Borussia: Bailly faustet ins eigene Tor
VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 18.03.2011 - 22:25Es war ein Abend wie gemacht für das vielleicht definitive Abstiegs-Endspiel der Borussen: Dichter Nieselregen stürzte unaufhörlich in den Borussia-Park. Die Aktivitäten der Fußballer passten zum Anlass: Hektisch war es, verkrampft, der Fußball wurde vor allem gearbeitet. Am Ende war Borussia total fertig: Ein Eigentor von Torwart Logan Bailly schenkte den Gästen einen 1:0-Sieg. Damit kassierten die Gladbacher bereits ihre neunte Heimniederlage in dieser Saison.
Statt des erhofften Befreiungsschlags gab es wohl den Knockout. Sieben Spiele sind es noch, die Rettung vor dem Abstieg erscheint mehr als zuvor eine Utopie. Borussias Trainer Lucien Favré hatte sein Team im Vergleich zum 1:1 in Bremen nur auf einer Position geändert: Havard Nordtveit rückte für Thorben Marx ins defensive Mittelfeld. Auch sonst gab es Parallelen: Dante, der brasilianische Abwehrchef, spielte wieder mit Gesichtsmaske, um die gebrochene Nase zu schützen. Das seltsame blaue Ding brachte an der Weser Glück, nun sollte dieses auch im Duell mit den „Roten Teufeln“, die ganz in Schwarz spielten, erzwungen werden. Das Glück allerdings bedarf nun mal harter Arbeit, und, das wusste Favre vorab, gerade die ist ein wesentliches Merkmal des Fußballs aus der Pfalz.
Entsprechend gingen die Gäste zu Werke: robust und kompromisslos. Die Gladbacher hielten dagegen, versuchten aber gleichwohl ihre technischen Vorteile ins Spiel einzubringen. Was Borussia ein gewisses Übergewicht einbrachte. „Wir müssen intelligent spielen“, hatte Dante gefordert. Also angreifen, dem Gegner aber keine Konter erlauben. Die Fans waren voll da, wollten den Sieg herbeischreien.
In der 15. Minute flog ein gefühlvoller Lupfer Martin Stranzls aufs Lauterer Tor zu, doch Rodnei lenkte den Ball über die Querlatte. Borussias Problem: Es gab wieder zu viele Fehler in der Ballannahme und zu ungenaue finale Pässe, was phasenweise den Spielfluss arg hemmte. So wurde es ein Geduldsspiel: Lautern stand tief, die Borussen forschten nach brauchbaren Lücken. Borussias Powerplay war aber oft zu ungeschickt. Zäh war es auch, weil auf beiden Seiten die Abstiegsangst spürbar mitspielte. Favre, eher ein Freund des gepflegten Ballspiels, stand ständig am Rande der Coachingszone und versuchte gestenreich, sein Team zu inspirieren.
Lautern aber stellte bissig die Räume zu: Spielfeldverengung ist nun mal das beste Mittel, Spielfluss im Keim zu ersticken. Der eine Punkt, den die Gäste sowieso hatten, der war für sie mehr wert als für den Letzten. Eine einzige Aktion konnte ihnen das ganz große Glücksgefühl bescheren. Es war eines dieser Spiele, die typischerweise durch Standardsituationen entschieden werden. Erst kam ein Kopfstoß von Adam Nemec nach einer Freistoßflanke dem Borussen-Tor gefährlich nah.
Dann passierte das, was niemals passieren durfte: Torwart Logan Bailly faustete eine Ecke von Christian Tiffert ins eigene Tor. Des Belgiers Faust streckte Borussia nieder. Die Versuche, das Spiel zu drehen, waren kläglich.
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STATISTIK
Mönchengladbach: Bailly - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Fink (63. Herrmann), Nordtveit - Reus, Neustädter, Arango (72. Matmour) - Idrissou (57. Hanke). - Trainer: Favre
Kaiserslautern: Trapp - Dick, Abel, Rodnei, Jessen - Tiffert (90. Amedick), Kirch - Ilicevic, Moravek (87. Petsos), Hlousek - Nemec (66. Lakic). - Trainer: Kurz
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Tor: 0:1 Bailly (61., Eigentor)
Zuschauer: 47.696
Gelbe Karten: Dante (3), Neustädter (2)
Torschüsse: 8:12
Ecken: 4:3
Ballbesitz: 57:43 Prozent
Fouls: 16:19
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