Borussia Mönchengladbach: Borussia bleibt auf dem Boden
zuletzt aktualisiert: 03.01.2012 - 02:30Mönchengladbach (RP). Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl über das Ziel seiner Mannschaft in der Bundesliga-Rückrunde, die Gespräche mit möglichen neuen Fußballern, die Spekulationen um Nationalspieler Marco Reus und die Arbeit von Trainer Lucien Favre.
Ins Jahr 2011 ging Borussia als Letzter und designierter Absteiger. Nun startet das Team von Lucien Favre als Vierter der Fußball-Bundesliga mit einem Vorsprung von zehn Punkten auf den ersten Nicht-Europapokal-Platz und als DFB-Pokalviertelfinalist. Sie dürften daher mit einem ganz anderen Gefühl das neue Jahr beginnen.
Max Eberl Natürlich ist es ein anderes Gefühl. Aber die gute Situation, in der wir sind, bedeutet ja nicht weniger Arbeit als im vergangenen Winter. Damals hatten wir die Chance, vieles besser zu machen. Jetzt birgt die positive Situation natürlich die Gefahr, dass man fallen kann. Darum gilt es, wie vor einem Jahr, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um weiter erfolgreich zu sein.
Die richtigen Entscheidungen auch im personellen Bereich. Der Wolfsburger Tolga Cigerci und der Finne Alexander Ring sollen kommen.
Eberl Bei Tolga Cigerci sind wir sehr weit, da könnte am Dienstag alles klar sein. Wir werden ihn, so alles wie geplant läuft, vom VfL Wolfsburg ausleihen. Wir wollten ihn ja schon im Sommer holen, damals hat es nicht funktioniert. Alexander Ring ist ein interessanter Spieler, den wir seit einem halben Jahr beobachten. Die Gespräche laufen.
Neue Spieler bedeuten auch, dass andere möglicherweise gehen. Thorben Marx beispielsweise soll mit Freiburg in Kontakt sein, und auch Oscar Wendt hat geäußert, dass er sich gern ausleihen lassen würde, um mehr Spielpraxis zu bekommen.
Eberl Wir haben einen recht kleinen Kader, darum werden wir uns durch Abgänge nicht unnötig schwächen. Thorben Marx und Oscar Wendt werden bleiben. Natürlich will jeder gern mehr spielen, aber eben diese Konkurrenzsituation wollen wir haben, denn es hat sich zuletzt sehr positiv auf die Leistung aller Spieler ausgewirkt. Gerade im Mittelfeld sind wir recht dünn besetzt, darum würde uns Alexander Ring helfen. Er kann im Mittelfeld alle Positionen spielen. Auch Tolga Cigerci wird unser Mittelfeld bereichern. Joshua King wird nach Manchester zurückkehren, auch da laufen die finalen Gespräche. Leider war Joshua immer wieder verletzt, so dass es keinen Sinn macht, wenn er bleibt.
In der Hinrunde hat Borussia famos gespielt. Wird es schwer, dies in der Rückrunde zu bestätigen?
Eberl Wir haben im gesamten Jahr 2011 gut gespielt. In der Rückrunde der Vorsaison haben wir 26 Punkte geholt, die haben wir in der Hinrunde dieser Serie mit 33 Punkten bestätigt. Nun wollen wir das zum dritten Mal schaffen. Wir schauen dabei aber weiterhin von Spiel zu Spiel und nicht auf das große Ganze. Erst mal wollen wir eine gute Vorbereitung machen, und dann schauen wir nur auf das Spiel gegen den FC Bayern. Das wird schwer genug. Danach kommen dann die komplizierten Auswärtsspiele in Wolfsburg und Stuttgart, dann kommt mit Schalke ein Titelaspirant zu uns. Aber wie gesagt: Erst kommt das Bayern-Spiel, sonst nichts.
Trotzdem: Müssen Sie angesichts der Tabellensituation nicht zweigleisig planen – mit dem Europapokal? Hat Borussia sogar etwas zu verlieren?
Eberl Wenn man, wie wir im vergangenen Jahr, als Letzter in die Rückrunde geht, muss man zweigleisig planen. Aber jetzt doch nicht. Verlieren kann man nur, wenn man ein gestecktes Ziel nicht erreicht. Wir hatten uns vorgenommen, in dieser Saison 40 Punkte plus zu holen. Was das angeht, sind wir auf einem guten Weg. Träumer werden sagen, dass wir uns für den Europapokal qualifizieren müssen. Aber wir träumen nicht, wir bleiben auf dem Boden, wollen aber immer das Bestmögliche erreichen.
Das tut bisher auch Marco Reus, trotz des Trubels um seine Person. Nach dem FC Bayern, Dortmund, Arsenal London und anderen soll jetzt auch Real Madrid Interesse haben.
Eberl Es wäre wichtig, den Jungen in Ruhe zu lassen. Gut ist, dass er mit der Situation gut klarkommt und seine Leistung nicht beeinträchtigt wird. Marco hat sich sportlich, aber auch als Mensch sehr gut entwickelt. Gerade auch durch die schwierige Situation im vergangenen Jahr. Er geht unseren Weg in eindrucksvoller Art und Weise mit. Er wird die richtige Entscheidung treffen, wenn es so weit ist, und wir werden ihm stets mit Rat und Tat zur Seite stehen. Marco hat klare Vorstellungen von dem, was er machen möchte. Klar ist, dass hier ein toller Fußballer heranwächst.
... der auch in der nächsten Saison Gladbacher ist?
Eberl Das wird man sehen. Vertraglich ist Marco bis 2015 an uns gebunden. Und bis zum Ende der Saison vergeht noch viel Zeit.
Was darf man von Lucien Favre noch erwarten?
Eberl Wir haben ihn im Februar geholt, um erstens mit ihm den Klassenverbleib zu schaffen und zweitens den Weg, den wir eingeschlagen haben, weiterzugehen. Er und sein Team haben im vergangenen Jahr hervorragende Arbeit geleistet. Natürlich steigen mit dem Erfolg auch die Ansprüche. Es geht darum, die Mannschaft stetig weiterzuentwickeln. Aber ich bin mir sicher, dass wir mit Lucien Favre dafür genau den richtigen Trainer bei uns haben.
Das Gespräch führte Karsten Kellermann
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