Borussia Mönchengladbach: Arango und der Unterschied
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 17.05.2011Borussias Venezolaner machte in Hamburg sein sechstes Tor für Gladbach, es war sein wichtigstes. Seit Lucien Favre Trainer ist, hat sich der seit Dienstag 31-Jährige auf gewisse Art neu erfunden. "Er beißt sich richtig rein", sagt Sportdirektor Max Eberl.
Juan Arango hat am Dienstag Geburtstag. 31 Jahre wird der Venezolaner alt. Ein hübsches Vorabgeschenk hat sich der Feintechniker am Samstag in Hamburg selbst gemacht. Arango zwirbelte einen Freistoß aus gut 20 Metern derart genau in die Torecke, dass sich HSV-Torwart Frank Rost noch so strecken konnte – papierdünn flog der Ball am Pfosten vorbei ins Tor.
Mit diesem Treffer war Borussia zunächst mal 15. in der Tabelle, am Ende brachte das 1:1 in Hamburg den Relegationsplatz. Juan Arango hat mit seinem vierten Saisontor seinen Teil dazu beigetragen. Hinzu kommen sieben Vorlagen – in der Summe ist das recht effektiv.
Baillys Problem
Baillys Problem Die Staatsanwaltschaft in Lüttich hat gestern sechs Monate Haftstrafe auf Bewährung für Borussias belgischen Torwart Logan Bailly gefordert. Er soll bei 2008 Fußballfans mit seinem Bruder Arnaud, dem zwei Jahre Haft drohen könnten, verprügelt haben. Das Urteil wird am 6. Juni bekanntgegeben.
Training Dienstag, 10 Uhr
Gleichwohl wird Arango oft abgesprochen, mit allem, was er hat, dabei zu sein. Seine Körpersprache ist, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftig. Doch seit Lucien Favre Trainer ist, hat sich das, was Arango auf dem Platz tut, verändert. Beim 2:1 gegen Schalke beispielsweise, da gab er einen verblüffenden Flügelflitzer, seine Flanke aus vollem Lauf traf exakt die Stirn von Mo Idrissou und der zum 2:1-Siegtreffer. Zuvor waren solche Szenen selten, und auch sonst wirkte Arango zuweilen lethargisch. Nun hat er sich aber auf eine gewisse Art neu erfunden.
Arango ist unter Favre deutlich mehr zum Teamplayer geworden, er beschränkt sich nicht mehr nur auf fußballerische Feinarbeit, sondern erledigt auch seine defensiven Aufgaben sehr ordentlich. Was auch Linksverteidiger Filip Daems entlastet.
Der Kapitän hat sich ebenfalls deutlich gesteigert im zweiten Saisonteil. "Das stimmt, meine Rückrunde ist besser", sagt Daems. In Hamburg war er wieder sehr aktiv, wagte sich auch das eine oder andere Mal nach vorne. Das geht indes nur, wenn Arango, der vor ihm spielt, dann absichert. Das tut der neue Arango. "Juan beißt sich richtig rein, er ist ein Teil der Mannschaft, die den Aufschwung geschafft hat, und hat seinen Teil dazu beigetragen", sagt Sportdirektor Max Eberl.
Nun geht es am Donnerstag im ersten Relegationsspiel gegen den VfLBochum (20.30 Uhr, Borussia-Park, Live-Ticker). Da ein Geburtstag immer auch ein Tag der Besinnung ist, mag sich Arango, den sie in seiner Heimat "Hurrikan der Karibik" nennen, an sein erstes Bundesligaspiel erinnern. Gegner war damals der VfL Bochum. Und Arango feierte ein verblüffendes Erstliga-Debüt bei diesem wilden 3:3, bei dem Gladbach eine 3:0-Führung abhandenkam. Arango schoss Gladbachs 1:0 und bereitete später das dritte Tor vor. Nun machte er in Hamburg sein insgesamt sechstes Tor für Gladbach, es war sein wichtigstes.
Arango hat keinen Vertrag für die Zweite Liga, ist generell aber noch bis 2012 in Gladbach angestellt, so es in der Bundesliga bleibt. Das Nach-der-Relegation ist derzeit aber kein Thema im Borussia-Park, und somit auch nicht die Zukunft einzelner Spieler. Arango ist bereit für die Relegation. "Er kann den Unterschied ausmachen", sagt Eberl.
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