Borussia Mönchengladbach: Borussia wichtiger als die WM
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 13.07.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Wenn Mathew Leckie mit seinen Kumpels Martin Mason und Daniel Mullen, die daheim sind im fernen Australien, chattet, dann liest er aus manchem Eintrag, dass die "Jungs total aufgeregt sind".
"Mann, vielleicht spielst du bald gegen die Bayern", schreiben sie dann. Und können es gar nicht richtig glauben, dass der Bursche, der kürzlich noch für Adelaide United kickte, möglicherweise ganz fix in der Bundesliga auftaucht. Leckie, 20 Jahre alt und der dritte Import aus Down Under in Borussias Geschichte, ist selbst überrascht, "dass ich so gut reingekommen bin. Damit habe ich nicht gerechnet".
Am Anfang war es schwierig
Leckie war Ende März Borussias erster Zukauf für die neue Saison. Nach dem Länderspiel Australiens gegen Deutschland im Borussia-Park blieb er hier und sollte eigentlich schon regelmäßig am Training teilnehmen. Doch er war angeschlagen. "Ich war dann noch mal zu Hause und bin zum Start der Vorbereitung zurückgekommen". Am Anfang fiel es ihm schwer, "in den ersten Tagen des Trainingslagers war ich auch nicht gut drauf". Doch Leckie steigerte sich – und gehört inzwischen zu den Gewinnern der bisherigen Vorbereitung.
Programm Heute um 10 Uhr trainieren einige Borussen am Haus Lütz. Die anderen Profis fahren nach Saarbrücken. Dort spielen sie um 18.30 Uhr beim dortigen Drittligisten.
Prüfung Matthias Zimmermann fehlt in Saarbrücken. Der 19-Jährige macht gerade seine Handwerks-Gesellenprüfung. Darum fehlte er auch gestern beim Training.
Live Das Testspiel am Samstag gegen den Europa-League-Sieger FC Porto (19.30 Uhr), wird in voller Länge im Fohlen.TV zu sehen sein.
Die Borussen hatten zunächst erwogen, Leckie auszuleihen, um ihm Spielpraxis zu ermöglichen. Doch spätestens seit dem starken Auftritt in der zweiten Halbzeit beim 5:2 gegen Aberdeen, zu dem er zwei Tore beitrug, hat Trainer Lucien Favre eine gute Meinung von ihm. "Ich habe interessante Dinge gesehen", sagte der Schweizer und meinte zuvorderst Leckie.
Der Stürmer ist schnell, robust und hat Zug zum Tor. Dass er stets die Eins-gegen-Eins-Situationen sucht, gefällt Favre. Früher hat Leckie Fußball nach australischen Regeln gespielt. Da geht es rauer zu als beim richtigen Fußball, darum weiß er wie Zweikampfhärte geht. "In der Schule haben wir dann Fußball gespielt, ich bin aufgefallen und von einem Verein angesprochen worden", erzählt Leckie. Mit elf Jahren und nach einer Knieverletzung wechselte er vom elliptischen zum runden Ball.
Neun Jahre später gehört er zu den talentiertesten Nachwuchskickern seines Landes. Weswegen er möglicherweise ein Problem bekommt. Denn vom 29. Juli bis 20. August ist die U20-Weltmeisterschaft in Kolumbien, er könnte zum Kader Australiens gehören. Eine Auszeichnung, die dem Neu-Borussen durchaus ungelegen kommt. Statt zur WM zu fahren, würde er lieber in Gladbach bleiben und sich um einen Platz im Kader für den Saisonauftakt beim FC Bayern bewerben. "Die WM liegt ungünstig. Wenn ich da spiele, fange ich bei Borussia wieder bei null an", sagt er. Er hat sich etwas erarbeitet, das er nicht gegen die WM-Teilnahme eintauschen will: die Chance, von einem Kaderplatz träumen zu dürfen. Dass Borussia mit seinem Verband und der Fifa verhandelt, Leckie nicht abstellen zu müssen, wertet er als "gutes Zeichen". Morgen soll eine Entscheidung fallen. "Du musst spielen", schrieben seine Kumpels. Sie meinten nicht die U20-WM.
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