Borussia Mönchengladbach: "Borussias letzte Hoffnung"
zuletzt aktualisiert: 09.04.2011Interview: Bernd Rupp, der für Gladbach und den 1. FC Köln spielte, über das unglaubliche Pokalfinale von 1973, Derby-Atmosphäre, die möglichen Vorteile eines Abstiegs und die Wichtigkeit des rheinischen Duell für seinen Lieblingsklub
Am Sonntag ist das Derby Gladbach gegen Köln. Sie haben für beide Rivalen gespielt: Insgesamt fünf Jahre für Gladbach und drei für den 1. FC Köln. Sind Sie mehr Borusse oder Geißbock?
Rupp Ich hänge mehr an Borussia als an Köln und Werder Bremen, wo ich ja auch zwei Jahre war. In Gladbach hatte ich meine schönste Zeit. Ich bin 1965 aufgestiegen, war 1973 Pokalsieger – nur Meister war ich nicht.
Der Pokalsieg 1973 gelang ausgerechnet gegen Köln, für das Sie eine Saison zuvor noch gespielt hatten.
Rupp Das war auch dringend nötig. Ich war vorher mit Köln zweimal im Finale, beide gingen verloren, und auch einmal ein Halbfinale. Ich war 1973 also zum dritten Mal in vier Jahren im Pokalendspiel. Zum Glück hat es dann mit dem Sieg geklappt.
Es war ja schon mehr als nur ein Sieg. Das Spiel ist eine Legende.
Rupp Es war ein Bombenspiel von beiden Seiten. Es ging rauf und runter, beide Torleute haben klasse gehalten. Ob wir am Ende verdient gewonnen haben, weiß ich nicht. Ich sage den Leuten aber immer: Überlegt mal, wer auf der Gladbacher Bank saß in diesem Spiel: Netzer, Simonsen, Stielike, drei Weltklasseleute. Das war ein Luxus.
Gespielt hat Heinz Michallik, der sonst nicht so oft dabei war.
Rupp Heinz war sehr wichtig für uns in diesem Spiel. Als wir in der Bundesliga gegen Köln gespielt hatten, hat Heinz Flohe gegen Günter gespielt und er hat ihn tot gelaufen. Im Pokalfinale war mit Heinz Michallik ein Abwehrspieler mehr da. So hat sich Berti Vogts um Wolfgang Overath gekümmert und Rainer Bonhof um Heinz Flohe. Und Günter hat ja seinen perfekten Abschluss noch gekriegt.
Was ist das Außergewöhnliche an Spielen zwischen Mönchengladbach und Köln? Sie haben das Derby ja von beiden Seiten erlebt.
Rupp Die Atmosphäre in diesen Spielen ist unglaublich. Leider gibt es heute immer wieder Randale, das gab es früher nicht. Es war eine gesunde Rivalität bei den Spielen. Borussia hat ja meistens in Köln gewonnen. Und einmal gab es im Uefa-Cup einen 5:0-Heimsieg der Borussen, da war ich Gladbacher. Das waren schon tolle Spiele.
Jetzt ist es das Spiel eines Fast-Absteigers aus Gladbach gegen einen eigentlich geretteten 1. FC Köln.
Rupp Für Borussia ist es die letzte Hoffnung. Köln ist tatsächlich fast durch, da passiert nichts mehr. Wenn Borussia gewinnt, kann sie vielleicht noch mal rankommen. Aber für mich war das 0:1 gegen Kaiserslautern ein Schlüsselspiel. Schade, beide Klubs gehören definitiv in die Bundesliga.
Was läuft in Ihren Augen schief in Gladbach?
Rupp Die Mannschaft ist nicht gut. Es fehlt ein guter Torwart und gute Außenverteidiger. Der Reus gefällt mir allerdings. Manchmal sage ich zu meiner Frau: Vielleicht ist es ganz gut, wenn Borussia absteigt und mal ein, zwei Jahre unten bleibt. Dann können die Borussen mit den guten jungen Spielern, die da sind, wieder was Konstantes aufbauen.
Das klingt, als schwebe Ihnen ein Revival der Idee von der "Fohlenelf" vor.
Rupp Wir hatten damals eine tolle Truppe zusammen, ganz klar. Alle waren jung und richtig gut. Es hat Spaß gemacht, für Borussia zu spielen.
Mehr als für Köln?
Rupp Als ich da war, habe ich zwei Jahre in der Radrennbahn gespielt, weil das Müngersdorfer Stadion umgebaut wurde. Das war nicht so schön.
Borussia schießt nicht genug Tore. Sie haben in 274 Bundesligaspielen 119-mal getroffen. Geben Sie Gladbachs Stürmern mal Tipps wie das geht...
Rupp Wir hatten damals gute Mittelfeldspieler, die uns perfekt eingesetzt haben. Günter wusste immer genau, wo der Ball für uns hin musste. Vorne haben wir immer gedribbelt, haben die Eins-gegen-Eins-Situationen gesucht. Hennes Weisweiler hat immer zu mir gesagt: Wenn du dreimal hängen bleibt, bist du beim vierten Mal vorbei und machst das Tor. Es hat gut funktioniert.
Sonntag sind Sie im Stadion. Wer gewinnt?
Rupp Köln braucht die Punkte nicht mehr so dringend. Borussia gewinnt 2:0. Ich bin zum ersten Mal in dieser Saison da und will natürlich ein Glücksbringer sein.
Karsten Kellermann sprach mit Bernd Rupp. Der Wiesbadener war von 1964 bis 1967 und von 1972 bis 1974 Gladbacher.
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