Borussia Mönchengladbach: Arangos Phlegma
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 28.02.2011Der venezolanische Nationalspieler agiert im Borussia-Trikot viel zu häufig als personifizierte Unlust. War sein starker Auftritt vor einer Woche gegen Schalke 04 nur ein Strohfeuer?
Borussias Termine
25. Spieltag: Borussia – Hoffenheim (5. März, 15.30 Uhr)
26.: Bremen – Borussia (12. März, 18.30 Uhr)
27.: Borussia – Kaiserslautern (18. März, 20.30 Uhr)
28.: Bayern München – Borussia (2. April, 15.30 Uhr)
Die weiteren Rückrundenspiele sind noch nicht terminiert.
Er kann nicht wirklich was dafür, der Juan Arango. Blickt man aber in das Gesicht des Venezolaners, sieht man nie viel. Keine Emotionen. Kein Ärger. Kein Lächeln. Der 30-Jährige saß auf dem Rasen in der eiskalten Volkswagen-Arena, sein Blick verriet zumindest einen Hauch von Nachdenklichkeit, letztlich verzog Arango jedoch kaum eine Miene, schaute einfach ins Leere. Es war der auffälligste Moment des Mittelfeldspielers von Borussia im Duell beim VfL Wolfsburg – und leider auch sein schlechtester, als er ungestüm und plump einen Elfmeter verursachte.
Arango steht sinnbildlich für die beiden letzten Auftritte Borussias. Gegen Schalke 04, dem ersten Spiel unter Neu-Trainer Lucien Favre, legte Arango eine erstaunliche Metamorphose hin. Plötzlich konnte er die Außenbahn beackern, rannte, kämpfte und bereitete sogar ein Tor vor. Sein Auftritt ging einher dem guten Spiel seiner Mannschaft – die auch prompt ihr erstes Heimspiel gewann.
An der Linie entlang getrabt
Doch dann kam Wolfsburg. Und der Rückfall. Pomadig, lustlos und vor allem verschlafen trabte Arango die Außenlinie entlang. Und auch da fügte er sich nahtlos in den Auftritt seiner Teamkollegen ein. 1:2 verlor der Tabellenletzte in der Autostadt. Ein schmeichelhaftes Ergebnis, legt man die Leistung der Mannschaft – und Arango – zugrunde.
"Er ist ein hervorragender Spieler", sagt Trainer Favre trotzdem über seinen Schützling. "Er spielt gute Pässe, ist bei Standards sehr gefährlich." Wäre da nicht dieses Phlegmatische, was ihn immer und immer wieder zurückwirft. Zu seinen eigenen Leistungen äußert sich Arango in der Regel nicht. Praktischerweise spricht der Nationalspieler nämlich außer Spanisch keinerlei andere Sprache – was ihn meist vor Rückfragen bezüglich seiner Auftritte bewahrt. So lebt Arango in einer Schattenwelt bei Borussia, ohne großartigen Kontakt zu Mitspielern oder der Stadt an sich.
Arango ist eine der großen Baustellen für Lucien Favre in den restlichen zehn Saisonspielen. Länger muss er sich wahrscheinlich nicht mehr um den Venezolaner kümmern – Arango hat keinen Vertrag, der auch im Falle des Abstiegs Gültigkeit hätte. Favre muss nun versuchen, Arango noch einmal zu kitzeln, versuchen, das Beste aus ihm rauszuholen. Vorgänger Michael Frontzeck tat sich damit sehr schwer – er sagte einst, dass Arango keiner sei, "der im Abstiegskampf auch mal kämpferisch dagegenhalten kann, wenn es mit der Mannschaft nicht so läuft".
Und so scheint die Ehe zwischen Juan Arango und Borussia Mönchengladbach langsam aber sicher auszulaufen. Beide Seiten wissen das. Die Frage ist nun nur, wie man sich trennt: indem beide Parteien bis zum Schluss alles füreinander geben – oder das Ganze auf Sparflamme ausköcheln lassen.
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