Borussia Mönchengladbach: Borussia verliert Talent Malli
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 11.01.2011Der U19-Nationalspieler ist ein "Zehner", der in der Hinrunde in Borussias Regionalliga-Team starke Spiele machte. Eineinhalb Jahre verhandelte der Klub mit dem 18-Jährigen, nun lehnte er den angebotenen Profivertrag ab.
Nicht ernsthaft
Abwarten "Es gibt Interessenten, aber noch keinen, mit dem wir bereits ernsthaft gesprochen haben", sagt Borussias Sportdirektor Max Eberl zum Stand der Dinge bei Raúl Bobadilla und Marcel Meeuwis. Beiden Spieler haben bei Borussia keine Perspektive mehr.
Yunus Malli ist ein Talent. Ein großes sogar. Er ist einer jener Fußballer, die für das Besondere zuständig sind, einer, der mit seinen Ideen ein Spiel lenken und entscheiden kann. Malli ist ein Mini-Özil, könnte man sagen: 18 Jahre ist er alt, hat einen türkischen Pass, ist aber deutscher U19-Nationalspieler und als A-Jugendlicher einer aus dem starken 1992er Jahrgang, der in Borussias U23 in der Hinrunde für Furore sorgte. Aber Yunus Malli, geboren in Kassel, ist nicht mehr lange Borusse. Denn er hat sich entschieden, den Profivertrag, den Borussia ihm angeboten hat, nicht zu unterschreiben, sondern sich im Sommer einen neuen Klub zu suchen. Dabei hatte Malli, der seit drei Jahren im Borussen-Internat lebt, noch im November gesagt: "Ich möchte bei Borussia bleiben."
Eineinhalb Jahre verhandelt
Damals liefen die Verhandlungen schon einige Monate. "Wir haben eineinhalb Jahre mit Yunus über eine Vertragsverlängerung verhandelt. Jetzt hat er uns mitgeteilt, dass er nicht verlängern wird", berichtet Borussias Sportdirektor Max Eberl. Weswegen die Idee, Malli mit ins Trainingslager der Profis nach Spanien zu nehmen, verworfen wurde. So waren neben Torwart Marc-André ter Stegen auch der defensive Mittelfeldspieler Julian Korb und Verteidiger Niklas Dams dabei, für den es das "Lager-Debüt" war. Korb war schon im Sommer mit nach Österreich gereist.
Beide, Korb und Dams, sind Stammkräfte in der U23 und haben somit ihren Teil dazu beigetragen, dass Sven Demandts Team gestern als Regionalliga-Tabellenführer in die Vorbereitung auf die Rückrunde startete. Malli begann die Saison in der U19 (fünf Spiele, zwei Tore, beide beim Derbysieg gegen den 1. FC Köln), wurde dann aber in die U23 hochgezogen. Elf Spiele absolvierte er dort und schoss ebenfalls zwei Tore. "Yunus ist ein Klassefußballer, sehr kreativ und schnell am Ball. Allerdings ist er noch nicht so stabil wie Julian Korb. Aber Yunus hat sicher das Potenzial, sich oben durchzusetzen", sagt Demandt.
Wo er das künftig versuchen wird, ist offen. Möglicherweise ist 1899 Hoffenheim eine Option. Denn dort ist nun Marco Pezzaiuoli Cheftrainer, der 2009 Coach jener U17 des DFB war, die Europameister wurde. Malli gehörte zu diesem Team und war, ebenfalls 2009, bei der U17-WM dabei. "Welche Pläne Yunus hat, wissen wir nicht", sagt Max Eberl. "Schade, dass er sich so entschieden hat. Aber wenn man alles versucht hat, in der Betreuung und auch mit einem Vertragsangebot, und sich ein Spieler dann dagegen entscheidet, kann man nichts machen", sagt Borussias Vize-Präsident Rainer Bonhof.
Gestern beim Trainingsauftakt der U23 war Malli nicht dabei. "Er ist ein wichtiger Spieler für uns", sagt Demandt zwar. Doch dürften die Spieler, mit denen Borussia langfristig planen kann, nun im Vorteil sein und Malli in der U23 eher keine Rolle mehr spielen: Denn den Borussen geht es darum, in der "Reserve" denen Spielpraxis zu geben, die für das Profiteam perspektivisch interessant sind. Wie Marc-André ter Stegen oder auch Korb und Dams. Für alle drei war die Reise ins Trainingslager eine gute Erfahrung. "Es bringt immer was, beim Profiteam dabei zu sein", sagt Dams. Er wäre in der Hinrunde sogar fast im Bundesliga-Kader gelandet – beim Spiel in Dortmund. "Da war die Spielberechtigung aber nicht rechtzeitig da", sagt Dams.
Wie Malli, der sich gestern nicht zum Thema äußern wollte, hat sich ein anderes Talent, das fünf Tage lang bei Borussia vorspielte, für einen anderen Klub entschieden: Der Österreicher Lukas Spendlhofer (17) geht von St. Pölten zu Champions-League-Sieger Inter Mailand. "Borussia wollte ihn, aber Inter war schneller", sagte St. Pölten-Trainer Bohdan Masztaler bei sport10.at. Inter dürfte die besseren finanziellen Argumente gehabt haben.
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