Borussia Mönchengladbach: Bilanz stark, aber Knipser fehlt
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 01.11.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Analyse Borussia ist nach elf Spieltagen Fünfter, Trainer Favre hat ein klares Konzept, das beim Team ankommt. Die Defensive ist die Basis des Aufschwungs. Es gibt auch viele Chancen, aber zu wenige werden genutzt.
Situation Elf Spiele sind vorbei, also gut ein Drittel der Saison. Vergangenes Jahr war Borussia zu diesem Zeitpunkt Letzter, hatte nur einmal gewonnen, sieben Punkte beisammen und 33 Gegentore kassiert. Jetzt ist Gladbach Fünfter mit 20 Zählern. Das 2:1 gegen Hannover war der sechste Saisonsieg, nur drei Spiele gingen verloren. Zudem stehen die Borussen, wie im Vorjahr, in der dritten Pokalrunde, hier kommt Schalke 04 in den Borussia-Park.
Trainer Lucien Favre tüftelt Spiel für Spiel an der passenden Taktik und liegt damit fast immer richtig. Er macht die einzelnen Spieler stark und somit das Team. Abzuwarten ist, wie der Schweizer eine echte Krise meistert, seit er bei Borussia ist, gab es, trotz Abstiegskampf, vor allem Erfolg und insgesamt 40 Punkte. Favre hat ein klares Konzept, das beim Team ankommt.
Defensive Favre hat Borussia dichtgemacht, die gut organisierte Defensivarbeit ist die Basis des Aufschwungs. Acht Gegentore gab es in elf Spielen, das ist ein Schnitt von 0,72. Vor einem Jahr waren es noch drei Gegentreffer pro Spiel. Favres Team funktioniert als Gesamtheit bei der Torverhinderung, auch Spieler wie Juan Arango arbeiten fleißig nach hinten.
Marc-André ter Stegen ist verblüffend stark in seiner ersten Saison als Nummer eins, er strahlt Ruhe aus, was dem Team Sicherheit gibt. Die Innenverteidiger Dante, Martin Stranzl und Roel Brouwers sind in allen Konstellationen verlässlich, Filip Daems spielt seine beste Saison in Gladbach und Tony Jantschke ist ein insgesamt solider Rechtsverteidiger, der indes noch Entwicklungspotenzial hat.
Offensive Marco Reus ist das Prunkstück in der Abteilung Attacke. Zuletzt spielte er Hannover fast im Alleingang schwindelig. Chancen erarbeiten sich die Borussen viele, die Torproduktion muss besser werden. Das ist derzeit Borussias größter Makel. Im Angriffszentrum fehlt einer mit verlässlichen Knipser-Qualitäten. Igor de Camargo, der torgefährlichste Angreifer, ist ständig verletzt.
Mike Hanke ist mehr Ballhalter- und -verteiler als Torjäger. Raúl Bobadilla kann eine Abwehr beschäftigen, doch fehlt ihm die Ruhe vor dem Tor. Die zeigte Patrick Herrmann gegen Leverkusen, als er das 2:1 schoss, auch sonst ist er sehr agil in des Gegners Hälfte. Zu wenig Torgefahr produziert Juan Arango: Selten sitzen seine Freistöße, aus der Distanz muss er es öfter versuchen.
Kreativität Arango ist der größte Ideengeber, mit seinen Pässen beschwört er immer wieder Gefahr herauf, er leitete schon fünf Tore ein. Marco Reus kann mit Einzelaktion jederzeit einen Gegner verwirren. Roman Neustädter wächst in die Rolle des Spielgestalters hinein, muss aber mehr Zug zum Tor entwickeln.
Die zweite Sechser-Position ist fragil: Mal spielt Thorben Marx, mal Havard Nordtveit, Favre kann sich nicht entscheiden. Wohl, weil keiner der beiden ihn wirklich überzeugt. Auf der zentralen Position im Mittelfeld gibt es also, wie im Angriff, Nachholbedarf.
Zugänge Oscar Wendt, Mathew Leckie, Joshua King, Lukas Rupp und Yuki Otsu durften schon mitspielen, mehr als Druck machen auf das Stammpersonal konnten sie nicht. Matthias Zimmermann bekommt in der U23 gute Kritiken, ist aber ohne Erstliga-Einsatz. Man könnte sagen: Der erhöhte Konkurrenzkampf treibt die Etablierten an. Aber auch: Die Neuen sind noch nicht so weit, wirklich zu helfen.
Fazit Borussia spielt bisher eine gute bis sehr gute Saison und scheint stabil genug, sich in der oberen Tabellenhälfte festzusetzen. "Wir müssen aber weiter konzentriert sein. Frankfurt war in der letzten Saison ein warnendes Beispiel. Unser Ziel sind erst mal 40 Punkte, 20 haben wir. Wir spielen konstant auf einem guten Niveau", sagt Sportdirektor Max Eberl.
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