Borussia Mönchengladbach: "Borussia überrascht mich"
zuletzt aktualisiert: 10.12.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Jos Luhukay war 2008 Gladbachs Aufstiegstrainer. Jetzt führte er den FC Augsburg, bei dem das Team von Lucien Favre am Samstag antritt, in die Bundesliga. Luhukay spricht über seine Zeit bei Borussia, deren Höhenflug und die Chancen seiner Mannschaft gegen Gladbach.
Für den FC Augsburg ist es eine Saison voller besonderer Spiele. Sticht für Sie das Treffen mit Ihrem Ex-Verein Borussia heraus?
Luhukay Der FC Augsburg ist zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Erste Bundesliga aufgestiegen. Daher ist jedes Spiel etwas Besonderes. Wir werden alles daran setzen, dass wir dies auch im nächsten Jahr erleben werden.
2008 sind Sie mit Borussia aufgestiegen, wurden dann aber nach nur sieben Spielen entlassen. Wie denken Sie heute darüber? Sind Sie noch enttäuscht?
Luhukay So ist das Geschäft. Aber ich werde den Aufstieg nie vergessen, vor allem die Freude und Begeisterung der 100 000 Fans bei der Aufstiegsfeier.
Jos Luhukay
Geboren am 13. Juni 1963 in Venlo (Niederlande)
Vereine als Spieler VVV Venlo, SVV Schiedam, RKC Waalwijk, SV Straelen und KFC Uerdingen 05
Spiele 139 Spiele in der Ehrendivision (27 Tore); 28 Partien in der Zweiten Liga (NL) sowie zwei Bundesliga-Einsätze
Vereine als Trainer SV Straelen, KFC Uerdingen, 1. FC Köln (Co-Trainer), SC Paderborn 07, Borussia Mönchengladbach, FC Augsburg
Zum Spiel Havard Nordtveit fällt aus (Knöchelprellung)
Was haben Sie aus jenen Tagen mitgenommen an Erfahrungen? Haben Sie Fehler gemacht? Es war schließlich Ihre erste Station in der Bundesliga, mal abgesehen von dem Mini-Intermezzo als Interimstrainer beim 1. FC Köln.
Luhukay: Ich bin ein positiver Mensch. Aber klar ist, dass man aus allem lernt. Ich habe immer versucht, das Beste für Mannschaft und Verein herauszuholen.
Für Borussia war es 2008 eine fast logische Rückkehr ins Oberhaus, für Augsburg ist die Bundesliga ein Novum. Welcher Aufstieg bedeutet Ihnen persönlich mehr?
Luhukay So logisch war die direkte Rückkehr nicht. Es war mit Hoffenheim, dem 1. FC Köln, Mainz 05, dem SC Freiburg eine sehr große Konkurrenz, doch wir sind als Meister aufgestiegen. Mit dem FCA haben wir Geschichte geschrieben, weil es der erste Aufstieg in die Bundesliga für den Verein überhaupt war. Beide Aufstiege werde ich niemals vergessen.
Sie haben mit Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Marcel Ndjeng und Nando Rafael drei Spieler im Kader, mit denen Sie schon in Gladbach gearbeitet haben. Damals bei Borussia haben Sie Roel Brouwers aus Paderborn geholt. Ist es leichter, mit Spielern, die man als Trainer kennt, ein Team aufzubauen?
Luhukay Es ist kein Nachteil, wenn man die Spieler kennt und mit ihnen schon gearbeitet hat.
Brouwers ist neben Filip Daems und Christofer Heimeroth der dienstälteste Borusse. Wie beurteilen Sie seine Entwicklung?
Luhukay Ich freue mich sehr für Roel, dass er sich bei der Borussia durchgesetzt hat. Daran habe ich aber auch nie gezweifelt.
Überrascht Sie persönlich Gladbachs Höhenflug?
Luhukay Ehrlich gesagt: Ja. Nach der letzten Saison mit den Relegationsspielen war es nicht abzusehen, dass man jetzt auf einem Champions-League-Platz steht.
Gladbach ist am Samstag klarer Favorit – oder? Wie kann Augsburg Borussia besiegen? Gibt der erste Heimsieg gegen Wolfsburg noch Auftrieb?
Luhukay Ein Blick auf die Tabelle genügt, um die Favoritenfrage zu klären. Wir müssen einen guten Tag erwischen, um Gladbach zu schlagen.
Wäre ein Sieg gegen Gladbach eine Genugtuung für Sie?
Luhukay Es geht nicht um meine Person, sondern um drei Punkte für den FCA im Abstiegskampf.
Ihre familiäre "Basis" ist in Venlo, also 600 Kilometer von Augsburg entfernt? Wie oft sind Sie noch dort?
Luhukay Ich versuche zweimal im Monat meine Familie zu besuchen. Das klappt leider nicht immer.
Wenn Sie wählen könnten: Welchen Borussen hätten Sie gern im Team?
Luhukay Die Borussia spielt eine fantastische Hinrunde. Warum sollte ein Spieler jetzt über einen Wechsel nachdenken?
Karsten Kellermann stellte die Fragen. Jos Luhukay war von Januar 2007 bis zum 5. Oktober 2008 Trainer bei Borussia. Zunächst war er "Co" von Jupp Heynckes, nach dessen Rücktritt wurde er Cheftrainer. Luhukay konnte Borussia in der Saison 2006/2007 nicht mehr retten, führte sie aber 2008 zurück in die Bundesliga. Nach sechs Niederlagen in den ersten sieben Spielen wurde er aber entlassen.
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