Borussia: Bochums Defensive ist anfällig
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 19.05.2011 - 09:31Früher hießen sie "die Unabsteigbaren". Doch das ist lange her. Jetzt will der VfL aus dem Ruhrgebiet bereits zum siebten Mal zurück in die Bundesliga. Er hat eine beeindruckende Rückrunde gespielt – effektiv, kampf- und nervenstark. Doch wenn Borussia schnell und druckvoll spielt, bekommt Bochums Abwehr Probleme.
Der Jubel fiel verhalten aus. Zwar hatte der VfL Bochum mit dem 3:1-Sieg über den MSV Duisburg soeben eine beeindruckende Rückrunde mit 37 Punkten abgeschlossen, aber eben auch noch nicht mehr erreicht als die Qualifikation für die Relegationsspiele gegen Borussia Mönchengladbach.
Alleine der Name des Gegners in den beiden alles entscheidenden Partien müsste dem einen oder anderen Bochumer aber schon ein kleines Lächeln auf das Gesicht zaubern. Schließlich hat der VfL keines der letzten 15 Pflichtspiele gegen Gladbach verloren. Bleibt Bochum auch in den nächsten Tagen unbesiegt, hat es damit auch eine besondere Serie aufrecht erhalten. Noch nie blieb der VfL länger als eine Spielzeit am Stück in der zweiten Liga, schaffte schon fünfmal den direkten Wiederaufstieg. Gegen Borussia wollen die ehemals „Unabsteigbaren“ wieder direkt zurück ins Oberhaus.
"Graue Maus"
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Der VfL Bochum spielte nach seinem ersten Bundesliga-Aufstieg 1971 22 Jahre lang ununterbrochen in der ersten Liga, weswegen die Mannschaft den Spitznamen "Die Unabsteigbaren" erhielt. Da es aber auch selten für mehr als den Abstiegskampf reichte, wurde der VfL auch "Graue Maus" genannt.
Erfolge
Sechsmal stieg Bochum in die Erste Liga auf, spielte dort insgesamt 34 Jahre. Dazu kommen zwei Endspiele im DFB-Pokal (1968 und 1988) sowie die Qualifikation für den Uefa-Cup 1997und 2004.
TAKTIK
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten in der Hinrunde der Saison fand Trainer Friedhelm Funkel die passende Formation für die Aufholjagd. Vor der Viererkette ist mit Andreas Johansson nur ein "Sechser" postiert, dem aber zwei leicht vorgezogene Mittelfeldspieler an den Seiten assistieren. Die einzige Sturmspitze wird durch zwei dribbelstarke Spieler auf den Flügeln unterstützt. In diesem Grundgerüst gelang es der Mannschaft in den letzten Monaten immer wieder, konsequente Abwehrarbeit mit einem effizienten Angriffsspiel zu verbinden.
BESTE SPIELER
Langjährige VfL-Größen wie Anthar Yahia, Marcel Maltritz, Christoph Dabrowski oder Ex-Nationalspieler Paul Freier haben schon oft genug ihre Bundesliga-Tauglichkeit bewiesen. In dieser Saison kamen ein zuverlässiger Torwart Andreas Luthe sowie zwei interessante Stürmer hinzu: Während der Nordkoreaner Chong Tese in der Hinserie für Furore sorgte, überzeugte Mirkan Aydin mit acht Toren seit der Winterpause. Auch auf den flinken Mimoun Azaouagh und den kaltschnäuzigen Giovanni Federico müssen die Gladbacher achten.
LETZTES AUFEINANDERTREFFEN
In Erinnerung blieb Borussia das letzte Spiel gegen die Bochumer nur wegen des furiosen Debüts zweier Jungspunde. Patrick Herrmann und Fabian Bäcker wurden am 16. Januar 2010 erstmals in der Bundesliga eingewechselt. Wenig später flankte Herrmann, und Bäcker traf ins Tor. Die 1:2-Heimniederlage konnten aber auch sie nicht verhindern. Denkwürdiger war da schon das Hinspiel am 9. August 2009, in dem Gladbach beim VfL nach 3:0-Führung noch 3:3 spielte.
STÄRKEN
Es ist kein Hurra-Stil, den die Bochumer in dieser Saison pflegten, dafür aber waren sie sehr effektiv, kampf- und nervenstark. Viele enge Spiele entschied der VfL so für sich, war in der Rückrunde bis auf eine kurze Schwächephase Mitte April nicht mehr zu bezwingen. Ein großes Plus dabei ist die Erfahrung vieler VfL-Profis, die bereits in der Bundesliga ihren Mann gestanden haben. Gerade die Routiniers in der Defensive sorgten dafür, dass der Tabellendritte nach der Winterpause nur noch 14 Gegentreffer kassierte.
SCHWÄCHEN
Auch wenn die Bochumer in den letzten drei Zweitliga-Begegnungen jeweils drei Tore erzielten, gehörten sie in dieser Saison nicht zu den offensivstärksten Teams der Liga. Nur selten gelang es dem VfL, seinen Gegner klar zu beherrschen. Bei den letzten Siegen in Osnabrück und gegen Duisburg machte die Defensive auch nicht immer den sichersten Eindruck, ehe die entscheidenden Treffer zugunsten des Favoriten fielen. Spielt der Gegner schnell und druckvoll, bekommt Bochum Probleme.
TRAINER
Kaum ein Trainer in Deutschland verfügt über so viel Erfahrung im Profifußball wie Friedhelm Funkel, doch die Relegation ist für den 57-Jährigen noch Neuland. Allerdings weiß der gebürtige Neusser, der 320 Bundesligaspiele bestritt, nur zu gut, wie er Mannschaften für den Aufstiegskampf fit bekommt. Mit Bayer Uerdingen, dem MSV Duisburg, dem 1. FC Köln sowie Eintracht Frankfurt gelangen ihm insgesamt bereits fünf Aufstiege in die Bundesliga. Mit dem VfL Bochum soll nun der sechste Streich folgen.
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