Borussia: "Borussia hat kein Trainerproblem"
zuletzt aktualisiert: 30.11.2010 - 16:25Max Eberl, Sportdirektor des Bundesliga-Letzten Mönchengladbach, nimmt im Interview Stellung zur Situation beim Bundesliga-Schlusslicht.
Die Niederlage in Dortmund war absehbar. Sind Sie dennoch enttäuscht?
Eberl Eine Niederlage ist immer enttäuschend. Wir haben in Dortmund in der ersten Halbzeit das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Darum ärgert es mich, dass wir kurz vor der Pause wieder so einen vermeidbaren Gegentreffer bekommen. Und, dass wir 1:4 verlieren. Wir hatten nach dem 1:2 eine gute Chance zum Ausgleich, haben danach aber wieder die Ordnung verloren. Das ärgert mich.
Ist es ein individuelles Problem oder eines des Kollektivs?
Eberl Wir haben in dieser Saison beides erfahren, leider. Wir machen zu viele Fehler und lassen uns, wie jetzt nach dem zweiten Dortmunder Tor, bei dem Versuch, den Ausgleich zu erzielen, zu weit auseinanderziehen. So bekommt der Gegner immer wieder den entscheidenden Platz.
Reicht die Qualität des Kaders?
Eberl Ja, wenn wir vollständig sind. Wir hatten den Kader in dieser Saison aufgrund der vielen Verletzungen noch nie so zur Verfügung, wie wir ihn zusammengestellt haben.
Bis zur Winterpause kann es ja nur darum gehen, den Anschluss nicht zu verlieren ...
Eberl Wir müssen auf jeden Fall jetzt schnellstens unsere Fehler abstellen, um wieder in die Punkte zu kommen. Damit müssen wir gegen Hannover 96 anfangen und endlich zu Hause den ersten Sieg einfahren. Darum sind wir auch bis Donnerstag im Trainingslager in Tegelen, um uns in aller Ruhe vorbereiten zu können. Wir müssen bis zur Winterpause mit aller Macht dranbleiben, können uns dann neu vorbereiten und es in der Rückrunde ab Mitte Januar mit voller Konzentration angehen.
Wird es im Winter Zukäufe geben?
Eberl Unser Kader ist in Ordnung, wir haben allerdings sehr viele Verletzte. Das wirkt sich auf das Gesamtgefüge aus. Aber wir haben den Markt im Blick, um reagieren zu können, je nachdem, wie sich die Situation entwickelt, bei Dante zum Beispiel.
Sind es nicht immer nur Notlösungen, die es im Winter zu holen gibt?
Eberl Natürlich sind es meistens Nachbesserungen. Man kann aber auch perspektivische Transfers machen. Das haben die Verpflichtungen gezeigt, die wir in der Winterpause der Saison 2008/2009 getätigt haben. Logan Bailly und Dante waren damals ganz klar Vorgriffe auf die neue Saison, die uns aber auch sofort geholfen haben. Tomas Galasek und Paul Stalteri waren erfahrene Spieler, die eher kurzfristig eingeplant waren. Das Komplizierte ist: Wer ist für die jeweilige Situation der Richtige? Was kann man auch realisieren? Wir haben Möglichkeiten, zu reagieren, wenn es nötig ist, werden aber nicht in Aktionismus verfallen.
Kalkulieren Sie die Möglichkeit des Abstiegs in Ihre Planungen mit ein?
Eberl Ein Klub wie Borussia muss immer ins Kalkül ziehen, dass so eine Situation im schlechtesten Fall eintreten kann, denn wir haben das leider schon zweimal erlebt. Entsprechend haben wir die Verträge mit den Spielern gestaltet. Wir wissen, wie ernst die Lage ist.
Wäre denn ein Trainerwechsel eine Option?
Eberl Wir haben kein Trainerproblem. Michael Frontzeck macht gute Arbeit. Es fehlen auf dem Platz einfach die Stabilität und die Konstanz und deshalb auch die Ergebnisse. Nehmen wir nur mal unsere Viererkette: Da fehlen ja nicht nur zwei Stammspieler, sondern auch deren Vertretungsmöglichkeiten. Am Samstag in Dortmund hat sich gezeigt, wo die Unterschiede liegen: Der BVB ist total eingespielt, da funktionieren die Automatismen – auch weil Dortmund immer nahezu mit derselben Mannschaft spielt.
Fehlt ein Leader, der die anderen auch mal mitreißen kann?
Eberl Wir haben 25 Spieler im Kader, von denen können mehrere Verantwortung übernehmen, alleine, aber auch gemeinsam. Thorben Marx, Tobias Levels, Igor de Camargo oder Filip Daems, wenn sie gesund sind auch Dante und Roel Brouwers, sind Spieler, die die Sache in die Hand nehmen müssen.
Was macht Ihnen in dieser Lage Hoffnung?
Eberl Entscheidend ist, dass jeder, wirklich jeder, das Gespür dafür bekommt, was Abstiegskampf bedeutet. Dann werden wir auch wieder Erfolg haben.
Karsten Kellermann sprach mit Borussias Sportdirektor Max Eberl
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