Mönchengladbach: Borussia spaltet den Stammtisch
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 27.01.2011 - 20:00Frontzeck raus? Und Bäcker rein ins Team? Nicht mal die Fans in der Nordkurve sind sich noch einig, was Borussia jetzt am meisten hilft. Wir haben uns am Stammtisch im Holter Borussen-Eck umgehört. Eine Momentaufnahme zwischen Verzweiflung und Hoffen an ein Wunder.
Wichtiger Anlaufpunkt
"Borussen-Eck" Die Gaststätte hat sich zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Fans vor und nach dem Spiel im direkten Stadion-Umfeld gemacht.
"Green Fanatics" Der Fanklub hat derzeit 28 Mitglieder, darunter sind auch zwei Gehörlose.
Nächstes Spiel Borussia muss am Sonntag um 17.30 Uhr bei Eintracht Frankfurt antreten.
Es ist ein Mittwochabend wie jeder andere im "Holter Borussen-Eck". Einige Gäste genehmigen sich ein Bier an der Theke, ein großer Tisch ist mit Borussen-Fans besetzt, und auf dem großen Flachbildschirm über der Eingangstür läuft Fußball. Cottbus gegen Hoffenheim.
Das Viertelfinale im DFB-Pokal interessiert aber nur am Rande. Viel wichtiger ist, was unweit der Holter Traditionsgaststätte im Borussia-Park passiert. "Was die Leute hier alles über Borussia erzählen, man könnte Bücher damit füllen", sagt Kosmas Theodoridis.
"Green Fanatics" im Zwiespalt
Der Wirt, den alle nur "Kosi" rufen, ist selbst großer Gladbach-Fan. Stolz zeigt er auf eine 35 Jahre alte Raute, die neben der Theke hängt. Jetzt macht er sich um seine Borussia Sorgen. "Die Leute können nicht verstehen, wie so ein Verein sich einfach nicht stabilisieren kann. Wieso können wir nicht das schaffen, was kleinen Vereinen wie Mainz gelingt?" Dies ist wahrscheinlich eine der Fragen, die derzeit in den zahlreichen Gaststätten und Fantreffs der Stadt rauf und runter diskutiert wird.
"Die sportliche Führung hätte im Winter den Mut haben müssen, den Trainer zu wechseln. Ich glaube, dass Frontzeck ein guter Fußball-Trainer ist. Doch er geht viel zu weich mit der Mannschaft um", sagt Bastian Servos. Neben ihm sitzt Jan Meurer, der anderer Meinung ist: "Ich halte zu Frontzeck. Man muss ihm die Zeit geben, etwas aufzubauen. Die vielen Trainerwechsel in den letzten Jahren haben nur geschadet." In diesem Zwiespalt stecken nicht nur die beiden Kumpel, sondern die gesamte Gladbacher Fanszene. Beim letzten Heimspiel gegen Bayer Leverkusen skandierte eine Gruppe in der Nordkurve "Frontzeck raus", was prompt Gegen-Sprechchöre hervorrief.
Servos und Meurer gehören dem Fanklub "Green Fanatics" an. Jeden Mittwoch kommen sie zum Holter BorussenEck", um über Borussia zu diskutieren. Und derzeit werden die Debatten besonders kontrovers geführt. "Ich glaube, dass die Fans auch durch die beiden Gruppen Initiative und Offensive verunsichert werden.
Zudem ist die Kurve keine Einheit mehr wie am Bökelberg, da jetzt im Grunde jeder dort stehen kann", sagt Uwe Werner. Der 57-Jährige hat früher selbst im Ordnungsdienst der Borussia gearbeitet. Heute schaut er sich die Heimspiele in Kosis Gaststätte an, während viele seiner Fanklub-Kameraden im Block 16 stehen.
Allerdings wäre er gerne während der Halbzeit in der Gladbacher Kabine. "Zum einen möchte ich hören, was Frontzeck den Spielern sagt, und dann würde ich ihnen noch was sagen." Doch es ist nicht nur das Vertrauen in den Trainer, das bei den Fans schwindet. "Kontinuität ist gut, doch wir brauchen dafür auch starke Leute, die das Geschäft seit Jahren kennen", sagt Servos. Die "Green Fanatics" haben auch genug von Spielern, die sich mit ihrem Verein nicht ausreichend identifizieren.
"Reus, Herrmann und Bäcker sollen am Sonntag stürmen", sagt Meurer. Die Talente, aber auch Winterzugänge wie Hanke und Stranzl, zählen am Fußball-Stammtisch zu den Hoffnungsschimmern. Und die Hoffnung haben die Fans noch lange nicht aufgegeben. Mindestens ein Unentschieden werde es in Frankfurt geben, und entschieden sei sowieso noch lange nichts. Und dann werden sie sich am nächsten Mittwoch wieder bei Kosi im "Holter Borussen-Eck" versammeln und leidenschaftlich diskutieren.
Das Pokalspiel ist mittlerweile beendet, Cottbus hat gewonnen. Kaum einer hat davon Notiz genommen. Es gibt eben derzeit Wichtigeres zu besprechen.
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