Borussia Mönchengladbach: Borussia ist abhängig von Reus
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 27.10.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Wenn der Nationalspieler angeschlagen ist oder keinen guten Tag erwischt, spielt auch Borussia nicht gut. Trainer Lucien Favre nimmt seinen Rohdiamanten in Schutz – und fordert eine größere Beteiligung der anderen Spieler.
Sie hatten sich Marco Reus ziemlich früh ausgeguckt, die Spieler des 1. FC Heidenheim. Rustikal ging der Drittligist im Pokalspiel gegen Borussia zu Werke. Reus galt ganz offensichtlich als größte Gefahrenquelle im Team der Gladbacher. Denn dementsprechend vehement wurde der Jung-Nationalspieler mehrfach umgetreten.
"Da hört der Spaß auf", sagte Reus nach dem Elfmeter-Sieg. "Das ist ein Pokalspiel, ich verstehe vollen Einsatz. Aber wenn ich von hinten in die Achillessehne gegrätscht werde, geht das zu weit. Vor allem, wenn es dann nicht einmal Gelb gibt."
So unnötig die überharten Mittel des Underdogs auch waren – nach seiner Verletzung früh im Spiel lief der 22-Jährige, der unter Schmerzen die 120 Minuten durchspielte, nicht mehr so rund. Und dennoch hatte er die gefährlichsten Möglichkeiten für Borussia. Er spielte jedoch auch viele Fehlpässe, einige Aktionen misslangen – die Spritzigkeit, sie fehlte verletzungsbedingt. Es zeigte sich, wie schon am Wochenende zuvor gegen Hoffenheim: Borussia ist nur dann gut, wenn auch Marco Reus gut ist.
Fehlt Reus Samstag?
Verletzung Nach dem Pokalspiel in Heidenheim klagte Marco Reus über Probleme an der Achillessehne. Beim Auslaufen am Mittwoch fehlte der 22-Jährige.
Einsatz Ob Reus am Samstag gegen Hannover spielen kann, ist noch nicht geklärt. Trainer Lucien Favre sagte nur: "Ich muss nachdenken."
Beispiel Leverkusen. Gegen Bayer lieferte der Nationalspieler ein überragendes Spiel ab. Er erspielte sich alleine drei Riesenchancen, war an jeder gefährlichen Aktion irgendwie beteiligt. Am Ende sprangen jedoch "nur" zwei Tore für Borussia heraus. Denn Reus ist kein Torjäger, er kommt aus dem Mittelfeld, hat zwar eine perfekte Ballbehandlung und einen strammen Schuss. Doch der Torriecher eines Igor de Camargo, der fehlt ihm.
"Wir müssen aufhören, immer wieder über Marcos vergebene Chancen zu sprechen", mahnte Trainer Lucien Favre sichtlich genervt. "Er erarbeitet sich Torchancen alleine. Er bereitet viele vor. Marco ist super. Aber er kann nicht alles machen. Es muss auch von anderen kommen."
Doch wie? Das Offensivspiel der Borussia ist fast komplett auf Reus zugeschnitten. Denn Igor de Camargo ist regelmäßig verletzt. Mike Hanke hat sich mit der Rolle hinter den Spitzen so sehr angefreundet, dass er kaum mehr richtig vor das Tor zieht. Und Juan Arango, neben Reus der beste Techniker der Mannschaft, versteht sich vornehmlich als Vorbereiter.
So bleibt die Offensivproduktion einer in ihrer Gesamtheit durchschnittlichen Bundesliga-Mannschaft an dem Ausnahmetalent Marco Reus hängen. Eine große Last auf den Schultern des gerade einmal 22-Jährigen. "Er hat ein enormes Potenzial", sagt Trainer Favre fast schützend. "Aber wir dürfen nicht vergessen: Er hat noch zu lernen."
Bayern München macht die Situation für Reus derweil nicht gerade einfacher. Vergangene Woche noch dementierte der Rekordmeister in unserer Zeitung das Interesse an einer Verpflichtung des Nationalspielers.
Am Donnerstag kippte Karl-Heinz Rummenigge neues Öl ins Feuer. Der Vorstandsvorsitzende sagte der "Sport-Bild": "Reus ist ohne Frage interessant: Er ist jung und Nationalspieler. Und wir wollen mehr deutsche Nationalspieler holen." Auch wenn der Umworbene sagt, er konzentriere sich nur auf Borussia – unterbewusst wird der Jungstar die ganzen Einflüsse kaum ausblenden können. Doch Borussia ist abhängig von Reus. Aktuell mehr denn je.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









