladbach, das Treiben im eisig kalten Berliner Olympiastadion, wo sich seine Mannschaft mit dem Tabellenletzten Hertha BSC auseinandersetzte, "attraktiv".
Zu sehen gab es durchaus einiges in diesen knapp 95 Minuten. Eine Hertha nämlich, die "ein ganz anderes Gesicht hat als in der Hinrunde", wie Frontzeck befand; zudem recht viele Torgelegenheiten. Da es beim 0:0 blieb, war es das Spiel der beiden Torhüter Jaroslav Drobny und Logan Bailly.
"Jaro hat uns im Spiel gehalten", lobte Berlins Kapitän Arne Friedrich den Kollegen, der den Elfmeter hielt, den Friedrich beim Ballgestocher mit Roberto Colautti verursacht hatte. Das war in der 41. Minute. Hätte Juan Arango, der den Ball zu vorhersehbar platzierte, getroffen, dann hätte das 0:1 wohl das jüngst neu erschaffene Selbstvertrauen der Berliner arg beschädigt.
So aber entwickelte sich der zweite Abschnitt derart, dass Bailly, der Belgier, zur Hauptfigur wurde. Bei einem Freistoß von Cicero riss er blitzschnell die Fäuste hoch (54.) und gegen Ramos rettete er artistisch (61.). Das waren die Höhepunkte seiner Darbietung, die ansonsten von viel Präsenz im Strafraum, gutem Stellungsspiel und kraftvollem Zupacken geprägt war.
Bailly schützte seine Ohren mit einem wärmenden Stirnband vor der Kälte, behielt stets kühlen Kopf und machte sein bestes Saisonspiel. "Ich freue mich für Logan, dass er nach sechs Bundesligaspielen mal wieder zu null spielen konnte. Er hat bewiesen, welche Fähigkeiten er besitzt und großen Anteil am Punktgewinn", sagte Michael Frontzeck.
Seinen venezolanischen Star Arango, den Elfmeter-Verschießer, wollte er nicht schelten. "Das kann passieren", sagte Frontzeck. Bailly verhinderte, dass die Berliner nach dem 3:0 in Hannover Teil zwei ihrer Wunder-Mission mit vollem Ertrag abschließen konnten. Der Wunsch der Fans blieb somit unerfüllt: "Auf geht's, Hertha, schieß ein Tor", riefen sie, und sangen und hüpften, um zu zeigen, dass sie an ihre Hertha glauben.
Es gibt viele Worte für Hoffnung im Fußball. In Berlin haben sie sich für "Aufholjäger" entschieden. Sie haben das Wort auf Aufkleber und Schals drucken lassen, die Bestseller sind. Vier Punkte hat Hertha in der Rückrunde geholt; und damit fast die Marke der gesamten ersten Saisonhälfte (sechs) eingestellt. Wer voller Hoffnung ist, sei sie nun berechtigt oder nicht, der lässt sich ein 0:0 gegen Mönchengladbach nicht madig machen. "Wenn wir in Hannover einen Punkt geholt und heute gewonnen hätten, dann hätten alle gesagt: Toll! Jetzt ist es eben umgekehrt", sagte Jaroslav Drobny. Hertha braucht Helden in diesen Tagen, und der Tscheche war es gegen Gladbach.
Ein Torheld aber fehlte. Was wiederum Gladbach zufrieden machte. Nach zuvor zwei Niederlagen gab es den ersten Punkt. "Jemand hat mich gefragt, ob wir nun die Abwärtsspirale gestoppt hätten", erzählte Frontzeck. "Wenn wir in einer waren, dann ja", sagte er und meinte es ironisch.
Ein Team wie das seine, das "letzte Saison in einer Situation wie Hertha war und sich mit 31 Punkten gerade noch gerettet hat", sei nicht gefeit vor Rückschlägen, stellte Frontzeck klar. Ein solcher war das 1:2 gegen Bochum, nicht aber das Resultat in Berlin. Das sei, so der Trainer, "wichtig". Nicht jedes 0:0 ist unbefriedigend.
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