Borussia: Bochum setzt auf Kampfkraft
VON ROBERT PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.05.2011 - 10:33Borussia Mönchengladbachs Gegner geht selbstbewusst in die Relegationsspiele. "Die Borussia ist Favorit", sagt Trainer Friedhelm Funkel, "aber auch Außenseiter können für eine Überraschung sorgen."
Es war in den 70er und 80er Jahren. Da erarbeitete sich der VfL Bochum einen Ruf. Es war die Zeit, als unerschrockene Athleten wie Lothar Woelk und Michael "Ata" Lameck unerbittlich den Rasen des Stadions an der Castroper Straße umpflügten. Jedes Jahr kämpfte das Team gegen den Abstieg, bis 1992 erfolgreich.
Jemand, der es mit den Regeln der deutschen Sprache nicht so genau nahm, prägte den Begriff der "Unabsteigbaren". Für die folgende Entwicklung des Klubs kam das Bild von der Fahrstuhlmannschaft in Mode. Fünfmal stieg das Team ab, fünfmal direkt wieder auf. Das will es auch diesmal schaffen. Morgen geht es ins Hinspiel der Relegation nach Mönchengladbach, zum Drittletzten der Bundesliga (20.30 Uhr/Live-Ticker). Und Trainer Friedhelm Funkel sagt: "Natürlich ist Borussia Favorit, aber auch Außenseiter können eine Überraschung landen."
Selbstbewusstsein bezieht seine Mannschaft aus einer Zweitliga-Saison, die sie mit 65 Punkten abschloss. Das hat in den vergangenen Jahren zum direkten Aufstieg gelangt. Bochum verkraftete sogar einen miserablen Saisonstart mit drei Niederlagen in vier Spielen. Abstiegskampf im Unterhaus schien die Perspektive zu sein.
Aber Funkel formte ein Team, das seine Idee vom Fußball immer besser umsetzte. Es baut sehr zur Freude der traditionsbewussten Fans auf Kampfkraft, Laufarbeit und ein extrem kompaktes Mittelfeld, aus dem bei Ballgewinn schnelle Angriffe vorgetragen werden. Bochum ist längst ein sehr lästiger Gegner.
Das wird der VfL auch für Mönchengladbach sein – selbst wenn Funkel als erklärter Anhänger des Klubs gilt. Er stand in den großen Zeiten der Borussia in der Stehplatzkurve am Bökelberg, und er begleitet den Weg der Gladbacher immer noch mit Sympathie. Nur morgen und am kommenden Mittwoch nicht. Schließlich gehört angewandte Fanarbeit beim Gegner nicht zu seinen vertraglichen Pflichten in Bochum.
Er will dem Erstligisten richtig weh tun. Funkel benutzt das schöne taktische Wort von den "Nadelstichen, die wir setzen wollen". Übersetzt heißt das: Die Borussia muss sich auf einen VfL Bochum einstellen, der sein Heil in einer sehr kontrollierten Offensive nach dem Vorbild des großen taktischen Maurermeisters Otto Rehhagel suchen wird. Funkels Elf wird den Gladbachern die Wege zur Spielentfaltung verstellen und dem Publikum sicher nicht den Gefallen tun, mit zehn Mann in den Angriff zu rennen. Das wird dem Erstliga-Sechzehnten sicher nicht gefallen, denn das war in den überraschend erfolgreichen zurückliegenden Wochen der eigene Ansatz.
Die Mönchengladbacher müssen sich wohl oder übel mit der Rolle des Favoriten anfreunden, der den Takt im eigenen Stadion angibt. Den Gästen ist das recht. Sie richten sich voller Vergnügen auf den Part des Kleinen in diesem Duell ein. Funkel begründet das mit der Statistik der Relegationsspiele, in denen meist der Erstligist gewann. "Man hat mit diesen Spielen den Bundesligisten eine Hintertür geöffnet", sagt Bochums Trainer, "drei direkte Aufsteiger und drei direkte Absteiger wären eine faire Lösung." Das ist nicht erst seit dem Wochenende seine Meinung. Er hat sie schon geäußert, als die Deutsche Fußball Liga die Relegation wieder einführte. Das war vor drei Jahren. Damals war er als Trainer mit Eintracht Frankfurt auf dem Weg ins gesicherte Mittelfeld – der Ersten Liga.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









