Borussia Mönchengladbach: Borussias verkorkster Tag
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 29.08.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Lucien Favre hatte auf Schalke nicht viel zu lachen. Gegner Schalke war besser, benötigte jedoch ein "Glückstor" zum Sieg. Kurz vor Schluss lieferte sich Borussias Trainer noch ein Scharmützel an der Seitenlinie.
Gelsenkirchen Der Frust musste irgendwie raus. Lucien Favre hatte Alexander Baumjohann fest am Trikot gepackt, schnauzte ihn mit wutverzerrtem Gesicht an. Borussias Gastspiel auf Schalke war fast zu Ende, als der Gelsenkirchener Einwechselspieler etwas zu ungestüm einen Ball auf die Tribüne jagen wollte und dabei fast Gladbachs Trainer mit dem Fuß traf. Beim Schweizer entlud sich ein wenig der Frust über ein verkorkstes Spiel.
Diskutieren statt konzentrieren
Nur ein Gegentor kassierte Borussia in der Veltins-Arena. Lucien Favre hatte es kommen sehen. "Es gab Freistoß für Schalke. Und wir haben diskutiert, statt uns zu konzentrieren", monierte der Schweizer. Der Ball wurde schnell in den Strafraum geschlagen, landete irgendwie vor den Füßen von Stürmerstar Raúl.
Wade und Adduktoren
Angeschlagen Marc-André ter Stegen ging mit einer leichten Zerrung in der Wade ins Spiel. Marco Reus beendete die Partie mit Problemen an den Adduktoren. Ob beide schon heute zu ihren Nationalmannschaften (Reus A-Team, ter Stegen U21) reisen, ist laut Trainer Favre noch nicht sicher.
Training heute, 10 Uhr
Der hatte alle Zeit der Welt, den Ball in insgesamt drei Versuchen über die Linie zu bugsieren. "Wir standen nicht richtig. Das darf nicht passieren", befand Verteidiger Roel Brouwers, der in der Szene zu spät kam. Verkorkst. Oder "ein Glückstor", wie Favre feststellte. Zweimal hatte Marc-André ter Stegen im Tor überragend gehalten. Und das, obwohl der 19-Jährige angeschlagen ins Spiel ging. Eine leichte Zerrung in der Wade hinderte ihn noch am Training vor der Partie. "Ich hoffe, dass es nichts Schlimmes ist", sagte Favre.
Daneben ging auch der Auftritt von Raúl Bobadilla. Der Angreifer, der vor einer Woche gegen Wolfsburg glänzte, kam auf Schalke im Stück überhaupt nicht vor. "Es ist schwer", sagte sein Trainer hinterher. "Wolfsburg war Wolfsburg", sagte er. "Schalke war jedoch eine Mannschaft mit anderer Qualität." Eine Mannschaft, die bislang nicht gerade in der Abwehrarbeit glänzte. Bis gestern. "Ich glaube, ich habe das beste Spiel meines Teams gegen den Ball gesehen", sagte Schalkes Coach Ralf Rangnick. Favre beschrieb das Ganze als eine "Mauer, von der der Ball immer wieder zurückprallte."
Es war aber nicht alles schlecht, trotz der Niederlage. Borussia hatte gute Chancen. Und wurde, im Gegensatz zu Schalkes letzten Gegnern aus Helsinki, Köln oder Mainz, nicht überlaufen. Sieben Punkte hat Borussia nun nach vier Spielen auf dem Konto, das sind nur drei weniger als in der gesamten Hinrunde der vergangenen Saison. Es sind vielleicht weniger Zähler, als die kühnsten Optimisten sich erhofft hatten – doch es sind sieben wichtige Punkte gegen den Abstieg. Für Favre geht es in dieser Spielzeit nämlich immer noch um nichts anderes. "Wir haben immer noch sehr viel zu tun." Zeit genug hat er nun, nächstes Wochenende ist Länderspielpause. Am Ende versöhnte sich der Trainer sogar mit Baumjohann. Er kam extra in die Gladbacher Kabine, um sich zu entschuldigen. "Wenn ich ehrlich bin", sagte Favre, der sich ein Schmunzeln nicht mehr verkneifen konnte, "hätte ich es genau so gemacht".
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