Borussia: Auf Rabah Madjers Spuren
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 09.10.2009Borussias Angreifer Karim Matmour will sich am Sonntag mit Algerien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 qualifizieren. Und damit Geschichte schreiben. Wie das algerische Team von 1982, das Deutschland 2:1 besiegte.
Als Karim Matmour diesen gewichtigen Satz sagt, dämpft der Borusse die Stimme. Und das nicht nur, weil er in dem Militär-Hotel in Algier, wo er sich mit Algeriens Nationalmannschaft darauf vorbereitet, sein Land stolz zu machen, eigentlich nicht telefonieren darf.
"Rabah Madjer ist Gott", sagt Matmour mit der gebotenen Ehrfurcht. Es war der 16. Juni 1982, als Madjer, damals 24, genau wie jetzt Matmour, die größte Stunde des algerischen Fußballs einleitete: Er traf zum 1:0 gegen Deutschland im ersten WM-Gruppenspiel. Am Ende siegte Algerien 2:1, weil nach Karl-Heinz Rummenigges 1:1 auch Lakhdar Belloumi ein Tor schoss.
Alle reden noch heute von 1982
"Von 1982 reden in Algerien noch heute alle", sagt Matmour. Die Nordafrikaner schafften es nicht in die zweite Runde, weil Deutschland und Österreich den berühmt-berüchtigten Nichtangriffspakt schlossen und mit dem deutschen 1:0-Sieg Algerien ausscheiden ließen. Geschichte haben Madjer, Belloumi und der Rest des Teams dennoch geschrieben.
WM-Chancen
Michael Bradley Das US-Team führt mit 16 Punkten die Tabelle der CONCACAF-Zone an. In Honduras und gegen Costa Rica soll alles klar gemacht werden.
Juan Arango Venezuelas Kapitän sagt: "Die WM wäre eine Traum." Chancen, Platz vier (direkte Qualifikation) oder fünf (Relegation) in der Südamerika-Zone zu schaffen, sind da. Es geht aber gegen Paraguay und nach Brasilien.
Roberto Colautti Gegen Moldawien kämpft Israel um seine kleine WM-Chance.
1986 gab es die zweite und bislang letzte WM-Teilnahme, doch die endete sieg-, sang- und klanglos. So ist 1982 bis heute der Maßstab für alle folgenden algerischen Teams. "Es ist mal wieder an der Zeit, dass wir bei einer WM dabei sind", sagt Karim Matmour. Er und das junge Team wollen die Geschichte wiederholen, ja neu schreiben: "Wenn wir 2010 in Südafrika dabei sind, werden wir die Überraschungsmannschaft sein", versichert Matmour. "Aber erst einmal müssen wir uns qualifizieren."
Zwei Spiele trennen Algerien von dem großen Traum. Sonntag kommt Ruanda (20.15 Uhr), am 14. November ist der Showdown bei Afrikameister Ägypten – wenn es dazu kommt. Algerien führt mit zehn Punkten die Qualifikationsgruppe 3 an, hat drei Punkte mehr als der Rivale. Verliert Ägypten Samstag in Sambia, reicht Algerien ein Punkt, um die WM-Tickets fix zu buchen. "Das wäre für unser Land wichtig", weiß Matmour.
Das 1:0 gegen Sambia bejubelten Hunderttausende, nicht nur in der Heimat, sondern weltweit. "Auf den Champs-Élysées in Paris ging es zu wie bei Frankreichs WM-Sieg 1998, nur dass jetzt eben algerische Einwanderer feierten", sagt Matmour, ebenfalls Sohn eines algerischen Immigranten. "Meine ganze Familie wird Samstag in Straßburg vor dem Fernseher sitzen und uns die Daumen drücken. Wir wollen alles klar machen", sagt Matmour.
Mit Teamgeist, Kampf und Konterspiel will die aktuelle Generation des algerischen Fußballs auf den Spuren von Rabah Madjer und den anderen Heroen von 1982 wandeln. "Wir spielen sehr europäisch, ein bisschen wie Spanien. Wir sind seit drei Jahren zusammen, sind eine Familie", skizziert Matmour die Stärken seiner Mannschaft. Abgeschottet von der Außenwelt bereitet sich das Team seit Wochenanfang auf das Spiel gegen Ruanda vor.
40.000 Zuschauer passen in das kleine Stadion von Blida. "500.000 wären dabei, wenn es ginge, aber alle werden vor Bildschirmen mitfiebern", weiß Matmour. "Unsere Chance ist groß", sagt er, wieder ist die Stimme leicht gedämpft. Es geht für ihn und die anderen Les Fennecs (die Wüstenfüchse) um nichts weniger, als Volkshelden zu werden.
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