Borussia Mönchengladbach: Borussias Kapitän geht voran und mahnt
VON THOMAS GRULKE - zuletzt aktualisiert: 23.08.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Es dauerte über eine Stunde, bis der Kapitän nach dem 4:1 gegen den VfL Wolfsburg als Letzter die Kabine verließ. Filip Daems genoss den Abend und schlenderte gelöst Richtung Business Lounge.
Seit Januar 2005 ist der Belgier nun schon Borusse und damit dienstältester Profi bei den Gladbachern. Eine Tabellenführung nach einem abgeschlossenen Spieltag hat er allerdings noch nicht erlebt. "Aber wir haben doch erst drei Spiele absolviert. Es gibt keinen Grund, jetzt zu träumen", sagte Daems.
Der 32-Jährige hat in seinen sechseinhalb Jahren in Gladbach oft genug erlebt, wie aufkeimende Hoffnung schnell wieder in Enttäuschung umgeschlagen ist. "Wir müssen jetzt die Ruhe bewahren und weiter hart arbeiten", sagte Daems, der in der noch jungen Saison mit bestem Beispiel vorangeht. Nicht wenige hatten nach der Verpflichtung des Schweden Oscar Wendt das Ende seiner Vorherrschaft auf dem Posten des Linksverteidigers vorausgesehen. Doch Gladbachs Nummer drei behauptete seinen Platz überzeugend.
Filip Daems
Bundesligaspiele: 121, alle für Borussia, Bundesligatore: neun (alle per Elfmeter), Länderspiele: sieben für Belgien
Training
Sonntag und Montag hatten die Borussen frei, am Dienstag um 16 Uhr steigt der Tabellenfüher wieder ins Training ein.
Spiel
Sonntag, 17.30 Uhr, tritt Borussia beim FC Schalke 04 an.
Aufmerksam in der Defensive, dynamisch im Vorwärtsgang: Filip Daems wirkt fitter denn je. 32,1 km/h erreichte er gegen Wolfsburg bei einem seiner 24 Sprints, kein Gladbacher war letzten Freitag schneller. "Ich habe mich auch schon im Frühjahr sehr gut gefühlt. Dass wir in der letzten Hinrunde alle unter unseren Möglichkeiten gespielt haben, ist klar", sagte Daems.
Jetzt holt die Mannschaft, die sich seit der erfolgreichen Aufholjagd im Mai kaum verändert hat, eine Menge aus ihren Möglichkeiten heraus. "Es ist schon ein Vorteil, dass wir eingespielt sind", sagte Daems, der gegen Wolfsburg auf seiner linken Seite blieb, während Havard Nordtveit den gesperrten Roel Brouwers im Abwehrzentrum vertrat.
In dieser Besetzung stellten die Gladbacher einen neuen Vereinsrekord auf. 13 Spiele in Folge hat die Mannschaft in der Bundesliga nie mehr als ein Gegentor kassiert: Damit ist Borussias Meisterteam 1969/70 überflügelt. Die defensive Stabilität ist mittlerweile schon eine verlässliche Größe im Gladbacher Spiel, gegen die Wölfe kam begeisternder Offensivfußball hinzu. Daems trug seinen Teil mit einem präzise verwandelten Foulelfmeter dazu bei, es war sein neunter Treffer im neunten Versuch. Nur Günter Netzer und Rainer Bonhof verwandelten für Borussia in der Bundesliga zehn Strafstöße in Folge.
"Das ist etwas für die Statistiker", sagte Daems, für den solche Rekorde ebenso wenig wichtig sind wie die momentane Tabellenführung. Es zählt einzig die nächste Aufgabe beim FC Schalke 04. Dort möchte Filip Daems den nächsten schönen Abend erleben.
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