Borussia Mönchengladbach: Borussias Abwehr-Bollwerk
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 28.11.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Trainer Lucien Favre hat seit Amtsantritt sehr viel Wert auf die Defensivarbeit gelegt. Mit Erfolg: In 14 Spielen hat Borussia erst neun Gegentreffer kassiert. Die beteiligten Akteure haben sichtlich Spaß bei ihrer Arbeit.
Fussball Marco Reus hatte es irgendwann einmal treffend formuliert. "Ich sage immer das gleiche", meinte Borussias Angriffsjuwel über die Sätze, die er nach Spielen von sich gibt. Tatsächlich sind die Zitate, die sich von Gladbachs Gipfelstürmern aktuell aufschnappen lassen, erstaunlich recyclebar. Und das gilt nicht nur für die Abteilung Offensive.
Auch nach dem 3:0-Erfolg beim 1. FC Köln tauchte wieder so ein Satz auf. "Wir lassen kaum Chancen zu", sagte Roman Neustädter, aber die Phrase hätte in jeder beliebigen Woche auch von Dante oder Roel Brouwers stammen können. Gladbach steht, so die Beteiligten, "hinten kompakt", es ist "sehr schwer, etwas gegen uns zu holen".
Das Spiel in Zahlen
Torschüsse Köln 7; Borussia 15 (allein Marco Reus hatte mehr Schüsse als Köln insgesamt)
Zweikämpfe 44,1% : 55,9%
Pässe gesamt (davon Fehlpässe)
432 (83) : 608 (73)
Laufleistung 115,5 km : 117,9 km – die meisten Kilometer lief Roman Neustädter (12,2) vor Havard Nordtveit (12,04)
Der aktuelle Höhenflug der Mannschaft von Trainer Lucien Favre ist nicht nur dem Angriff zu verdanken. Natürlich verfügt ein Marco Reus über außerordentliche Qualität, spielt ein Patrick Herrmann endlich sein ganzes Talent aus. Doch bei nur neun Gegentoren nach 14 Spielen leistet auch die Defensive einen gehörigen Anteil zur Erfolgsbilanz. Und die Defensive, die fängt bei Gladbach schon ziemlich weit vorne an.
"Wir greifen alle zusammen an, wir verteidigen alle zusammen", sagte Kapitän und Linksverteidiger Filip Daems treffend. Jeder arbeitet mit nach hinten. Die Vierer-Abwehrkette steht wie eine massive Mauer vor dem Tor – abgesichert durch Gladbachs Doppel-Sechs, die ihre leichten Defizite im Spielaufbau durch kompromissloses Aufräumen vor dem eigenen Tor mehr als ausgleichen kann.
Borussias defensive Ordnung ist inzwischen so gewachsen, dass selbst Personalrochaden keinerlei Einfluss auf das Spiel haben. Ob Martin Stranzl neben Dante spielt oder, wie in Köln, der Niederländer Roel Brouwers – für Torhüter Marc-André ter Stegen bieten sich nur ganz, ganz wenige Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Schlicht, weil er kaum Bälle aufs Tor bekommt. Denn Borussia lässt in dieser Bundesliga-Saison die zweitwenigsten Torchancen nach dem FC Bayern München zu. Es ist das Ergebnis der kontinuierlichen Arbeit Lucien Favres, der seit Amtsantritt im Februar viel Zeit und Mühe darin investiert hat, die Abwehr zu stabilisieren.
Offensichtlich mit Erfolg. Und so haben die Akteure auf dem Platz viel Spaß. Roel Brouwers zum Beispiel spricht über "großartige Wochen". Der Niederländer verlängerte unter der Woche seinen Vertrag, wird im Dezember Vater eines Sohnes. Und gegen Köln durfte Brouwers, der heute 30 Jahre alt wird, wieder in der Startelf auflaufen. "Ich gebe zu, es könnte gerade nicht besser laufen." Höchstens eine Einladung zur niederländischen Nationalmannschaft könnte die Laune noch toppen. "Aber der Zug ist abgefahren", meint Brouwers. Vielleicht spielt er demnächst trotzdem international. Mit Borussia nämlich – das Abwehr-Bollwerk ist jedenfalls auf dem guten Weg.
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