Borussia Mönchengladbach: Borussias Tor des Tages
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 14.02.2011Zuerst erzielt Igor de Camargo den frühen Führungstreffer für den Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga. Dann leitet er mit einer dummen Roten Karte die Niederlage beim FC St. Pauli ein.
Hamburg Als Borussias Niederlage feststand, saß der Hauptschuldige längst im Mannschaftsbus und schwieg sich aus. Selbiges tat auch Schiedsrichter Wolfgang Stark, der wortlos aus dem Kabinentrakt des Stadions am Millerntor trat. Nur das vermeintliche Opfer, das redete freiwillig. Matthias Lehmann hatte seinen FC St. Pauli mit einer schauspielerischen Glanzleistung entscheidend auf dem Weg zum Sieg verholfen. nach einem überharten Foul gegen Igor de Camargo stürmte letzterer auf den Hamburger zu. Beide Köpfe prallten aufeinander – doch nur Lehmann ging zu Boden. "Er berührt mich, ich nehme das Geschenk dankend an", so Lehmanns lapidarer Kommentar nach dem Spiel. "Da ist er selber Schuld."
Nichts bei Lehmann zu suchen
Borussias (inzwischen Ex-)Trainer Michael Frontzeck hatte zu dem Zeitpunkt bereits Lehmanns Gesicht abgesucht. "Ich habe ihn gefragt, wo er denn die Platzwunde hat", sagte Frontzeck, der mit Lehmann bereits als Trainer in Aachen zusammenarbeitete. Doch bei aller Tragik der Szene: de Camargo hatte nichts, aber auch rein gar nichts bei Lehmann zu suchen. "Er darf da einfach nicht hingehen", sagte Sportdirektor Max Eberl nach der Partie. Das sah de Camargo – wenn auch mit einem Tag Verspätung – ähnlich. "Ich muss mich da unter Kontrolle haben", sagte er zerknirscht.
Hinterher lässt sich das leicht sagen – in Minute 21 brannten alle Sicherungen beim Brasilianer mit dem belgischen Pass durch. Verwunderlich, war der 27-Jährige bis zu dem Zeitpunkt hervorragend im Spiel, hatte knapp zehn Minuten zuvor erst die Führung für Borussia erzielt. "Da muss er nach so einem Foul einfach aufstehen und mit all seiner Wut das 2:0 für uns machen", sagte sein Trainer.
Tat er aber nicht. Und erwies Borussia so einen Bärendienst. Überhaupt ist die Wandlung vom vermeintlichen Helden zum Deppen bei den Mönchengladbachern derzeit sehr beliebt. Noch vor einer Woche ereilte Verteidiger Dante das Schicksal – wenn auch weitaus weniger selbst verschuldet als im Falle de Camargo. Vor der Pause hatte Dante gegen den VfB Stuttgart noch ein Tor erzielt – kurz vor Schluss musste er einen Fehlpass von Tobias Levels ausbügeln, Borussia kassierte den entscheidenden Elfmeter und Dante die Gelb-Rote Karte. Ein bitterer Moment.
Michael Frontzeck, der in letzter Konsequenz durch de Camargos Ausraster seinen Job verloren haben könnte (wer weiß, ob Borussia das Spiel sonst verloren hätte), resignierte angesichts des inzwischen siebten Platzverweises für Borussia nur noch. "Du darfst dem Gegner keine solchen Gelegenheiten bieten", sagte er. "Wer zuerst den Kopfstoß macht, weiß ich nicht. Aber so weit darf es einfach nicht kommen." Kam es aber. De Camargo verlor den Kopf. Borussia das Spiel. Und Frontzeck seinen Job.
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