Borussia Mönchengladbach: Borussia macht hinten dicht
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 12.08.2011 - 16:01Mönchengladbach (RPO). Die Zeiten, in denen die Gladbacher als Schießbude der Fußball-Bundesliga galten, sind vorbei. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre kassiert kaum noch Gegentreffer. Ein Erfolgsrezept.
Filip Daems erinnert sich nur allzu gut. "Es gibt Dinge, die vergisst man nicht", grummelt der Kapitän von Borussia Mönchengladbach. Er ist Abwehrspieler. Zwei Spiele bestritt er in dieser Funktion in der vergangenen Saison gegen Stuttgart. In diesen beiden Partien kassierte Gladbach zehn Gegentore gegen die Schwaben. "Das tat weh", sagt Daems.
Zeiten ändern sich. Wenn es am Samstag (18.30 Uhr im Live-Ticker) im ersten Heimspiel der Saison wieder gegen Stuttgart geht, sind Gegentore kein Thema mehr. Denn der Gladbacher Abwehr-Torso ist lange Geschichte. In den – saisonübergreifend – letzten acht Pflichtspielen landete der Ball nur drei Mal im Gladbacher Netz.
Zuletzt im Pokalspiel in Regensburg, als Torhüter Marc-André ter Stegen einen unnötigen Elfmeter verursachte – und sich selbst am meisten darüber aufregte. Für ihn ist es schlicht ungewohnt, ein Tor hinnehmen zu müssen.
Die Wandlung der Hintermannschaft von der Schießbude der Liga zur schier unüberwindbaren Hürde ist eine beeindruckende. Doch Zufall ist sie nicht, eher ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Manche davon sind beeinflussbar, manche nicht. "Wichtig ist, dass wir nicht mehr ständig durchwechseln müssen", sagt zum Beispiel Roman Neustädter.
Der Mittelfeldspieler betont, wie wichtig das ständige Zusammenspiel mit den Kollegen ist. "Wir verstehen uns inzwischen blind", sagt der 23-Jährige. Noch ein paar Monate zuvor stand aufgrund von vielen Verletzungen jede Woche eine andere Abwehrformation auf dem Platz.
Einen Großteil zur Wandlung trug Trainer Lucien Favre bei. Er veränderte Borussias Taktik um einige entscheidende Kleinigkeiten:
Fouls
Insbesondere nach Standards war Gladbach anfällig. Favre trichterte dem Team ein, vor allem in der eigenen Hälfte keine Fouls zu begehen. Die Taktik ging auf – in der Foul-Statistik belegt Gladbach nun einen der unteren Plätze. In München gab es, trotz Abwehrschlacht, nur eine Gelbe Karte – wegen Ballwegschlagens.
Teamarbeit
Unter Favres Vorgänger Michael Frontzeck war der Abwehrverband zu oft auf sich allein gestellt. Nun steht das Kollektiv im Vordergrund. "Wir stürmen miteinander", sagt Linksverteidiger Filip Daems, "und wir verteidigen miteinander." Favre spricht da gerne von "polyvalenten" Spielern – also solchen, die schnell umschalten können. Selbst ein Juan Arango kämpfte in München an der Seite des Belgiers gegen Bayerns Arjen Robben – mit Erfolg.
Laufbereitschaft
Am ersten Spieltag liefen nur Dortmunds Profis mehr als Borussia in München. 124,6 Kilometer spulten die Gladbacher ab – fast zehn mehr als der Gegner. Roman Neustädter war mit 13 Kilometern der Dauerbrenner.
Offensive
Borussia hat sich den Klassenerhalt nicht ermauert, sondern erspielt. Das Rezept lautete, zu agieren statt zu reagieren – und den Gegner so automatisch vom eigenen Tor fernzuhalten.
Es ist ein neues Bewusstsein, das sich in den Köpfen der Spieler eingenistet hat. "Wenn man hinten zu null spielt, haben wir mindestens einen Punkt", sagt Neustädter. "Der Rest, der kommt dann von alleine."
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