Borussia Mönchengladbach: Borussia stolpert in Freiburg
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 03.10.2011 - 02:30Nach drei Siegen hintereinander verliert Mönchengladbach 0:1 im Breisgau. Reus vergibt unter Beobachtung von Bundestrainer Löw etliche Chancen – immerhin bleibt er unverletzt und reist zum Nationalteam.
Marco Reus hätte mächtig Eindruck schinden können. Bundestrainer Joachim Löw war im Stadion, daher hätte der Borusse eine starke Bewerbung abgeben können für sein Debüt im Nationalteam. Doch Oliver Baumann, der Torhüter des SC Freiburg, machte den Spielverderber und wehrte in der 90. Minute auch den letzten Ball mit einem Reflex ab.
Reus, der immerhin unverletzt blieb und die Länderspielreise antreten konnte, hämmerte mit den Fäusten auf den Rasen. Löw hatte eine 0:1-Niederlage einer Borussia gesehen, die an diesem Tag erst nicht gut und dann vor dem Tor zu unpräzise spielte, und einen Marco Reus, der mal nicht zum Gladbach-Retter wurde.
Borussias Serie ist also gerissen nach drei 1:0-Siegen am Stück. Dass das ausgerechnet in Freiburg passierte, dem der abgefälschte Schuss von Johannes Flum reichte, gegen ein Team, das an diesem Nachmittag den Sieg nicht verdient hatte, ärgerte Borussias Trainer Lucien Favre merklich. Als er aber im winzigen Presseraum der Badenova-Arena gefragt wurde, ob es nur den vergebenen Torgelegenheiten gelegen habe, da meldete sich der erboste Fußball-Ästhet in Favre zu Wort. "Die Tore nehme ich nicht so wichtig, so einfach ist der Fußball nicht", sagte Favre.
Favre ist Perfektionist, und Perfektionisten mögen keine Niederlagen, die unnötig sind wie ein Kropf. Andererseits schien es dem Trainer gar nicht zu unrecht zu sein, endlich einen Beleg für seine These zu haben, dass all das staunende Schwärmen um die Geburt eines neuen Spitzenteams am Niederrhein realitätsfremd sei: "Ich erinnere noch einmal daran, woher wir kommen. Ich habe gesagt, wir müssen von Anfang an um jeden Punkt kämpfen."
Kämpfen heißt bei Favre allerdings spielen, denn so versteht er den Fußball. Es geht um Lösungen und die kreative Suche nach den richtigen Lösungen. "Mir ist wichtig, wie man zu den Torchancen kommt. Wir müssen unsere Chancen besser vorbereiten, mit mehr Ruhe", sagte Favre. Er will, dass sein Team den Ball zirkulieren lässt, auch mal hinten herum, und erst dann, wenn die Gelegenheit möglichst vielversprechend ist, Geschwindigkeit aufnimmt. Intelligent spielen nennt Favre das, es ist die Grundlage seines Konzepts.
Die Art und Weise der Umsetzung seiner Ideen, die missfiel ihm in Freiburg, trotz viel Ballbesitzes, trotz einiger Torgelegenheiten. "Uns fehlte die Schnelligkeit, die richtige Beschleunigung, um Freiburg zu destabilisieren", monierte er. "Laufen, denken, antizipieren, passen, Ballannahme, das hat alles total gefehlt", sagte Favre. "Und für mich ist das keine Überraschung", fügte er noch hinzu. Nun sollte man Favres Worte nicht als Implosion der ganzen Sache werten, sondern als sachdienlichen Hinweis bei der Suche nach dem tatsächlichen Status Quo seiner Borussia.
Das 0:1 in Freiburg "wird uns nicht aus der Bahn werfen", versicherte Martin Stranzl. Doch es war auf gewisse Weise ein Augenöffner für jene, die schon rosarote Luftschlösser erträumt haben, die in schönen europäischen Dörfern stehen. Favres Gladbach ist gut und auch stabil. Eben noch nicht so gut und so stabil, um ständig alles richtig zu machen. "Wir wissen, dass wir nicht jeden Gegner in Grund und Boden spielen", sagte Reus. Und Favre befand: "Es gibt nur eine Lösung: Arbeit, Arbeit, Arbeit."
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